Tag-Archiv | Agaricomycetes

Goldgelbe Koralle

Goldgelbe Koralle – Ramaria aurea, Ziegenbart, Schweinsohrverwandte – Gomphaceae, Agaricomycetes

Goldgelbe Koralle

Heuer ist es kaum möglich nicht einer goldgelben Koralle zu begegnen. Mein gestriger Gang in den Wienerwald brachte außerdem ein Prachtexemplar von einem Föhrensteinpilz mit 1.9 kg! siehe dazu auch meinen Blogbeitrag Steinpilz.

Massenhaft Eierschwammerl, Judasohren und vor allem goldgelbe Korallen. Anbei die Beweisfotos. Wenn die gelbe Korallen noch klein und zart sind, mag ich sie am liebsten. In ländlichen Gegenden ist sie auch als „Bärentazte“ bekannt.

Aussehen

Die gelbe Koralle ist mit ihrem leuchtenden Gelb kaum zu übersehen und in guten Jahren, wie es heuer eines zu sein scheint, sind die Hänge im Wienerwald übersäht davon. Dieser Pilz teilt sich von einem fleischigen Strunk, der in etwa 2-4 cm hoch ist, ausgehend in korallenähnliche Verästelungen. Der Strunk selbst ist weiß bis gelblich, sehr festfleischig und zumeist wurmlos. Der Strunk kann eine Marmorierung zeigen. Er kann auch heftig zitronengelb sein und zarte rosatöne aufweisen. Man kann ganz leicht die einzelnen „Röschen“ mit der Hand auseinander brechen. Die Spitzen sind meist sattgelb und brüchig, oben abgeflacht. Ich habe gestern ganz kleine 2 cm große Exemplare gefunden, die aber auch Ausmaße von über 20 cm haben können. In dieser Größe nehme ich sie aber wirklich nur mehr, wenn die die Äste sattgelb sind und nicht eingetrocknet. So große Stücke können zäh und etwas bitter schmecken. Manche gelbe Korallen haben lange hochstehende Verästelungen und manche ähneln eher einem Brokkolli oder Karfiol.

Standorte

Mit Vorliebe im Laub- und Buchenwald und da vor allem in Gebirgslagen. Aber auch unter Nadelbäumen wie Fichten und Föhren.

Verwechslungsmöglichkeiten

Mit der dreifärbigen Koralle – Ramaria Formosa und anderen Korallenarten, die Bauchschmerzen hervorrufen können und manchmal in der Literatur auch als schwach giftig bezeichnet werden. Mit der Ramaria Largentii, der zitronengelben Koralle – Ramaria Flava (steht meist nur bei Buchen), blasse Koralle – Ramaria Pallida – nicht essbar. Es gibt aber noch weitere Korallenarten die Lilatöne aufweisen oder auch ganz weiß sind.

dreifärbige – oder Bauchwehkoralle – sie zeigt Rosastöne bis in Lachstöne und weiß und Gelbtöne gleichzeitig, also in drei Abstufungen. Sie kann Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme verursachen. in älteren Pilzbüchern wird sie manchmal auch als giftig bezeichnet. Zitronengelbe Koralle – essbar, Blasse Koralle ungenießbar. in Fichtenwäldern auf 800 bis 1000 Meter Höhe habe ich auch schon oft die Hahnenkamm Koralle Ramaria Botrytis gefunden. Sie reicht sehr würzig und ist essbar, sollte aber wegen der Seltenheit geschont werden. Jung ist sie blassrosa mit eng stehenden Röschen.

Hahnenkamm-Koralle (Ramaria botrytis)

Bildquelle: Von 2010-09-17_Ramaria_botrytis.jpg: Jason Hollingerderivative work: Ak ccm – Diese Datei wurde von diesem Werk abgeleitet  2010-09-17 Ramaria botrytis.jpg:, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20030880

Rezepte

Eingelegte gelbe Korallen

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die frischen gelben Korallen mag ich sehr gerne als eingelegte saure Pilze. Dafür gebe ich auf 500 gr frische ausgeschüttelter Pilze – wegen der Nadeln nur ganz leicht ausklopfen, sonst bricht er und allenfalls ganz kurz abspülen. 3 helle Zwiebel gehackt, 3 Lorbeerblätter, Salz, 3 Zehen Knoblauch, rosa Pfefferbeeren, und eine Mischung aus 173 trockenem Weißwein und 2/3 weißen Essig – Aceto Balsamico, 3 Handvoll Zucker. die geputzten Pilze mit den Zutaten kurz aufkochen lassen und sofort in Gläser füllen. So schmecken sie sehr gut als Beigabe zu kalten Platten oder aufgespießt auf Stocher als mixed pickles.

Risotto mit gelber Koralle und Eierschwammerl 

Eierschwammerl-Risotto

Bei der gestrigen fetten Beute, musste ich natürlich sofort auch ein Risotto zubereiten.

  • 4 kleine gelbe Korallen geputzt
  • 15 kleine Eierschwammerl
  • 20 dag Risottoreis
  • Pfeffer aus der Mühle und Salz
  • 1/8 liter trockenen Weißwein
  • 1/8 liter Schlagobers
  • etwas Rindsuppe oder Suppe aus Suppenwürfel
  • 1 Zehe Knoblauch
  • etwas frische gekräuselte Petersilie
  • 2 Eßlöffel Panna oder Creme Fraiche
  • Olivenöl, Butter

Den Reis waschen, in einer Mischung aus Öl und Butter anschwitzen, mit Suppe aufgießen  – nach und nach, die geputzten Pilze in etwas Butter und Öl anschwitzen, Zwiebel und Knoblauch dazu, mit dem Wein löschen. Den Reis immer weiter rühren, bis er al dente ist. würzen, Pilze einrühren. Sobald der Reis durch ist, mit Panna oder Creme Fraiche mollig rühren. Wie immer, bei meinen Risotto-Rezepten kann wer mag ein paar Tropfen Trüffelöl dazu geben. Wer möchte kann auch ein bisschen Parmesan einrühren. Es gibt jedoch entschiedene Gegner Pilz und Käse. Mit frischer Petersilie bestreuen und pfeffern. Das Risotto kann natürlich auch nur mit gelber Koralle zubereitet werden.

 

 

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Rasling

Rasling, Schwärzlinge – Raslingsverwandte, Agaricomycetes- Champignionartige – Agaricales, Lyophyllum, Blätterpilze

Jetzt nach dem heftigen Regen der letzten Tage schießt der Rasling. In Büscheln steht er zurzeit oft auf gedüngten Flächen. Ich habe ihn heute in der Früh an einem Holzzaun gefunden und an einem gefällten alten Baum in einem kleinen Park in Währing.

Aussehen und Standorte

Die beiden Arten Büscheliger Rasling – Lyophyllum decastes, syn. Lyohyllum aggregatum, und Gepanzerter Rasling werden als begehrte Speisepilze gesammelt.

Rasling büscheliger

Büscheliger Rasling

Bildquelle: Großer Kosmos Naturführer Pilze

Der büschelige Rasling, oder im Volksmund auch oft als Mai-Rasling benannt, zeigt sich April bis Mai und der der Literatur nach noch einmal von September bis November. Meine Exemplare am Bild sind von heute morgen, also Mitte Mai. Sein Hut wird 5-8 cm groß, hellbraun bis mittelgrau. Er kann Flecken oder sogar zarte Streifen zeigen. Der Rasling hat einen mehlartigen feinen Geruch und der ganze Pilz ist biegsam. Insgesamt wird der Pilz bis zu 10 cm hoch. Der Hut ist jung halbkugelig, später flacht er ab. Der Hutrand kann etwas überstehend sein. Die Hutoberfläche ist in trockenem Zustand matt, kann aber auch glänzend sein. Die Lamellen sind schmal, weiß und elastisch. Sie zeigen herablaufende Zähnchen. Der Stiel ist weiß, bauchig, sehr oft verbogen. Gegen Stielende wird er dünkler in der Färbung. Schneidet man ihn auf, sieht man die Längsfasern im Stiel.Der Pilz ist festfleischig. Er hat einen milden nussigen Geschmack. Der Rasling gehört zu den Boden bewohnenden Saprophyten – Holzzersetzend/Folgezersetzer– in Laub- und Mischwäldern vor. Aber ich fand ihn auch schon auf Weiden und Almen. Er liebt humusreiche Böden.

Gepanzerter Rasling

Der Hut des Gepanzerten Raslings ist 3 bis 10 cm groß, olivbraun bis fast dunkelbraun, oder rußbraun. Er hat eine leichte Radialfaserung. Das Fleisch ist grau-weiß und unter der Huthaut stark bräunlich. Der Stiel ist weiß bis hellbraun und längsfasrig. Der gesamte Pilz ist biegsam. Die Basis ist wurzelnd. Die Lamellen sind weißlich bis creme und gelblich. Manchmal zeigt sich ein zarter fleischfarbender Ton. Die Lamellen sind gebuckelt und breit angewachsen. Auch er wächst büschelig, oft aus einem Strunk entspringend, auf grasigen Wiesen, Wegrändern und Parkanlagen. Der Geschmack ist leicht obstig. Er hat festes kompaktes Fleisch und eignet sich für verschiedene Zubereitungsarten.

Andere Raslingsarten und Verwechlungsmöglichkeiten 

Hier nur ein Ausschnitt der zahlreichen, etwa 70 Raslingsarten: Lyophyllum connatum – Weißer Rasling, Lyophyllum-decastes – Büschiger Rasling, Lyophyllum-delibaertaum – Rautensporiger Rasling, Lyophyllum – loricatum – Gepanzerter Rasling. Lyophyllum – paelocorum – Lehmfarbener Rasling, Lyophyllum – transforme – Dreicksporiger Rasling.

Dazu möchte ich noch einmal festhalten, dass sogar ich – und ich denke ich kenne mich bei Pilzen sehr gut aus – weißen Pilzen generell mit großem Respekt gegenüberstehe. Ausnahmen bilden nur Tintlinge, Champigions oder Schirmlinge.

Weißer Rasling – Lerchenspornrasling – Lyophyllum connatum

Rasling weißer

Weißer Rasling

Bildquelle: Der Große Kosmos Naturführer Pilze

Rasling weißer Büschelrasling

Er zeigt sich von Juni bis November im Laub- und Nadelwald, Schotterwegen, an Waldwegen und Waldrändern. Sein Hut ist in jungem Stadium halbkugelig und wölbt sich später. Die Huthaut ist glatt, kahl und trocken. Er ist mit einer Art reif überzogen, der sich leicht abwischen lässt. Die Lamellen sind am Stiel angewachsen, ausladend oder leicht herablaufend. Sie stehen dicht und sind weiß. Der Stiel ist zylindrisch. Der weiße Rasling steht meist büschelig. Der Geruch ist mehlartig bis leicht süßlich an Lerchensporn oder grüne Erbsen erinnernd. Der Lerchenspornrasling enthält mutagene Stoffe! Diese können das Erbgut schädigen. Ich persönliche lasse diesen Pilz stehen, weil auch eine Verwechslung mit dem hochgiftigen bleiweißen Trichterling möglich ist. In manchen Pilzbüchern wird er bereits als giftig eingestuft.

Außerdem mit dem Riesen-Rötling – Entoloma sinatum, der aber keine graue oder braune Farbe aufweist – er wird höchstens zart-beige.

Riesenrötling

Bildausschnitt Quelle: Wikipedia Riesen-Rötling

Dieser Pilz kann zu schweren Vergiftungen führen und sogar tödlich wirken. Er führt zu gastrointestinalen Intoxikationen. Ich war einmal in der Verlegenheit zu wenig Eierschwammerln für ein Essen gefunden zu haben und kaufte ein Körbchen beim Metro zu. Was fand ich in dem Körbchen? Einen Riesenrötling unter den Eierschwammerln! Ein Anruf in der Geschäftsführung führte zu einem Kopfschütteln über die Verrückte die sich aufregt. Also bitte auch gekauften Pilzen genau schauen.

Rezepte

Gebratener Rasling auf Broten 

So schmeckt der Rasling ganz besonders gut und behält seine knackig, nussige Konsistenz. Die Pilze nur kurz kalt spülen, auf einem Geschirrtuch abtropfen lassen. Die Hüte abtrennen und in nicht zu dünne Scheiben schneiden. In eine Teflonpfanne in etwas Butter rösten. Mit etwas Petersilie, Salz und Pfeffer aus der Mühle würzen.

Literatur: Laux, Hans E: Essbare Pilze und ihre giftigen Doppelgänger: Pilze sammeln, aber richtig. Kosmos-Naturführer

Roth/Frank/Kormann: Giftpilze/Pilzgifte, Verlag Nikol Hamburg

Philips, Rogers: Kosmos Naturführer: Pilze 1998 S. 43

 

Fliegenpilz

Fliegenpilz – Amanita muscaria, Wulstlingsverwandte, Agaricomycetes, Agaricomycetidae, Champignionartige, Wulstlinge

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Fliegenpilz im Nadelwald

Fliegenpilz im Laubwald

Fliegenpilz im Laubwald

Einer meiner ganz besonderen Lieblinge ist der Fliegenpilz. Durch die extreme Hitze dieses Sommers, war er nur selten anzutreffen. Jetzt nach dem Regen, kommen aber noch welche zum Vorschein. An dieser Stelle möchte mich besonders dafür aussprechen, diesen wunderbaren Pilz stehen zu lassen. Ihn weder zu zertreten noch auszureißen. Bei meiner Morgenrunde mit Hund im Wienerwald begegnete ich einer Jungfamilie. Der kleine Bursche des Paares brüllte: „Ein Pilz.“ Der wenig interessierte Vater meinte: „Lass, der ist giftig.“ Der kleine Mann überlegte kurz und dann sprang er mit beiden Beinen auf den Fliegenpilz. Sehr traurig so etwas mitansehen zu müssen. Ich freue mich immer ganz besonders, wenn ich welche sehe. Das ist für mich der Augenblick, wo ich weiß, dass die Steinpilze auch nicht weit sind.

Aussehen      

Fliegenpilz

Fliegenpilz

Fliegenpilz

Fliegenpilz Nachtaufnahme

Fliegenpilzansammlung

Fliegenpilzansammlung

Fliegenpilze Hutunterseite

Fliegenpilze Hutunterseite

Fliegenpilze Jung

Orangeroter Fliegenpilz

Fliegenpilze Schneeberg

In wie vielen Märchen kommt der Fliegenpilz als Illustration vor. Wie oft ist er als Glücksbringer abgebildet. Der uns geläufige Fliegenpilz ist die Art der Muscaria. Andere Varianten haben nur eine rote Hutseite und kaum die hübschen weißen Flöckchen. Dann gibt es noch die orangerote Variante, die var. formosa, die auch kaum Flöckchen zeigt.

Junger Fliegenpilz

Junger Fliegenpilz

Dann gibt es noch eine weitere Variante, den Amanita regalis mit einem bräunlichen Hut – der Königsfliegenpilz. Hier ist eine Verwechslung mit dem Pantherpilz leicht möglich. Der Hut wird zwischen 5 und 17 cm groß. Anfangs ist er kugelig und flacht dann ab. Zuletzt, wenn er ausgewachsen ist, bildet er eine Scheibe. Der Rand ist leicht herabgezogen und gerieft. Schön ist der Kontrast zwischen dem Kirschrot und der weißen Unterseite des Hutes und des Stieles. Die flockigen weißen Pünktchen auf der Hutoberseite geben ihm sein typisches Aussehen. Die Lamellen stehen frei, leicht bauchig aneinander. Sie brechen sehr leicht. Ältere Exemplare färben sich lachsfarben. Wird der Pilz verletzt, kommt ein safrangelbes Fleisch zum Vorschein. Die Haut kann in etwas bis zur Mitte des Hutes abgezogen werden. Der Stiel wird bis zu 20 cm hoch und bis zu 3 cm stark. Er mündet in einer verdickten Knolle. Im oberen Teil hat der Fliegenpilz einen Ring mit einem gezahnten Rand. Die Flöckchen sind übrigens leicht abzuwischen und bestehen aus Velumsresten (Velum universale).

Standorte

Mischwälder, Laub-, und Nadelwälder. Unter Fichten, Birken, an Waldrändern und auf Weiden. Manchmal einzeln und manchmal in Scharen vorkommend.

Inhaltsstoffe

Der wichtigste Inhaltsstoff ist die Ibotensäure (nicht proteinogene Aminosäure). Besonders konzentriert kommt sie im gelben Fleisch des Fliegenpilzes vor. Die Ibotensäure ist eine leicht zersetzbare Substanz, die bei der Entfernung des Kristallwassers unter Decarboxylierung zu Muscimol (psychotropes Alkaloid). Dieser Wirkstoff ist sowohl im Fliegenpilz, als auch im Pantherpilz zu finden. Muscimol entsteht aus der Vorstufe der Ibotensäure. Es hat (delirant Halluzinogen).

Vermutlich ensteht das Muscimol erst beim Trocknen des Pilzfleisches. Schon 10 mg Muscimol erzeugt Schwindelgefühle und Bewegungsstörungen, Muskelkrämpfe (nicht immer) und psychische Stimulation. Der Rauschzustand endet in einem tiefen Schlaf. Zuviel können Bewusstlosigkeit und Tod im Koma hervorrufen. Es sind bisher keine Suchtabhängigkeiten bekannt. Der Pilz wird getrocknet geraucht oder als Tee konsumiert. Die Wirkung aus dem frischen Pilz ist deutlich schwächer.

Strukturformel Muscimol

Verwechslungsmöglichkeiten

Der Fliegenpilz kann besonders im Jungstadium mit dem Pantherpilz – Amanita pantherina, verwechselt werden. Auch er gehört zu den Wulstlingsverwandten – Amanitaceae. Auch er wurde für Initiationsriten genutzt. Er enthält Ibotensäure, das sich ebenfalls beim Trocknen in Muscimol umwandelt. Sein Hut ist jedoch bräunlich-grau. Die Häufigkeit einer Verwechslung mit dem grauen Wulstling ist gegeben. Dieser gilt aber als guter Speisepilz.

Grauer Wulstling

Grauer Wulstling

Auch mit dem essbaren Kaiserling – Amanita caesarea, kann der Fliegenpilz Ähnlichkeit aufweisen. Der Kaiserling oder auch Orangegelber Wulstling gehört zu den begehrtesten Speisepilzen. Daher auch sein Name, weil er nur für die Obrigkeit reserviert war. Im Unterschied zum Fliegenpilz hat der Kaiserling weiß-gelbliche Lamellen und einen goldgelben Stiel.

Kaiserling

Kaiserling

Kaiserling

Kaiserling

Wissenswertes

Der Inhaltsstoff Muscimol wurde schon seit Jahrtausenden als halluzinogenes Mittel, also als Rauschmittel eingesetzt. Der Stoff wird über den Harn wieder ausgeschieden. Daher ist das Trinken des Urins eines berauschten Menschen ebenfalls wirksam. Bekannt ist dieser Form des Berauschens von einigen sibirischen Völkern. 1 Gramm Muscimol gilt als potentiell tödlich. Muscimol zählt zu den sogenannten GABA(A)-Agonisten – Delirantium-neurotoxische Ibotensäure. Der Rauschzustand bewirkt einen Verlust des Persönlichkeits-, Ort-, und Zeitgefühls. Die Stimmungsschwankungen reichen von Glücksgefühlen, Euphorie, Angst, Panik oder Depression. Der Gipfel des Rauschzustands wird nach etwa drei Stunden erreicht. Mischungen aus Cannabis und Muscimol können die psychodelische Wirkung entweder verstärken oder beruhigend und sedierend unterstreichen. Gefahren sind der „Horror-Trip“, Nieren-, und Leberschädigungen. Besonders bei leichtfertigen überdosierten Gebrauch. Positive GABA-Modulatoren sind Benzodiazepine. Sie werden oft als Mittel eingesetzt um Horror-Trips zu unterbrechen. Panikattacken können somit unterbrochen werden. Die Gefahr beim Einsatz von zwei GABA-Agonisten ist die gegenseitige Verstärkung.

In früheren Zeiten wurde ein Schälchen mit Milch und einem Stück Fliegenpilz in die Fenster gestellt. Die Fliegen, die davon tranken, taumelten zu Boden. War genug Gift in der Milch starben die Fliegen daran. Wichtig ist es die Milch zu zuckern, damit sie die Fliegen anlockt.

Für mich ganz wichtig ist, dass der Fliegenpilz sehr häufig mit dem Fliegenpilz in nächster Nähe steht. Einen wissenschaftlichen Nachweis für dieses gemeinsame Wachstum hat man noch nicht verlässlich erbringen können, aber ist ist für ganz offensichtlich. Das Bild ist eine Aufnahme in einem Fichtenwald, nahe dem Schneeberg. Die beiden sitzen übereinander auf einem Nadelhaufen. Also wer Fliegenpilze zertritt, stört auch das Verhältnis mit dem Steinpilz.

Steinpilz und Fliegenpilz

Steinpilz und Fliegenpilz

Semmel-Stoppelpilz

Semmel-Stoppelpilz, semmelgelber Stacheling – Hydnum repandum, Stoppelpilzverwandte, Mykorrhizapilz, Schafsfußpilz, Agaricomycetes

Semmel-Stoppelpilz Laubwald

Semmel-Stoppelpilz Laubwald

Jetzt, nachdem es endlich ein wenig regnet, kommen heuer eher spät, die Semmel.Stoppelpilze. Der lustig anmutende Name Schafsfußpilz hat nichts mit Fußpilz zu tun, sondern ist vom französischen Namen „Pied-de-mouton“ abgeleitet.

Aussehen

Semmel-Stoppelpilz Unterseite

Semmel-Stoppelpilz Unterseite

Das ist „Anfängerpilz“ für Pilzbegeisterte, weil er einfach zu identifizieren ist. Die Farbvarianten reichen bei diesem Pilz von fast weiß – Hydrum albidum, bis dottergelb. Es gibt auch rostgelbe – Hydrum rufescens, Exemplare. Ich habe auch schon welche mit lachsrosafärbung gefunden. Der Hut wird abhängig vom Alter, 1 bis 10 cm groß. er ist immer trocken, nie feucht oder schmierig. Leicht zu erkennen ist er an den „Stacheln“ auf der Hutunterseite. Drückt man mit dem Finger gegen die weichen Stacheln, fallen sie sofort ab. Innen ist das Fleisch weiß, leicht brüchig und mürb. Der Pilz gehört zu den „Ständerpilzen“. Es gibt gedrungenere Formen mit kurzem Stiel und welche die einen Stiel mit bis zu 8 cm haben.

Standorte

Er kommt selten in Einzelexemplaren vor. Meist sind es große Flecken, die von Semmel-Stoppelpilzen besiedelt werden. Weil er ein Mykorrhizapilz (ist über die Wurzeln mit Baum- und Pflanzenpartner vergesellschaftet) ist, kann er sowohl in Buchen-, als auch in Nadelbaumwäldern vorkommen. ich werde meist in Mischwäldern fündig. Das ist die Zeit, in der sich auch die ersten auch die Herbsttrompeten zeigen. Der Boden sollte basenarm, bis leicht nährstoffhaltig sein. Besonders schätzt er die Partnerschaft mit Rotbuchen, der gemeinen Fichte, Weiß-Tanne, oder der Waldkiefer. Er ist kann von Juli bis November gefunden werden. Besonders im Oktober – November, wenn sich andere Pilze schon rar machen, ist der Semmel-Stoppelpilz ein willkommener Fund. Meist ist die Ernte so reich, dass sämtliche mitgebrachte Behälter nicht ausreichen. Ältere Exemplare färben sich ocker und sind dann zäh und leicht bitter. Auf den Frischmärkten wird er auch als Winterpfifferling angeboten.

Verwechslungsmöglichkeiten

Durch die weichen Stacheln auf der Unterseite ist dieser Pilz leicht zu erkennen. Er ist somit kaum zu verwechseln. es gibt auch andere Pilze mit Stacheln, aber meines Wissens nach sind das z.B. der Habichstpilz und der Eispilz. beide sind essbar.

Verarbeitung

Dieser Pilz eignet sich bestens frisch zubereitet, ähnlich wie Eierschwammerl oder auch zum Einfrieren. Ich nehme ihn gerne auch als Mischpilz in Pilzsaucen oder in Bratensaucen zu Wild oder anderem Fleisch. Ich entferne vor dem Anbraten die Stacheln durch leichten Druck mit den Fingern. Achtung kann die Haut leicht rötlich färben. Sehr gerne lege ich diesen festfleischigen Pilz auch als Essigpilz ein. s. dazu Blogbeitrag Eierschwammerl

Rezepte

Poularde mit Pilzen

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 Die Funde am Montag dieser Woche wurden zu diesem köstlichen Gericht verarbeitet. Dazu habe ich

  • 1 Poularde
  • 4 helle Zwiebel
  • 1 rote Zwiebel
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 5 Steinpilze, 1 Handvoll Semmel-Stoppelpilze, 5 schwarze Trompeten (Herbsttrompeten), Etwas Krause Glucke
  • etwas Rindsuppe oder Würfel
  • 1 Kleinen Zweig Rosmarin
  • 3 Lorbeerblätter
  • 1/4 Liter Wein Rose oder weiß
  • Olivenöl zum Braten
  • Etwas Zitronensaft
  • Salz & Pfeffer

Die Poularde putzen, waschen und zerteilt in Olivenöl braten. Zwiebel vierteln, Knoblauch etwas zerkleinert dazu und mit anbraten. Mit Wein und Suppe aufgießen. Gewürze dazu. Die Pilze geputzt dazu geben. Die Poularde braucht in etwa 1 Stunde auf mittlerer Hitze. Mit Salz & Pfeffer und etwas Zitronensaft abschmecken. Dazu passt gut Reis oder in Olivenöl angebratenes Roggenbaguette. An dieser Stelle möchte ich meinen Lieblingswein der Weinbaufamilie Stadler in Falkenstein herausstreichen. Sein Rose passt hervorragend zu diesem Gericht.

Bavette mit Mischpilzen 

Bavette mit Mischpilzen

Bavette mit Mischpilzen

4-6 Portionen

1 Pkg Bavette

Mischpilze aus Steinpilzen, Krauser Glucke oder Eierschwammerl, Semmel-Stoppelpilzen

etwas Butter zum Anbraten

  • Olivenöl
  • Frische Petersilie
  • Oregano
  • Thymian
  • Parmesan
  • 1-2 Zwiebel
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 1/4 Liter Schlagobers

Pilze putzen und etwas zerkleinern, Zwiebel fein hacken. Alles in Olivenöl mit etwas Butter anschwitzen. Salzen & pfeffern (aus der Mühle) Gewürze dazu und mit einem 1/4 liter Schlagobers aufgießen. etwas einköcheln lassen.. Die Bavette „al dente“ – bissfest in Salzwasser kochen. Kalt spülen. Die Pilzsauce sofort untermischen. Mit Parmesan und frischer Petersilie bestreuen. Es gibt entschiedene Gegner Pilzgerichte mit Parmesan zu versehen. Also wer will kann Parmesan streuen.

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