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Vogelbeere

Vogelbeere – Eberesche – Rosaceae – Rosengewächse – Mehlbeergewächse – Sorbus aucuparia – Kernobstgewächs (Pyrinae), Drosselbeere, Qiutsche, Krametsbeerbaum, Aberesche, Stinkholz, Gimpelbeer, Wielesche

Heuer ist bei der Eberesche – der Vogelbeere, wie sie umgangssprachlich genannt wird, mit reicher Ernte zu rechnen. Die Beeren beginnen ab nun zu reifen.

Aussehen

Vogelbeere Früchte

Vogelbeere Früchte

Die Vogelbeere wächst als sommergrüner Baum oder mehrstämmiger Strauch.

Vogelbeerbaum mit Früchten

Vogelbeerbaum mit Früchten

Die Baumart kann 5-10 Meter hoch werden. In der Literatur werden auch Baumhöhen bei freiem Gelände von 25 Metern angegeben.

Vogelbeere

Vogelbeere Vorderseite

Vogelbeere Blatt vorne

Vogelbeere Rückseite

Die Blätter sind unpaarig gefiedert mit einem 2-3 cm langen Blattstiel. Es sieht dem Blatt der Gemeinen Esche sehr ähnlich. Insgesamt wird das Blatt bis zu 15 cm lang und ca. 8 cm breit. Zerreibt man ein Blatt riecht es stark und gut nach Bittermandel. Ich mag die Blätter besonders für Herbstgestecke, weil sie eine ganz außergewöhnlich orange-rote Färbung bekommen.

Vogelbeere Herbstlaub

Vogelbeere Herbstlaub

Vogelbeere Blütenstand  Vogelbeerblüte groß

Die Blüten sind zwittrig und zeigen sich in zahlreichen, ausgebreiteten Schirmrispen. Die Kronblätter sind weiß. Die Eberesche blüht von Mai bis Juni. Die Vogelbeere leuchtet schon aus der Entfernung mit ihren orangeroten Früchten. Ihre kleinen, dreifächrigen Apfelfrüchte sind dreisamig, kugelförmig und in Schirmrispen zusammengefasst. Sie werden im Reifeprozess orange bis knallrot. Die 8-10 mm großen Früchte reifen ab August. Die Eberesche ist besonders bei Vögeln beliebt und bis zu 60 Arten fliegen diesen Baum als Futterquelle an. Aus den Früchten wurde früher der Zuckerersatz „Sorbit“ gewonnen. Sorbit diente auch als leichtes Abführmittel. Die Früchte haben einen leicht bitteren Geschmack und wirken in rohem Zustand für Menschen leicht abführend. Manchmal wird die Eberesche auch als in ´“rohen Zustand leicht giftig beschrieben“. Vögel sammeln die Früchte nach den ersten Frost. Besonders Singdrossel, Rotkehlchen, Misteldrossel, Kleiber, Eichelhäher und Gimpel stehen auf diese Früchte. Auch Reh und Rothirsch verzehren die Früchte herzlich gerne. Für die Raupen des Spanners Venusia cambrica und des Gelben Hermelins sind die Früchte wichtiger Nahrungsbestandteil.

Standorte

Heute sieht man die Eberesche oft im Stadtbild als Zier- und Alleebaum. Sie ist ziemlich resistent, besonders gegen Abgase. Nur Hitze mag sie nicht besonders. Die Eberesche kann ein Alter bis zu 100 Jahren erreichen. Sie gehört auch wie die Elsbeere zur Gattung der „Sorbus“ – Gewächse. Urspünglich war die Vogelbeere aber ein Feld- und Gebirgsbaum. Ich treffe sie oft in Gebirgswäldern auf ca. 700-800 Meter Höhe an. Sie hat Senkerwurzeln und kann über Stockausschläge (aus den „Augen“ auf einem Stückchen des Holzes, wieder neu austreiben) und sich über die Wurzelbrut vegetativ vermehren. Die Vermehrung gelingt ihr aber auch über den Kot von Vögeln.

Mythen

Rund um die Eberesche gibt es zahlreiche Mythen. Vor allem aber als glücksbringender Baum. Schon die Druiden verehrten diesen Baum als Verhinderer von Unheil und pflanzten ihn vor den bewohnten Orten. Der Baum war bei den Germanen „Thor“ gewidmet und im keltischen Baumkreis gehört er zu den Lebensbäumen. Die Kelten pflanzten ihn an Orakel- und Richtplätzen.

Inhaltsstoffe

Reich an Vitam C, Gerbstoff, Sorbitol, Sorbitansäure, Zitronensäure, Apfelsäure, Bernsteinsäure, Weinsteinsäure, Spuren von Parasorbinsäure (leicht abführend), Bitterstoff, Pektin, ätherisches Öl

Wirkung

Der Eberesche werden Heilwirkung auf Nieren – harntriebend, Leber – sogar bei Leberzirrhose, Gallenproblemen, Gallenstau, Gallen-Blasenentzündungen, Gallensteinen, Völlegefühl, Verstopfung, immunsystemsteigernd, Bronchitis, Lungenentzündung und bei Grauem Star und Glaukom (Augeninnendruck, intranvenös) nachgesagt.

Verarbeitung

Die Früchte der Ebersche sind, wie schon weiter oben beschrieben, in rohem Zustand für den Menschen leicht gifitg. Gekocht aber geht dieses Gift verloren. Der Geschmack ist etwas herb. Ich mag das aber sehr gerne, z.B. einmal anstelle der klassischen Preiselbeeren zu Wildgerichten.

Marmelade

Hier koche ich die Früchte 1:1 mit Gelierzucker ein. Die Früchte dann durch ein feines Sieb passieren. Zitronensäure und Vanillezucker nach Geschmack dazu. Gut passt zur Vogelbeere etwas frischer Orangensaft zu den Früchten gepresst. Als Würze nehme ich einen Hauch Zimt und auf einen Kilo Früchte 3-4 Esslöffel karamellisierten Braunzucker. Der Geschmack ist herb-säuerlich, aber sehr angenehm. Die Früchte haben Pektin als Inhaltsstoff und gelieren recht rasch, also nach dem Kochen schnell in Gläser füllen.

Saft und Gelee

Saft: Die Früchte abzupfen und zugedeckt mit Wasser eine halbe Stunde lang kochen. Nach Geschmack mit Zucker und etwas Zitronensäure abschmecken. Die Früchte in einem feinen Sieb mit einem Leintuch darin abtropfen lassen. Dann das Fruchtfleisch durch das Sieb (ohne das Tuch) drücken. In Flaschen abfüllen – Vorsicht wegen der Menge – leicht abführend. Der Saft schmeckt aufgespritzt mit Soda erfrischend. Mit Prosecco aufgegossen ist er ein exotischer Willkommens Drink.

Gelee: Aus dem Fruchtfleisch mit etwas Saft mache ich das Gelee. Dafür arbeite ich auf ½ Liter Fruchtfleisch und Saft 8 Blatt Gelatine ein. Über Nacht kalt stellen. Würfelig geschnitten passt die Vogelbeergelatine gut zu Rehleber oder Wildpasteten.

Schnaps und Likör

Wegen der aufwändigen Herstellung des Vogelbeerschnapses ist er auch entsprechend teuer. Vogelbeerschnaps hat schon lange in Tirol, Salzburg und in der Steiermark Tradition.

Vogelbeeren eigenen sich auch gut für angesetzte Liköre. Dabei verwende ich 1 Liter Ansatzkorn, 8 Handvoll Früchte gereinigt, 2 Esslöffel Honig, 1 Pkg Vanillezucker, Rohrzucker nach Geschmack, Saft einer Zitrone. Dunkel und abgedeckt gelagert für 4-6 Wochen stehen lassen. Auch der Likör kann mit Sekt aufgegossen werden. Übrigens schmecken die Früchte gut auf Vanilleeis.

Holz

Das Holz der Eberesche ist zerstreut-porig und deshalb für Drechselarbeiten sehr beliebt. Das Kernholz wurde in der Herstellung von Wagenrädern eingesetzt. Die Borke wurde früher zum Färben von Wolle verwendet.

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Waldbrombeere – Rubus silvaticus, Rosengewächse, Rosaceae

Da es bei dieser anhaltenden Hitze und Trockenheit kaum Pilze gibt, verlege ich mich auf die zur Zeit heranreifenden Beeren.

Waldbrombeeren

Waldbrombeeren

Der Rubus silvaticus ist einer der formenreichsten Beerenformen, mit derzeit ca. 150 schwierig voneinander zu unterscheidenden Unterarten und Übergangsformen. Nun beginnt sie zu reifen und die herrlichen, vitaminreichen Früchte stehen bereit für die Ernte.

Aussehen

Auch sie ist, wie die Himbeere eigentlich keine Beere, sondern gehört zu den Sammelsteinfrüchten. Die Frucht setzt sich aus vielen kleinen Kugeln zusammen, die jede einen Samen hat. Jedes einzelnes Kügelchen ist im Aufbau gleich und von einer dünnen Außenhaut umgeben.

Waldbrombeerblüten Waldbrombeerblüte rosa Waldbrombeerblüte Großaufnahme

Die Blüte ist vorweiblich, duftlos und weiß bis rosa – je nach Art. Sie ist zwittrig, hat fünf Kronblätter, eine doppelte Blütenhülle und ist radiär symmetrisch. Genauer bezeichnet handelt es sich um „Nektar führende Scheibenblumen“. Sie können fremd-, aber auch selbstbestäubt werden. Mittels Apomixis (Ausbildung von Samen ohne Befruchtung) können Samen entstehen. In der Mitte der Blüte sitzen zahlreiche Staubblätter. Die Blütezeit reicht von Mai bis August. Die Pflanze bildet Seitentriebe, die dann im zweiten Jahr Blütenstände ausbilden. Die Blütenrispe ist schmal pyramidal. Die Blütenstiele werden 8-15 mm lang. Im Winter ist die Brombeere kahl und bildet erst wieder im Frühling Blätter aus.

Waldbrombeere blau

„blaue Brombeere,“ die gerne an feuchten Stellen wächst

Waldbrombeeren grün Waldbrombeere

Ab Juli beginnen sich die vorerst grünen Früchte rot und dann blau bis violett zu färben. Die Brombeerpflanze in der wilden Form hat meist unzählige Stacheln, also Vorsicht beim Pflücken. Es gibt veredelte Formen, die bereits ohne Stacheln gezüchtet werden konnten. Aber die Waldbrombeere ist doch geschmacklich noch intensiver. Die Pflanze kann stehende und kriechende Formen haben. Die Blätter sind handförmig und 5 zählig. Interessant ist bei der Brombeere, dass sie über die Wurzel eine Symbiose mit einer stickstoffbindenen Fadenbakterie eingeht – der Frankia – Aktinorrhiza sind die Wurzelknöllchen bestimmter bedecktsamiger Pflanzen, die eine Symbiose mit stickstoffbindenen Bakterien eingehen. Zumeist sind das Bäume und Sträucher.

Standorte

Waldränder, kalk- und stickstoffreiche Böden, lichte Wälder, manche Sorten an Bachufern und an Rändern von Auwäldern, (wie die von mir als „blaue Brombeere bezeichnete). Halbschatten.

Inhaltsstoffe

Zahlreiche Mineralstoffe, Vitamin C, Vitamin A (Sehkraft), Vitamin E, Kalium, Kalzium und Magnesium. Farbe durch Anthocyane – Hauptsächlich Cyanid-3-O-glucosid. Ätherisches Öl, Gerbstoffe, Pektin, Bernsteinsäure, Apfelsäure, Oxalsäure, Milchsäure, Salizylsäure-

Anwendungen

Die wohlschmeckenden getrockneten Früchte sind oft Beigaben zu Teemischungen, die Blätter werden getrocknet als Tee aufgegossen – Rubi frucicosi folium. Sie enthalten Gerbstoffe (Gallotannine (hydrolisierbare Gerbstoffe), dimere Ellagitannine) die gerne bei Entzündungen im Mund- und Rachenbereich angewendet werden. Äußerlich eignet sich ein Absud aus den Blättern bei chronischen Hauterkrankungen zur Waschung der betroffenen Stellen. Ein Tee aus dem Blättern hilft auch gegen Durchfallerkrankungen. Der Tee gilt als schleimlösend

Brombeerkuchen mit Schaumhaube (Baiser)

Waldbrombeerkuchen

  • 500 Gramm reife Brombeeren
  • 100 Gramm weiche Butter
  • 75 Gramm Feinkristallzucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 TL Backpulver
  • 1 Ei
  • 100 Gramm Mehl

 Für die Schaumhaube

  • 3 Eiweiß
  • 70 Gramm Zucker
  • 2 TL Maizena

Das Mehl, 75 Gramm Zucker, Butter, Ei und Backpulver zu einem Mürbeteig verkneten. 1 Std in Klarsichtfolie eingewickelt kühl stellen. Dann mit dem Nudelholz auf ca. 1 cm Stärke ausrollen und in eine gefettete und ausgestaubte (gebröselte) Quiche form legen. Bei 160° Umluft hellbraun – ca. 20 Min. backen.

3 Eiweiß und den Zucker sehr steif schlagen – dafür zuerst das Eiweiß steif schlagen und dann den Zucker nach und nach einrieseln lassen. Danach die Speisestärke einarbeiten und zuletzt ganz vorsichtig die Früchte. Auf den vorgebackenen Teig auftragen und noch einmal für 30-35 Min bei 130°Umluft backen.

Wer mag, kann zwischen den Teig und den Belag noch eine Schichte säuerliche Marmelade (ev sogar Brombeere) auftragen. Besonders gut ist dieser Kuchen noch warm serviert. Obenauf kann mit Pistazienkernen oder Mandelblättchen noch ein guter Nussgeschmack dazu gereicht werden.

Brombeermarmelade

Waldbrombeermarmelade

Hier nehme ich wie immer Früchte und Gelierzucker 1:1, etwas Zitronensäure und ein wenig Vanillezucker. Wer mag, kann die gekochten Früchte durch ein Sein passieren, damit die Kerne entfernt werden. Meine Brombeermarmelade hat schon Reisen in die Schweiz und sogar in die USA unternommen, so beliebt ist Brombeere! ich habe einen Platz im 19 Bezirk, wo ich massenhaft die „blaue Brombeere“ finde. Leider ist die Stelle nur sehr schwierig zu erreichen und ich muss mit Gummistiefeln ausgerüstet in einen Bach steigen, der dann im Verlauf kanalisiert ist. Die Mühe zahlt sich aber aus, denn Marmelade aus den blauen Früchten ist besonders fein.

Wunderbar schmecken auch Milchshakes oder Joghurt mit Brombeeren

Wermut

Wermutkraut – Artemisia absinthium, Korbblütler-Astraceae, Bitterkraut, Ölde, Wiegenkraut, Wolfszausert

Wermutpflanze

Wermutpflanze

Unterarten sind Beifuß, Stabwurz, Edelraute und Estragon. In Polen gibt es eine endemische (nur dort vorkommend) Unterart- Artemisia absinthium var. Calcigena, mit sehr ähnlichem Aussehen. Der Name Artemisia soll von der griechischen Göttin Artemis Ilithia, der Geburtshelferin stammen. Im Mittelalter hat Hildegard von Bingen den Wermut bei Erschöpfungszuständen empfohlen. Die Unterart, Silberwermut ist die Artemisia „Valerie Finnis.“ In vielen Klostergärten wurde der Wermut als Heilpflanze und für die Herstellung von Kräuterlikören gezogen.

Aussehen

Es sind weltweit bis zu 250 verschiedene Artemis-Arten bekannt. Vermutlich kommt diese Pflanze ursprünglich aus Sibirien. Eine silbrig-grüne, strauchartige Pflanze. Sie kann bis zu einem Meter hoch werden. Die Laubblätter sind wechselständig, gestielt oder ungestielt und ein-, bis mehrfach fiederteilig. Die unteren Blätter haben eine dreifache Gliederung und sind langgestielt, die weiter oben angesiedelten Blätter sind ein-, oder zweifach gefiedert und kurz gestielt.

Wermutblatt

Blatt

Wermuthkraut

Ganze Pflanze

Alle Blätter haben auf der Blattoberseite eine dichte Behaarung. Die Blüten sind traubig oder rispenartig, meist nickend. Sie hat trockenhäutige Hüllblätter. Die Blüten sind röhrig, homogam (Zeitpunkt der Reifung zwittirger Blüten von männlichen und weiblichen Blütenorganen – Voraussetzung für die Selbstbestäubung. Die Narbe ist empfängnisbereit, währen die Staubbeutel, die eigenen Pollen entlassen), zwittrig oder heterogam (unähnliche Geschlechtspartner). Die Achänen (nicht klaffend, Sonderform der Nussfrucht, einsamige Schließfrucht) bilden einen unterständigen Fruchtknoten (das Gynözeum steht tiefer als die übrigen Blütenteile). Ein Pappus (Haarkranz, Saum) fehlt hier. Die Blütezeit ist meist von Ende Juni bis Ende September. Der Wermut ist ein Lichtkeimer.

Wermut Blüte

Wermut Blüte

Er kann sowohl auf leichter, lockerer Erde ausgestreut, als auch als Steckling vermehrt werden. Die Pflanze vermehrt sich aber auch über ihre Wurzeln – Ausläufer. Vorsicht jedoch bei Staudenbeeten. Der Wermut hat in seinen Wurzeln sogenannte Wurzelexsudate, die das Wachstum anderer Pflanzen hemmen oder sogar verhindern können. Er verträgt sich mit dem Storchschnabel, mit dem Lampenputzergras und mit Nelken.

Image

A: Oberständig, B: Halbunterständig, C: Unterständig, D: Mittelständig

Standorte

Waldwege, Böschungen, Lichtungen, auch in höheren Lagen, eher karge Böden.

Inhaltsstoffe – Heilwirkung

Thujon – ist ein Bestandteil des ätherischen Öls im Wermut. Thujon ist ein Nervengift, das in höheren Dosierungen Verwirrtheit und epileptische Krämpfe ( Konvulsionen) verursachen kann. In der Europäischen Union wurde der Thujongehalt auf 5 mg/kg in alkoholischen Getränken mit einem Alkoholgehalt von bis zu 25 % vol. und bis zu 10 mg/kg in alkoholischen Getränken mit einem Alkoholgehalt von mehr als 25 % vol. sowie bis zu 35 mg/kg in Bitter-Spirituosen begrenzt. Früher war der Alkoholgehalt der Absinth-Getränke bei 45-78%. Die heute erhältlichen Absinthe haben einen Alkoholgehalt mit bis zu 90%. Deswegen wird der Absinth mit Wasser verdünnt getrunken.

(+)-α-Thujon

Strukturformel Thujon

Die Wermutpflanze wurde in der Schweiz zur Herstellung von Absinth – Wermutspirituose, verwendet. Absinth besteht aus Wermut, Anis und Fenchel, Ysop, Zitronenmelisse, Angelika, Kalmus, Koriander, Wacholder, Veronica, Muskat, pontischem Wermut und anderen Kräutern. Er enthält aber das Nervengift Thujon, das in zu großen Mengen eingenommen, zu Vergiftungen und Verwirrtheit führen kann.

Absinth

Absinth

Absinth ist ein grünliches (Chlorophyill im pontischen Wermut), alkoholisches Getränk, das traditionell mit Wasser verdünnt getrunken wird. Er wurde ursprünglich im 18. Jdt. Im Val de Travers (Schweiz, Kanton Neuenburg – Canton de Neuchâtel) hergestellt. Dieses Getränk wurde von vielen Künstlern (auch Literatur) und Dichtern mit Vorliebe getrunken. Paul Gauguin, Camille Pissarro, Ernest Hemingway, Edgar Allan Poe, Henri de Toulouse-Lautrec, Aleister Crowley, Charles Baudelaire, Vincent van Gogh, Arthur Rimbaud und Oscar Wilde sind nur einige der berühmten Absinth-Trinker. Um 1915 wurde das Getränk in vielen Staaten, u.a. in den U.S.A.als Suchtmittel verboten. Es wurden Gesundheitsschäden befürchtet. Vermutlich waren die Vergiftungen aber eher auf die schlechte Alkoholqualität (Amylalkohol, Fuselöle, 1-Pentanol) und die konsumierten Mengen zurückzuführen. Seit 1998 ist das Getränk wieder zugelassen.  

Exkurs: Absinth-Rituale und Absinth auf Gemälden

Um 1860 etablierte sich die sogenannte „Grüne Stunde“ in den Französischen Städten. Man trank zwischen 17 und 19 Uhr Absinth. Verschiedene Trinkrituale entstanden, wie die Fontänen. Unter die Hähne wurde der Absinth-Löffel gehalten, darauf ein Zuckerstück. Es tropfte im Sekundenabstand ein Tropfen Wasser auf den Zucker. Das Wasser hinterließ im darunterstehenden Absinthglas eine milchige Spur. So wurde das richtige Mischungsverhältnis hergestellt.

Absinthfontäne

Absinthfontäne

Absinthgläser und Löffel

Absinthgläser und Löffel

Der Absinth war vor allem für Frauen, die nicht aus Halb-, oder Unterwelt stammten, die gesellschaftlich akzeptierte Variante, ja sogar chice Version des Alkoholismus. Die Häufigkeit der Verewigung in vielen Gemälden, zeigt die alkoholbedingten gesellschaftlichen Probleme einer Gesellschaft.

Absinth-Trinker von Victor Oliva 1901

Absinth-Trinker von Victor Oliva 1901

Absinth-Trinker von Éduard Manet 1859

Absinth-Trinker von Éduard Manet 1859

Absinth-Trinker Vincent van Gogh

Absinth-Trinker Vincent van Gogh

bsinth-Trinker von Edgar Degas 1876

bsinth-Trinker von Edgar Degas 1876

„Es scheint, als sei die gesamte europäische Elite der Literatur und der bildenden Künste im Absinthrausch durch das ausgehende 19. und beginnende 20. Jahrhundert getorkelt.“

So schreiben Hannes Bertschi und Marcus Reckewitz über dieses Phänomen des gemeinschaftlichen Alkoholrausches durch Absinth.

Bitterstoffe. Außer in Absinth ist Wermut auch im alkoholischen Getränk Noilly Prat enthalten. Er ist Bestandteil des Hausmittels „Schwedenbitter“.

Wermut zählt zu den Pflanzen mit den höchsten Bitterstoffanteilen (neben Enzian, oder Andorn). Sie sind auch für die gesundheitsfördernde Kraft verantwortlich. Die höchste Würzkraft hat der Wermut in der Zeit von Juni bis September. Er wurde schon in der Antike gegen viele Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen eingesetzt. Heute wird Wermut wegen seiner durchblutungsfördernden Wirkung bei Kopfschmerzen, Entzündungen und Menstruationsschmerzen verwendet. Wermut hilft als Hausmittel in Form von Würzkraut und passt gut zu deftigen und fettreichen Speisen. Als Würzkraut oder Tee hilft er bei Magenverstimmungen, Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit oder Blähungen. Er wirkt appetitanregend, gallenflussfördernd, leberschützend, zum Teil antiviral, durchblutungsfördernd, tonisierend, immunsystemstärkend. Er hat positiven Einfluss auf Magen, Darm, Leber und Galle. Das Kraut unterstützt bei Appetitlosigkeit (Bitterstoffe), Magenproblemen, Durchfall, regt die Gallenresektion an, bessert Diabetes, Gelbsucht und Blutarmut. Abtreibendes Mittel! Er enthält außerdem: Ätherisches Öl, Absinthol, das Glykosid Absinthin, Bitterstoffe, Artemisin, Absinthiin, Anabsinthiin und Bernsteinsäure

In der Homöopathie wird er auch bei Epilepsie, hysterischen Zuständen und bei Veitstanz gegeben.

Rezepte

Wermut-Tee, oder Wermut-Tinktur

In kleinen Mengen genossen, stärkt er die Sinne und hilft gegen Magenverstimmungen. Ein Teelöffel Wermutkraut (frisch oder getrocknet) mit 300 ml kochendem Wasser übergießen und kurz ziehen lassen. Der Tee kann mit Honig oder Zucker gesüßt werden, das allerdings die Heilkraft vermindert. Empfohlen werden etwa 2 bis 3 Tassen täglich, jeweils eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten eingenommen werden sollten. Nicht als Daueranwendung gedacht. Immer wieder pausieren.

Tinktur

Frische Wermutblätter mit Weingeist oder hochprozentigem Alkohol aufgießen und das Glas mit Deckel verschließen. 2-6 Wochen ziehen lassen. An einem dunklen Ort lagern oder in dunkle Flaschen abfüllen.

Als Tinktur, kann er mit Kompressen aufgelegt werden, oder 10-15 Tropfen mit Wasser verdünnt einnehmen. Ein Tropfen bei Kopfschmerzen an den Schläfen eingerieben, hilft sie zu vertreiben.

Wermut ist ein Wehenauslöser! Schwangere und Stillende sollten keinen Wermut zu sich nehmen.

Räucherpflanze

Die nordamerikanischen Indianer verwenden das Kraut zur rituellen Reinigung. Sie haben es dem Element Erde und dem Planeten Saturn zugeordnet. Für Schutzräucherungen unterstützt er die emotionalen Stärken und hilft, Neid und Missgunst abzuwehren. Er wirkt, wie alle Wermutpflanzen als „Seelenbalsam“, unterstützt Hellsicht und fördert Visionen. Er wird auch als Rauch bei Orakelbefragungen eingesetzt.