Pfeilkresse, Lepidium Draba, Herzkresse und auch Türkische Kresse

Pfeilkresse

Heuer scheint die Pfeilkresse ein besonders gutes Jahr zu haben. Die Pfeilkresse gehört zur Gruppe der Kressen und zur Familie der Kreuzblütengewächse, den Brassicaceae.  Ich mag sie besonders gerne, weil sie Salaten einen frischen-pfeffrigen Geschmack gibt. Jetzt beginnt sie mit der Blüte und kann geerntet werden. Als ich letztens mit meiner Freundin und Studienkollegin Karin Schönhofer von der Do-Iteria am Mistplatz war, um Erde zu holen, sah ich am Nachbargrundstück ein ganzes Feld davon. Nun sofort ein Beitrag.

Aussehen und Merkmale

Pfeilkresse 2

Die Pfeilkresse ist eine recht anspruchslose, ausdauernde, krautige und mehrjährige Pflanze die bis zu 60 cm hoch wachsen kann. Mit ihrer tiefen Pfahlwurzel und ihrem verästelten Rhizom (unterirdische Sprossenachsen) kann sie sich bestens im Boden verankern. Sie zählt zu den Hemikyrptophyten und zu den Wurzelknospengeophyten. Das Wort Hemi – bedeutet so viel wie verborgen. Bei diesen Pflanzen liegen die Überdauerungsknospen oberhalb der Erdoberfläche. Die Stängel stehen aufrecht, und am Grund oft mit leichtem Haarbewuchs versehen.  Die Blätter der Pfeilkresse sind bis zu 10 cm lang und lanzettenartig, eiförmig oder spatelig geformt. Sie können unregelmäßig gezähnt sein. Im Bereich des Blütenstandes verzweigt sich die Pflanze und bildet schirmtraubige Blüten aus. Die Oberseite des Blütenstandes ist abgeflacht. Die Blüte hat vier weiße Kronblätter und ist zwei bis vier mm groß. Sie ist zwittrig und hat sechs Staubblätter, mit vier seitständigen und zwei mittelständigen Nektardrüsen. In der Mitte sitzt ein Griffel. Die Blüten sind vorweibliche, Nektarführende Scheibenblumen.

Pfeilkresse Blüte 2

Optisch wirkt der Blütenstand zuerst wie ein typischer Doldenblütler, bei näherer Betrachtung erkennt man aber den Kreuzblütler. Bestäubt wird die Blüte durch Selbstbestäubung oder durch Fliegen. 

Schirmtraube (inflorescence).svg

Bildnachweis: Von Amada44 – author of the png file is: de.wiki: supermartl, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3270828

Die Pflanze bildet zweisamige, herzförmige Schötchen aus, die im Reifungsprozess auseinanderfallen. Der Wind vertreibt diese fliegenden Körnchen, die als Lichtkeimer wieder neue Standorte suchen. Aber daneben kann diese Pflanzen sich auch vegetativ über die Wurzelsprosse vermehren.

Herkunft

Die Pfeilkresse ist ein invasiver Neophyt. Das bedeutet, dass sie sich als Art neu angesiedelt und etabliert hat. Ihr Ursprung wird vom Mittelmeer, über Osteuropa, bis Vorder- und Zentralasien lokalisiert.

Standorte

An Wald- und Wegrändern, zwischen Bahngleisen, Schuttplätzen, auf Äckern mit lehmigem Untergrund, auf Weinbergen, Mistplätzen, Ruderal-Stellen, Steinbrüchen oder auf Friedhöfen. Sie bevorzugt trockene, basische und steinige Böden.

Inhaltsstoffe

Vitamin C, Senföl. Wirkt verdauungsfördernd, Stoffwechselanregend. Wirkt mit dem Vitamin C-Gehalt auch gegen Frühjahrsmüdigkeit. Außerdem bei Durchblutungsstörungen, Verdauungsbeschwerden, Darmbeschwerden, Blähungen, Gelenk-Rheumatismus, bei Verspannungen und bei Rücken-Schmerzen (zerstoßene Samen).

Verwendung 

Ich persönlich mag die Samen der Pfeilkresse besonders gerne, weil sie einen senfig-scharfen Geschmack haben. Die jungen Blätter verwende ich von April bis Juni für Frühlings- oder Wildsalate, die Schoten kann man frisch oder trocken verwenden. Diese werden von Juli bis September geerntet. Die Blüten sind essbar und sehen über Salate oder Gemüse gestreut sehr dekorativ aus.

Wissenswertes

Pfeffer war immer schon ein recht teures und begehrtes Gewürz. Die Samen der Pfeilkresse dienten als Pfeffer-Ersatz.

Literaturnachweis

Carl von Linné 1753: Species Plantarum. Band II., Lars Salvius: Stockholm, S. 645.

Wolfram Schultze-Motel (Hrsg.) 1986: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Pteridophyta, Spermatophyta. Begründet von Gustav Hegi. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Band IV. Teil 1: Angiospermae: Dicotyledones 2 (Berberidaceae – Resedaceae). Paul Parey, Berlin/Hamburg. 

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Das große Eschensterben

Der Hymenoscyphus fraxineus treibt seit mehr als zehn Jahren ein böses Spiel mit heimischen Eschen.

Nach langer krankheitsbedingter Pause nun wieder ein Blog-Beitrag. Auslöser für diesen Beitrag war der Kahlschlag in den Tullner Auen im Jahre 2017. Ich konnte meinen Augen nicht trauen – alles niedergemäht. Meine geliebte Au glich einer Kraterlandschaft. Wie in meinem Artikel über die Morchel beschrieben,  ist die Gemeine Esche einer ihrer wichtigsten Baumpartner. Aber zuerst zum tödlichen Virus, der die Eschen bedroht. Der Virus ist nach Expertenmeinung ein aus Asien eingeschleppter parasitärer Schlauchpilz, das falsche weiße Stengelbecherchen, Chalara fraxinea, der auf asiatischen und nun auf unseren heimischen Eschen gedeiht.

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Bildquelle: Wikipedia weißes Stengelbecherchen eschensterben falsches

Die Art der Verbreitung ist unklar, wird aber unter anderem auf die Erhöhung der Durchschnittstemperaturen in Europa zurückgeführt. Um unsere Eschen zu erhalten wurde nun in Tulln ein Waldversuchsgarten angelegt. Dieser Schlauchpilz verursacht das Absterben des gesamten Baumes und stellt somit eine immense Gefahr für unsere Eschen dar. Der Verfall beginnt in der Baumkrone und breitet sich nach unten bis in die Baumwurzeln aus. Die Stämme brechen ein und der Baum bricht zusammen. Die Bäume fallen einfach um und gefährden damit auch Waldbesucher. Intensive Rodungen sind die Folge. Wie sehr erinnert das an die Plage mit der ebenfalls eingeschleppten Cameraria ohridella, einem Kleinschmetterling, der Rosskastanienminiermotte (Miniermotten Gracillariidae) vor einigen Jahren, welche die weißblühenden Roßkastanien befallen hatte. Bei den Eschen gibt es Hoffnung, weil einige wenige Exemplare gegen den Schädling recht gut standhalten können. Das führt nun zu einem Ausleseverfahren der Eschen, die gegen den Schädling bestehen können. Um dieses Ausleseprocedere kontrolliert durchführen zu können, wird unter standardisierten Umwelt-Bedingungen eine Art Rangfolge der Überlebensfähigkeit der Pflanzen erstellt und ein  kontrolliert starker Infektionsdruck hergestellt (vgl. https://derstandard.at/2000057548541/Wie-das-Eschensterben-in-Oesterreich-aufgehalten-werden-soll 15. Mai 2017). Der Anteil der mehr oder minder resistenten Eschen beträgt laut Universität für Bodenkultur Wien, in etwa 40 bis 60%. Die widerstandsfähigen Bäume werden dann in die Rangfolge aufgenommen und deren Saatgut für den Anbau entnommen. Wobei man bei der Esche weibliche und männliche Paarungspartner benötigt. Über Stecklingsvermehrung werden die genetisch resistenten Bäume dann vervielfacht und wieder in das Au-System eingebracht.

Das Eschensterben betrifft jedoch nicht nur meine geliebten Auen in Tulln und Korneuburg, sondern den Eschenbestand in ganz Österreich.

Die Gemeine Esche – Fraxinus Excelsior

Die heimische Esche ist der zweithäufigste Laubbaum für den österreichischen Ertragswald. Sie weist eine hohe Standortorttoleranz und ein enormes Anpassungspotential auf. (wenn ich daran denke wie ich die Eschenkeimlinge in meinem Garten als lästige Wildkeimlinge immer ausgerottet habe…). Und sie zählen zu den wertvollsten Hölzern europäischer Edellaubäume. Der Ausfall dieser Baumart würde schwere Folgen im Ökosystem Wald nach sich ziehen. Ihr Holz ist ringporig, hart, zugfest, biegefest und schwer. Wichtig ist ihr Erhalt auch, weil sie sich an Orten wie Steilhängen, Schluchten oder Bachrinnen und Auwäldern ansiedeln kann und sich gerne mit anderen Baumarten und dem Pilzpartner Morchel vergesellschaftet. In Bezug auf Verbiss- und Schäldruck durch Reh- und Rotwild würde ein Ausfall dieser Baumart die Wildschäden auf andere Baumarten verlagern. Die Ausbreitung der Esche reicht von Schottland, bis Norwegen und von der Pyrenäenhalbinsel (Galizien, Spanien) über Italien, Irland und bis nach Persien. In Österreich ist sie nach der Rotbuche der zweithäufigste heimische Laubbaum. Durch den Schädling wird in den kommenden Jahren mit einem deutlichen Rückgang gerechnet.

Signalpilz

Ein Pilz, der den Verfall eines Baumes anzeigen hilft ist der Hallimasch, oder Honigpilz. Er siedelt sich an den Wurzeln der bereits befallenen Bäume an und spielt so den Anzeiger, für kranke Zustände. Der Hallimasch bedeutet Alarmstufe „rot“ und er entzieht dem Baum noch den letzten Rest an Kraft.

resistente Bäume

In Österreich sind bisher etwa 580 Bäume als vermutet resistent identifiziert worden. Die Tests für die Vermehrung laufen.

So kann ich nur hoffen, dass Herr Thomas Geburek von der Universität für Bodenkultur und sein Team das Eschensterben aufhalten können. Der Zeithorizont bis zu einem erfolgreichen Auspflanzen von resistenten Bäumen kann in etwa 15 Jahre betragen.

Also Aufruf an alle Gärtner – ehrt jeden Eschenkeimling – wer weiß vielleicht ist er/sie Gründervater oder Mutter einer neuen widerstandsfähigeren Eschenpopulation.

https://www.ages.at/themen/schaderreger/kastanienminiermotte/

https://www.google.at/search?q=wei%C3%9Fes+stengelbecherchen+eschensterben+falsches&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwjM74Gj3f3ZAhWRPFAKHQPxAbcQ_AUICigB&biw=1280&bih=694#imgrc=M-Ey8Gl424uy4M:

http://www.esche-in-not.at/index.php/baumart-esche

https://www.googleat/search?q=weißes+stengelbecherchen+falsches&source…

Gilbert Weisbier: https://kurier.at/chronik/oesterreich/die-esche-stirbt-in-ganz-oesterreich/257.499.478

https://derstandard.at/2000057548541/Wie-das-Eschensterben-in-Oesterreich-aufgehalten-werden-soll

https://www.google.at/search?q=wei%C3%9Fes+stengelbecherchen+eschensterben+falsches&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwjM74Gj3f3ZAhWRPFAKHQPxAbcQ_AUICigB&biw=1280&bih=694#imgrc=M-Ey8Gl424uy4M:

Herbst-Lorchel – Helvella Crispa, Krause Lorchel – syn. H. Pityophila, Lorchelartige – Helvellaceae

Heute, im Laub-Mischwald fand ich meine erste Herbst-Lorchel. Andere Formen, wie der gräuliche Bruder – die Gruben-Lorchel – Helvella lacunosa, die Langfuss-Lorchel (Helvella macropus), die elastische Lorchel (Hevella elastica Bull.), der hochgerippte Becherling (Helvella acetabulum), oder die kleinere milchweiße Lorchel – Helvella lactea und noch viele weitere, habe ich bereits mehrmals gesichtet. Über den Speisewert dieses Pilzes gibt es unterschiedliche Meinungen. Mein „Rotkäppchen“ – eine langjährige Pilzfreundin ist völlig verrückt nach ihnen, andere Menschen raten vom Verzehr eher ab. In Italien wird die Herbst-Lorchel als Marktpilz angeboten und gut abgekocht als Spezialität verspeist. Überempfindliche Menschen können mit Magen-Darmverstimmungen reagieren. Es gibt immer wieder Hinweise auf einen minimalen Gehalt an Gyromitrin. Dieses Gift kommt besonders in der Frühjahrs-Lorchel vor. Ein früherer Beitrag über das Thema Morcheln beschäftigt sich intensiv mit diesem Gift. Gyromitrin ist eine hochgifitige und vermutlich karzinogene chemische Verbindung. Das Gift ist flüchtig und wasserlöslich.

Wireframe model of gyromitrin

Strukturformel

Ich persönlich freue mich über den hübschen Anblick der Herbst-Lorchel, lasse sie aber im Wald stehen.

Aussehen

Der Hut ist creme-weiß, lappig, sattelförmig und brüchig im Fleisch. Oft ist er in der Mitte eingeknickt. Der Stiel ist zwischen 2 und 15 cm lang. Stark auffallend ist die tiefe Rillenführung am Stiel. Der Stiel ist biegsam und zäh. Innen befinden sich längsgezogene Hohlräume. Ähnlich wie die Gattung der Morcheln (Morchelartige – Morchellaceae), hat auch die Lorchel (Lorchelartige – Helvellaceae ), im Stiel Hohlräume. Direkt unter dem Hut ist er spitz zulaufend und nach unten hin wird er bauchig. Der Geruch und der Geschmack sind süßlich. Spannend ist bei diesem Pilz, dass die Hutlappen mit einer sporenbildenden Fruchtschicht überzogen sind.

Helvella elastica Bull   Grubenlorchel

Elastische Lorchel                                    Grubenlorchel

Standorte

Mein heutiges Exemplar fand ich am Wegesrand in einem Laub-Mischwald (Wienerwald). Gerne stehen sie an Wegen, an Waldrändern, an humusreichen Stellen und an feuchtem Laub. Aber auch bei Haselsträuchern und Birken. Die herbst-Lorchel steht häufig in Gemeinschaft mit Becherlingen. Die herbst-Lorchel zeigt sich von August bis November. Durch die auffallende Form gibt es kaum Verwechslungsmöglichkeiten.

Mohrenkopfmilchling

Mohrenkopf, oder auch Mohrenköpfiger Milchling, Lactarius lignyotus, Täublingsverwandter (Russulaceae), Pasterle, Schornsteinfeger

Nach dem Regen vor ein paar Tagen, wagte ich mich wieder einmal in die Pilze. Ich fand Eierschwammerl, Brätlinge und unberingte Butterpilze. Der Mohrenkopfmilchling ist mir ein Anliegen, weil er nicht nur rar, sondern auch ein hervorragender Speisepilz ist, der in Vergessenheit gerät. In Deutschland ist er kaum mehr anzutreffen. Ich selbst kenne nur zwei Plätze im Niederösterreichischen Fichtenwald, wo er vorkommt.

Aussehen

Mohrenkopfmilchling 1

Der dunkle Geselle ist in der Färbung sehr dunkelbraun bis fast Schwarz, mit matter, samtiger Hutoberseite. Es gibt auch hellere Exemplare mit Ockertönen. In der 2-7 cm großen Hutoberfläche, befindet sich eine Senke. In der Literatur wird auch von hellen fast elfenbeinfarbenen Funden berichtet. Die Hutoberfläche fühlt sich manchmal strukturiert – runzelig an. Die Lamellen sind weißlich bis zart beige. Der Übergang von den Lamellen zum Stiel ist scharf abgegrenzt. Der Stiel ist unberingt, gleichmäßig gerade, längsfurchig, dunkelbraun und  wird zwischen 4 und 10 cm lang. Das Pilzfleisch ist hell bis fast weiß und bei Verletzung tritt sofort ein milchig-weißer Saft aus. An der Luft färbt sich der Saft und wird rosa.

Vorkommen

Wie schon weiter oben beschrieben, siedelt sich der Mohrenkopfmilchling gerne in Gebirgslagen und Fichtennadelwäldern an. er kommt meist nur vereinzelt und nicht in Gruppen vor. Er ist von August bis Oktober anzutreffen. Der Mohrenkopfmilchling ist in Gesellschaft von Fichten und in Höhenlagen von 700 bis 1500 Meter angesiedelt.

Verwechslungsmöglichkeiten

Der Mohrenkopfmilchling ist an seinem typischen Aussehen leicht zu erkennen. Ein ähnlicher Pilz ist der Pechschwarze Milchling (L. picinus) der ebenfalls diese Standorte wählt oder der im Laubwald vorkommende Rußbraune Milchling (L. fuliginosus). Der Pechschwarze Milchling kann durch die fehlende Senke unterschieden werden und durch die Kostprobe. Er schmeckt sehr scharf. Außerdem hat er einen glatten Hut und einen glatten Stiel.  Der Pechschwarze Milchling ist ungenießbar. Die Lamellen sind auch nicht so stark kontrastierend wie beim Mohrenkopfmilchling.

Rezepte/Verarbeitung

Milchlinge müssen unbedingt ausreichend erhitzt werden. Nicht gut gegarte Milchling können sogar Vergiftungen hervorrufen. Gut gebraten gehört er zu den hervorragenden Pilzen.

Geschmacklich erinnert der Mohrenkopfmilchling an Nüsse mit zart bitterer Note. Da dieser Pilz einen sehr eigentümlichen Geschmack hat, sollte als Solitär behandelt und als Einzelpilz und nicht als Mischpilz verwendet werden. Der Mohrenkopfmilchling eignet sich zum kurzen Anbraten in etwas Butter oder Olivenöl. Etwas salzen und pfeffern und mit frischer Petersilie bestreuen. Sehr gut eignet sich dieser Pilz auch zum Trocknen und aufbewahren in Glasbehältern. der Mohrenkopfmilchling gehört zu jenen Pilzen, die nach der Katastrophe von Tschernobyl zu den belasteten Pilzarten zählen. Das gilt für Waldgebiete Süddeutschlands, Münchener Umland und dem Bayrischen Wald, den Alpen und dem Pfälzer Wald. (Information der Verbraucherzentrale https://www.verbraucherzentrale.de/30-jahre-nach-tschernobyl–lebensmittel-immer-noch-belastet/Abruf 09.08.2017). Empfohlen wird der mäßige Verzehr dieser Pilze wie: Semmelstoppelpilze, Maronenröhrlinge, Mohrenkopfmilchlinge, Trompetenpfifferlinge und wohlriechende Schnecklinge.

Mohrenkopfmilchlinge in Oberssauce

4 Personen

10 Mohrenkopfmilchlinge

1,5 Becher Schlagobers

Frische Petersilie (gekräuselte)

1 helle Zwiebel

Sonnenblumenöl

Salz & Pfeffer

Butter

Die Pilze putzen und in etwas stärkere Scheiben schneiden. Mischung aus 1 Löfferl Butter und etwas Öl herstellen. Zwiebel in Butter und Öl glasig rühren, die Pilze ebenfalls anbraten und mit Obers aufgießen. Einköcheln (reduzieren) lassen bis die Sauce cremig wird. Würzen und mit Petersilie bestreuen. Dazu passen Reis, Nudeln oder auch Salzerdäpfel. Natürlich ist diese Pilzsauce auch zu Fleischgerichten köstlich.

Gegrillte Ciabatta mit Mohrenkopfmilchlingen

Rasling gebraten auf Brot

Das Brot in nicht zu dünne Scheiben schneiden. In einer Teflonbeschichteten Pfanne in etwas Sonnenblumenöl anbraten. Auf einer Papierserviette abtropfen lassen. Die Pilze putzen und in Öl anbraten. Salzen & pfeffern. Mit Ölivenöl, einer Zehe (kleingehackt) Knoblauch, frischer Petersilie, ein wenig Zitronensaft und rosa Pfefferbeeren marinieren. Die gebratenen Brote damit belegen.  Noch heiß servieren. Wer mag kann ein paar Tropfen Trüffelöl in die Marinade geben. Dazu passt sehr gut ein Salat aus rotem Radicchio mit Rahm-Marinade und Walnüssen. Ein perfektes kleines, feines Dinner.

Weiterführende Literatur: Jacob Heilmann-Clausen u. a.: The genus Lactarius. Fungi of Northern Europe. Hrsg.: The Danish Mycological Society. Vol. 2, 1998

Foto Mohrenkopfmilchling: Ruegenpilze.de/Mit_Lamellen/Sprodblattler/Milchlinge/milchlinge.html

Foto Pechschwarzer Milchling: Pilzforum: https://www.pilzforum.eu/board/thema-pechschwarzer-milchling-lactarius-picinus

Wurzelnder Bitteröhrling – Bitterschwamm, (Caloboletus radicans, Boletus radicans, B. albidus), Dickröhrlingsverwandter, Boletaceae

Die lange Hitzeperiode hat nun ein Ende gefunden und endlich zeigen sich nach den heftigen Regenfällen der letzten Tage zaghaft die ersten Pilze. Der wurzelnde Bitterröhrling ist einer jener Pilze, die mein Herz höher schlagen lassen, um dann bei näherer Betrachtung mit hängenden Mundwinkeln dazustehen. Oft wird er, nicht nur von mir, wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Steinpilz verwechselt. Leider ist aufgrund der Bitterkeit ungeniessbar.

wurzelnder Bitterröhrling

Aussehen

Der Hut des wurzelnden Bitterröhrlings misst meist zwischen 6 und 30 cm und die Höhe kann bis zu 12 cm erreichen. Er wölbt sich in jungem Stadium halbkugelig und breitet sich im Alter flacher aus. Farblich ist er jung gräulich-weiss und später verfärbt sich der Pilz gelbbraun. Die Huthaut lässt sich nicht abziehen und bei großer Hitze erscheint der Hut rissig. bei manchen Exemplaren zeigt der Hutrand eine rötliche Färbung. Er fühlt sich trocken und nicht schleimig an. Die Röhrenmündungen beim jungen Pilz sind grellgelb und blauen auf Druck sofort an. Später färben sich dei Röhrenmündungen schmutziggrün. Der Stiel ist dickbauchig-walzenförmig und wird bis zu fünf cm dick. Er ist von der Röhrenmündung hinunter gelb und geht dann in bräunlich-gelbliche über. Der Stiel ist genetzt. Das Pilzfleisch ist fest und läuft bei Schnitt oder Verletzung sofort stark blau an. Die blaue Farbe lässt aber nach etwa 30 Minuten nach und die Schnittstelle färbt sich wieder schmutzig-weiß. Der Geruch ist säuerlich. Der wurzelnde Bitterröhrling ist nicht gifitg, schmeckt jedoch bitter, im Alter nach „Maggi“ und ist kein kulinarischer Gewinn.

wurzelnder Bitterröhrling 2

Standorte und Baumpartner

Meine heutigen Exemplare habe ich auf einem mit Kalkkies bestreuten Parkweg gefunden, wo sie neben Birken standen, und sie für Fotos und Analysen mitgenommen. Gerne und häufig stehen sie auf kalkhaltigem Boden, in Parkanlagen auf Wiesen oder als Mykorrhizapilz (lebt in Gemeinschaft mit einem pflanzlichen Partner) in Baumbegleitung von Buchen, Rotbuchen, Eichen, Birken, Linden oder sind auch in Hainbuchenwäldern und Laubwäldern anzutreffen. Er zeigt sich von Juli bis in den beginnenden November. Manchmal sind mehrere Pilze zu einem Büschel zusammengewachsen.

Verwechslungsmöglichkeiten

Mit den Steinpilz (gemeiner Steinpilz/Boletus edulis, s. Beitrag zum Thema),

Sommersteinpilz

dem Anhängselröhrling (Butyriboletus appendiculatus), oder auch mit dem Dickfussröhrling oder dem Schönfussröhrling (Boletus calopus, s. Beitrag aus 2016),

Rotfussröhrling

Rotfussröhrling

der sich aber klar durch die Rotärbung und wesentlich deutlicher Netzung am Stiel unterscheiden lässt.

Wissenswertes

Der Name „Radix“ leitet sich aus dem Wort für wurzeln ab. Bei größerer Hitze färben sich Teil des Pilze, oft an angenagten Stellen rötlich.

Wolfstrapp, gemeiner, Lycopus europaeus, Lycopus europaeus (syn. Lycopus aquaticus, L. vulgaris) gemeiner Wolfsfuss, Uferwolfstrapp, Wasserandorn oder auch Zigeunerkraut

Nach langer Blog-Abstinenz wegen Dissertation endlich wieder ein Blogbeitrag von mir – aus gegebenem Anlass heute der Wolfstrapp. Gestern begegnete ich bei Freunden einem Riesenbüschel davon an einem Fluss-Ufer. Saftig, üppig grün und nicht zu übersehen. Kaum jemand kennt dieses uralte Heilkraut aus der Familie der Lippenblütler heute noch. Besonders die Santee-Sioux setzten den virgischen Wolftrapp als Heilmittel bei Angstzuständen ein. Der Name bedeutet „lykos“ – Wolf und „pous“ von Fuss – Wolfsfuss. Diese Indianer färbten mit der Pflanze sogar Stoffe. In Kombination mit Alaun wurden die Stoffe schwarz gefärbt.

Aussehen

Meist wird der Wolfstrapp mit Brenesseln verwechselt, die ebenfalls gerne auf feuchtem Boden stehen und wirklich in jungen Zustand ein ähnliches Erscheinungsbild haben. Der Wolfstrapp hat jedoch eine wesentlich festere Blattsubstanz und schmälere, lanzenförmige Blätter. Die Wuchshöhen sind auch ähnlich mit 20 bis 1.20 m hohen Austrieben. auch der Wolfstrapp bildet unterirdische Auslufer über die er sich vermehren kann. Jedoch sind die Blätter stärker gezahnt als bei der Brenessel. Der Wolfstrapp ist eine krautige mehrjährige Pflanze mit bis zu 10 cm langen schmalen Blättern. Die Blätter und die Stängel sind unbehaart. Die Blüten sind radiärsymmetrisch, vierzählig und weiss mit Kronblätter, die dunkelrote Pünktchen zeigen. Die Blützeit reicht von Juli bis September. Der Blütenkranz sitzt knapp über den Blättern.

Standorte

Verbreitung findet der Ufer-Wolfstrapp in fast ganz Europa, in Westasien, und im östlichen Nordamerika verbreitet. Mit Vorliebe siedelt er sich an Bachufern, in Gräben und in Überschwemmungsgebieten an. Der Wolfstrapp auch im Garten an Plätzen mit nährsoffreichem Boden angesiedelt werden. Er ist winterhart und schmückt mit seinen sattgrünen festen Blättern als Staudenpflanze.

Wolfstrapp 2

Verwechslungsmöglichkeiten

Die der Brennessel und anderen Lippenblütlern, Taubnesseln und anderen.

Heilwirkung und Inhaltsstoffe

Gesammelt werden die oberirdischen Blätter, die vierkantigen Stängel und die Blüten. Die Wurzeln eignen sich nicht als Heilkraut. Bei den Blüten sollten die noch geschlossenen Blütenteile gesammelt werden. Bitte diese Heilpflanze in Absprache mit Ärzten und Homöopathen und keinesfalls in der Schwangerschaft verwenden. Oftmals wird Wolfstrapp getrocknet als Tee oder als Urtinktur CERES LYCOPUS EUROPAEUS, angeboten. Das Kraut schneiden und an einem trockenen Ort verkehrt aufhängen. Getrocknet in Papiersäckchen aufbewahren. Die Blüten setzen im Herbst klein braune Samen an, die sich für eine Vermehrung leicht ausstreuen lassen. Die Vermehrung gelingt auch über die Ausläufer (Wurzeln).

Die Pflanze wirkt antigonadotrop, antithyreotrop, mit Hemmung der peripheren Dejodierung von T4 und Senkung des Prolaktinspiegels.

Die Pflanze enthält Hydroxyzimtsäurederivate, p-Cumar-, Rosmarinsäure und Kaffeesäure. Außerdem Flavonoide (das Luteolin-7-glucosid und Luteolin-7-glucuronid, Flavonolglykoside).
Des weiteren sind Cumarine, Gerbstoffe, Triterpene (Ursolsäure) und Äther. Öl (etwa 0,2 %), Bornylacetat, Camphen, Campher, Geraniol, Limonen und Linalool nachgewiesen.

Dosierung

1-2 Gramm Tagesdosis als Tee in getrockneter Form. Bitte unbedingt bei der Dosierung in Absprache mit Fachpersonal und im Einklang mit Alter und Gewicht verwenden. Natürlich kann auch Frischpflanzensaft in entsprechender Dosierung eingesetzt werden.

Anwendungsgebiete

Bei leichter Schilddrüsenüberfunktion (Phenolcarbonsäuren, Hydroxy-Zimtsäure-Derivate, Wirkung ist antigonadotrop – hemmt die Bildung und – oder die Freisetzung der Gonadotropine LH und FSH) und antithyreotrop (haben einen dämpfenden Effekt auf die Schildrüse) gepaart mit Nervosität und Herzrasen (vegetativ-nervösen Stürungen), bei Morbus Basedow (immonologisch bedingte Schilddrüsenüberfunktion, (Gabe von Globuli D6 drei Mal täglich) bei Mastodynie mit den entsprechenden Spannungsgefühlen in der Brust und Schmerzen. Der Prolactin-Spiegel wird gesenkt. Bei einer Langzeiteinnahme wurden in seltenen Fällen Vergrösserungen der Schilddrüse beobachtet. Wissenswert dabei auch, dass die Einnahme von Lycopus-Präparaten eine Radio-Isotopen Diagnostik undurchführbar machen kann. Das Heilkraut hat außerdem eine blutstillende und beruhigende Wirkung. Heute wird der Wolfstrapp in der Homöopathie als Mittel gegen Nervosität, Schilddrüsenüberfunktion und Herrasen eingesetzt. In der Phytotheapie findet er Einsatz bei Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Angstzuständen, Schweißausbrüchen, und vegetativ-nervösen Störungen. Im Handel sind Mischungen auch mit Baldrian gemeinsam erhältlich.

weiterführende Literatur

Wirkungen, Hausmittel und praktische Selbsthilfetipps
von Heide Fischer

Im Verlag: Nymphenburger

Ziegenlippe

Ziegenlippe – Xerocomus Subtomentosus

Nach einer längeren Pause bringe ich wieder einen neuen Blogbeitrag. Ich hatte Probleme einem „User“ der sich „Gott“ „ich“ und „wir“ nannte und meine Seite durch den Schmutz zog. Aber gottseidank stehen demgegenüber so viele Menschen, die meine Seite schätzen und ebenso meine Arbeit. Danke! an Euch

Heuer war das unglaublichste Jahr für die Ziegenlippe. Ein Pilz, der völlig unterschätzt wird. trotz der anhaltenden Trockenheit habe ich dieses Jahr reiche Beute nach Hause getragen.

junge Ziegenlippe

Die Ziegenlippe wird auch filziger Röhrling genannt, Xerocomus subtomentosus und gehört in die Gattung der Dickröhrlingsverwandten. Nicht selten wird er auch dem Boletus – also den Dickröhrlingen, zu denen auch die Steinpilze zählen zugeordnet.

Aussehen

Mit seinem matten, polsterförmigen, braunen Hut sieht er nicht nur besonders appetitlich aus, er duftet auch noch herrlich. Die Haut lässt sich bei diesem Pilz nicht abziehen. Er greift sich immer trocken und nie schmierig an. Dieser Pilz kann bis zu 12 cm breit werden. Die Hutoberfläche kann bei großer Trockenheit rissig werden. Der Stiel ist 3 bis 9 cm lang und etwa 0,5 bis 2 cm stark. Die Form ist schlank-zylindrisch. Ich habe auch schon Exemplare mit flachen sehr biegsamen Stielen gefunden. Die Stielbasis ist manchmal ein wenig dicker und öfter ein wenig rot überzogen. Wenn man mit den Fingerkuppen darüber fährt kann man ganz leicht eine Linienzeichnung und oft auch eine Netzzeichnung spüren. Der Pilz ist sehr gut an der Hutunterseite zu erkennen, weil der Schwamm in den Stiel übergeht. Die Schwammseite ist hell- bis chromgelb, manchmal leicht ins grünlich-oliv reichend. Auf Druck blaut der Pilz. Das Fleisch ist zartgelb und blaut bei Verletzung sofort. Der Pilz riecht fruchtig und manchmal leicht nach Zitrone. Leider ist dieser Pilz auch bei Maden und anderen pilzfressenden Tieren beliebt. Die Frassstellen röten an den Rändern.

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Standorte

Die Ziegenlippe zählt zu den Mykhorriza-Pilzen und verbündet sich gerne mit Fichten, Rotbuchen, Buchen und Eichen-Hainbuchen. Oft findet man ihn bei Waldmeisterbeständen. Er zeigt sich von Juni bis in den späten Oktober. Ich bin heuer in einem Waldstück im Wienerwald im Föhrenbestand mehr als fündig geworden.

Verwechslungsmöglichkeiten

20160628_110302Rotfussröhrling

Flizröhrling

 

Verwechslungsmöglichkeiten bestehen mit dem Braunen Filzröhrling, Xerocomus Subtomentousus Var. Ferreugineus, der jedoch auch zu den Ziegenlippen gezählt wird. Der Stiel ist stärker gezeichnet und zeigt eine deutliche Netzzeichnung. Mit dem Rotfussröhrling oder dem leicht giftigen Schönfussröhrling, Boltus calopus kann ebenfalls eine Verwechslung stattfinden. Der Rotfussröhrling, Xerocomellus chrysenteron, syn. ist ein wunderbarer und essbarer Pilz. Eine mögliche Verwechslung besteht auch mit dem Hohlfussröhrling, Boletinus capives, der sich aber gut durch den zähen hohlen Stiel unterscheiden lässt und der ebenfalls essbar ist.

Rezepte

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Die Ziegenlippe eignet sich mit seinem frischen Pilzgeschmack wunderbar als Frischpilz, Trockenpilz und als eingelegter Pilz.

Pasta mit Ziegenlippe

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4 Personen

  • Bavette oder etwas dickere Spaghetti
  • 250 Gramm Ziegenlippe geputzt und geschnitten
  • 1 helle Zwiebel
  • 1 Zehe Knoblauch
  • Salz & Pfeffer
  • Etwas frische abgebriebene Zitronenschale
  • 1 Becher Creme Fraiche
  • 1 Becher Schlagobers
  • Frischen Thymian
  • Frische Petersilie
  • Ölivenöl, Butter

Zwiebel fein hacken, und Knoblauch in sehr feine Würfelchen schneiden. Alles in einer Mischung aus Olivenöl und Butter anschwitzen. Bavette in Salzwasser al dente kochen. Spülen und in Olivenöl-Butter schwenken. Die Pilze mit den Zwiebeln etwas anrösten. Mit Obers und Creme Fraiche aufgießen. Zitronenschale einrühren. Wer mag kann ein paar Tropfen Trüffelöl einrühren. Wenn die Oberssauche mollig wird, sofort über die fertigen Nudeln gießen.

Junge Ziegenlippen eignen sich wunderbar zum Einlegen, oder auf zum Einfrieren.

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eingelegte Pilze siehe Rezept Eierschwammerl Blogbeitrag