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Borretsch

Borretsch – Borago officinalis- Raublattgewächse, Gurkenkraut, Kukumerkraut, Blauhimmelstern, Wohlgemutspflanze, Herzfreude, Herzblümlein

Borretschblüte

Bildnachweis: Rueger-Arts.de

Der Borretsch steht jetzt in voller Blütenpracht. Als Heil- und Gewürzpflanze wurde sie schon seit dem späten Mittelalter in Europa als Archäophyt – archaios – alt und phytón für Pflanze, kultiviert. Archäophyt – hemochore- gezähmte, veredelte Pflanze. Der Name könnte vom lateinischen Wort borra – „Gewebe aus rauer Wolle“ oder vom keltischen Wort „borrach“ – für Mut stammen. Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum oder Nordafrika kommend, hat er als attraktives Gewürzkraut in den Kräutergärten der Klöster Einzug gehalten. Schon den angehenden Ärzten im späten Mittelalter wurde der Borago officinalis an der medizinischen Fakultät von Salerno als Kraut für das Herz und die Fröhlichkeit vorgestellt.

Aussehen und Standorte

borretsch_bluete

Der Borretsch ist eine krautige, einjährige Pflanze und kann bis zu 75 cm hoch werden. Der Stängel und die derben Laubblätter sind stark und eher borstig behaart.  Die Blätter haben eine eiförmige, lanzettenartige Form. Üblicherweise blüht der Borretsch ab Mai bis in den Herbstananfang hinein. Der eigentliche Blütenstiel ist etwa 3 cm lang. Die Blüten sind zwittirg, fünfzählig und weisen eine doppelte Blütenhülle auf.  Der Borretsch hat fünf Kelchblätter, die verwachsen sind mit lanzettenförmigen Kelchzipfel. Währen der Anthese – Vorgang des Blühens, Blütenöffnung, ändert sich der PH-Wert und die anfangs rosa Blüten verfärben sich in ein stark leuchtendes Blau. Die Blüte hat fünf blaue Kronblätter und in der Mitte fünf Schlundschuppen. Die tiefblauen Staubblätter bilden engstehend einen Streukegel. Der Fruchtknoten des Borretsch ist oberständig und liegt mit dem Griffel im Inneren des Streukegels. Es bildet in der Reifung eine dunkelbraune Klausenfrucht mit etwa 5 mm Länge.

Beispiel für eine Klausenfrucht hier ein Borretsch

Klausenfrucht Borretsch

Die Blüten sind protandrisch – vormännlich – die Staubbeutel reifen vor den Fruchtblättern und der Pollen wird entlassen, bevor der Stempel herangereift ist. Nachdem die Staubblätter verwelken, reift die Narbe und kann die Pollen der bestäubenden Insekten aufnehmen. Dabei ist der Farbstoff der Indikator und verfärbt sich rot, wie bei Lackmus in Kontakt mit Säure. Diese wunderschönen blauen Blüten haben leuchtende Strichsaftmale, die nur von den sie bestäubenden Insekten gesehen werden können.

Saftmale

de.wikipedia.org

Wir Menschen können diese mit freiem Auge nicht erkennen. Der Borretsch ist eine ganz wichtige Bienen- und Hummelpflanze. Sie fliegen die Blüten an und werden am Schlundschuppem durch Öffnung des Streukegels mit Pollen bestreut. Dann bilden sich nach der Bestäubung im Fruchtknoten vier Fruchtfächer und in jedem Fruchtfach befindet ein hartes, einsamiges Nüsschen mit einem Elaisom – ein fettreiches Anhängsel, das besonders Ameisen und Vögel anspricht.

Elaisom

Bildquelle:https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=139160

So werden die Samen verschleppt und verbreitet – Myrmechorie. Standorte sind idealerweise sonnige Flächen und nähstoffreiche, durchlässige Böden.“ Der Borretsch braucht viel Platz und Abstand zu anderen Pflanzen. Er wird häufig von Blattläusen befallen. Er ist nicht frosttolerant. Der Borretsch gehört zu den Dunkelkeimern.

Ameise mit Samen

Bildquelle: Von Engelberger aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12104282

Bei uns in Europa wird Borretsch als Gewürzkraut in Gärten gezogen. Er verbreitet sich aber wie beschrieben auch durch „Verschleppung“ der Samen und wildert gerne aus. Ich habe ihn auch schon an Bachufern verwildert gefunden. Manchmal findet man Borretsch als Cultivar mit weißen Blüten.

Inhaltstoffe

Der Borretsch beinhaltet in geringen Mengen verschiedene Pyrrolizidinalkaloide – das sind Alkaloide, die einen Doppelring Pyrrolizidin als Strukturbestandteil haben. Das sind beim Borretsch Amabilin, Intermedin, Lycopsamin, Supinin, Thesinin. Lycopsamin und Supinin haben eine lebertoxische Wirkung. In geringen Mengen genossen sind sie unbedenklich. Regelmäßig und in großen Mengen sollte man ihn nicht verzehren. Die Blüten und Samen, wie auch das Borretschöl enthalten diese Alkaloide nur in geringen Spuren. Diese  Pyrrolizidinalkaloide dienen großteils zur Abwehr gegen Verbiss. Dieses Alkaloid kommt bei Korbblütlern, Raublattgewächsen, Hülsenfrüchtlern und Orchideen vor.

Bildquelle:www.spektrum.de

Eine Pflanze, die ich schon in einem der früheren Beiträge beschrieben habe, die viel von diesem Alkaloid beinhaltet ist das hochgifitige Greiskraut.

Greiskraut

Greiskraut

Außerdem enthält Borretsch Schleimstoffe, Vitamin C, Gerbstoffe, Harz, Saponin, Kaliumnitrat, Kieselsäure, verschiedene Fettsäuren und ätherisches Öl. Das Borretsch-Öl enthält Gamma-Linolensäure – GLA, eine dreifach gesättigte Omega-6-Fettsäure, Linolsäure, Ölsäure, Palmitinsäure, Gadeloinsäure, Stearinsäure, Erucasäure, Nervonsäure, Arachinsäure, Behensäure, Palmitoleinsäure, Vaccensäure, Myristinsäure, Eicosadiensäure und Alpha-Linolensäure.

Heilwirkung und Wissenswertes

Borretsch ist manchmal ein Bestandteil von Heilsalben und wird bei atopischen Ekzemen – Neurodermitis eingesetzt. Ich kenne getrockneten Borretsch aus Persien, wo er als nervenberuhigender Tee Gole Gaw Zabun – was so viel wie Rindszungenblume bedeutet, verabreicht wird. Er behandelt auch Husten, Schleim, Rheuma und Hauterkrankungen. Borretsch ist entgiftend und schweißtreibend. In England ist Borretsch als Bestandteil im beliebten Getränk Pimm’s und und als Geschmacksbeigabe Gilpin’s Wetsmorland Extra Dry Gin. Ganz wichtig ist Borretsch als Bienenpflanze und deswegen wird er von Imkern gerne gepflanzt. Der Saccharosegehalt liegt bei 42-53 %. Meist wird dieser Honig wegen der Pyrrolizidinalkaloide mit anderen Sorten gemischt. Im Mittelalter bereitete man Ochsenzungen mit Borretsch zu um „Blut zu reinigen.“ Zerstoßen mit Zucker wurde Borretsch von P.A. Matthioli gegen hohes Fieber eingesetzt. Die Blüten, Samen, Wurzel und Blätter, wurde mit Wein versetzt und in Schlückchen zur Leberreinigung verwendet. Heute wird Borretsch als schleimlösender Tee angeboten. Die verschiedenen darin enthaltenen Öle finden als Anteil von Hautsalben Verwendung. Besonders bei trockener Haut, Neurodermitis, als entzündungshemmende und juckreistillende Salben. Menschen mit Blutgerinnungsproblemen sollten Präparate mit Borretschöl meiden.

Rezepte

Wer Borretsch-Tee selbst zubereiten will trocknet die Blätter und Blüten als Strauss aufgehängt an einem trockenen Ort, z.B: Dachboden.

Der Tee wirkt entgiftend, schweißtreibend und beruhigend. Er dient zur Rekonvaleszenz nach schweren Krankheiten oder bei Erschöpfungszuständen

Einen Teelöffel voll mit der zerschnittenen ganzen frischen Pflanze oder der getrockneten Blätter und Blüten auf 1 Tasse mi kochendes Wasser. Nur ganz kurz ziehen lassen und abseihen. Personen die empfindlich sind sollten den Absud durch ein Tuch drücken, um die Haare zu entfernen. Für eine Kur von drei bis vier Wochen sollten täglich 3 – 4 Tassen getrunken werden. Press-Säfte oder Borretschöl-Kapseln aus dem Samen gibt es in Reformhäusern und Apotheken.

Verwendet werden die Blüten und die Blätter als Dekoration und Gewürzkraut in Salaten und Suppen. Die in Frankfurt berühmt gewordene Grüne Sauce ist typischerweise mit Borretsch angerührt. Der Geschmack ist frisch und gurkenartig. Die süß schmeckenden Blüten verwende ich gerne auf Salaten und auf Spargel. Kommen die Blüten mit Essig in Berührung färben sie sich rosa. Kandierte Borretschblüten sind nicht nur besonders dekorativ, sondern schmecken auch ganz wunderbar.

Ravioli mit Borretsch – ligurisch

Ravioli mit Borretschfülle

Bildquelle: http://www.imgrum.net/tag/salbeibutter

Original Rezept aus dem Reiseführer Ligurien

Teig

  • 500 g Mehl
  • 3 Eier
  • Wasser
  • Salz

Füllung

  • 500 g Rindfleisch
  • 300 g mageres Kalbfleisch
  • Kalbshirn
  • 50 g Rückenmark
  • ein Bries
  • 1 Bund Borretsch
  • 1 Kopf Scarola-Salat oder Endivien
  • Brotinneres
  • Majoran Salz
  • 4 Eier
  • 1 helle Zwiebel
  • 2 Zehen Knoblauch
  • Parmesan

Ich nehme anstelle dem Scarola – Endiviensalat. Und anstelle des Hirns nur Bries. Das Mark lasse ich komplett weg – mein Cholesterin dankt es mir. Dafür nehme ich eine helle feingehackten Zwiebel Endivie und Borretsch, 5 Minuten kochen und fest ausdrücken. In einem Topf das Rindfleisch zusammen mit dem Kalbfleisch in Butter anbraten. Das Kalbshirn, das Mark und das Bries in heißem Wasser abkochen, schälen und nach und nach in einem Mörser zu einer Paste verarbeiten. Das Fleisch und das Gemüse fein zerhacken, alles in einer Schüssel mischen, verquirlte Eier dazu geben, etwas in Suppe oder Fleischsauce geweichtes Brotinneres, Parmigiano, Gewürze, ein wenig frischen gehackten Majoran und Salz zugeben und alles gut vermengen.

Mehl in einer Rührschüssel mit lauwarmem Wasser verrühren, Eier dazugeben, und zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten. Ich gebe noch einen Schuß Olivenöl dazu. Teig dünn ausrollen und halbieren. Ich steche mit einem Stamperlglas Kreise aus. Die Hälfte des Teigs mit der Fülle belegen, die andere Teighälfte darüberlegen und fest andrücken. Mit einem Messer oder Ravioli – Teigrädchen die Ravioli ausschneiden und etwas antrocknen lassen. In einem Topf Wasser zum Kochen bringen, salzen und die Ravioli kochen. Sobald sie an der Oberfläche schwimmen sind sie gar. Mit Fleischsauce und Parmigiano oder Butter und Salbei oder mit Steinpilzsauce anrichten.

Essig mit Borretschblüten und Flieder 

Essig mit Blüten

Einen wunderbaren Essig ergeben Blüten mit Eigenduft. Dazu weißen Balsamico Essig, Blüten von Duftflieder und Borretschblüten frei von Grün verwenden. Den Essig vorher mit etwas Honig würzen. Schon einen Tag nach dem Einlegen der Blüten nimmt der Essig den Duft und die Farbe der Blüten an. Der Essig hält in etwa ein Jahr.

Kandierte Borretschblüten

  • 1 Joghurtbecher Zucker
  • Wasser
  • Borretschblüten

Den Zucker  mit so wenig Wasser wie möglich einköcheln, bis er Blasen schlägt. Achtung, dass er nicht braun wird.Die Borretschblüten vorsichtig mit einer Gabel durch den Zucker ziehen. Sofort auf ein Backpapier mit Staubzucker bestreut legen. Die Blüten etwas andrücken. Wenden und noch einmal in den Zucker drücken. Trocknen lassen. Sie halten in einen Glas ein paar Monate und sind eine hübsche Dekoration auf Gebäck oder als Beigabe zum Mocca.

Eiswürfel mit Borretschblüte

Eiswuerfel-Borretsch

Bildnachweis: www.schule-und-familie.de

Eine Augenweide sind Eiswürfel mit Blüten. Besonders hübsch sehen die azurblauen Blüten des Borretsch dann in durchsichtigen Getränken aus.

Literatur:

Angelika Lüttig, Juliane Kasten: Hagebutte & Co – Blüten, Früchte und Ausbreitung europäischer Pflanzen. Nottuln: Fauna Verlag 2003.

Cesare Preti: MATTIOLI (Matthioli), Pietro Andrea. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 72 (Massimino–Mechetti), Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2009.

https://de.wikipedia.org/wiki/Arch%C3%A4ophyt

https://de.wikipedia.org/wiki/Dichogamie#Proterandrie_.28Botanik.29

https://de.wikipedia.org/wiki/Dichogamie#Proterandrie_.28Botanik.29

Bildnachweise:

rueger-arts.de

www.umweltbund.de

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Mädesüß

Mädesüß – Filipendula ulmaria – Rosengewächse – Rosaceae – Hemykryptophyt (Überdauerungsknospen liegen an der Oberfläche)– Schaftpflanze (senkrechte Wurzel), Bacholde, Wiesenkönigin, Waldbart, Geißbart

Mädesüß

Mädesüß

Seinen Namen hat das Mädesüß vermutlich aus der Tatsache, dass die Blüten gerne zum Nachsüßen von Wein und Met – Metsüß – verwendet wurden. Das echte Mädesüß ist eine Leitpflanze der Mädesüß-Hochstaudenfluren. Sie blüht von Juni bis Juli/August. In den Wäldern und Höhenlagen blüht sie bis in den September.

Aussehen

Ich liebe das Mädesüß in Wiesenblumensträußen. Als Kind sagt ich immer: „wenn ich einmal heirate, dann nur –  wenn ich einen Maiglöckchenstrauß mit Mädesüß bekomme“. Sehr gerne verwende ich Mädesüß in Gestecken für festlich gedeckte Tafeln. Sie zaubern den Gästen immer ein Lächeln ins Gesicht. Außerdem verbreitet es einen herrlichen Duft nach Vanille, Mandel und Honig – und den besonders gegen Dämmerung. Selbst im Verwelken verströmt die Pflanze einen angenehm süßlichen Geruch aus. „Mede“ ist auch ein alter Begriff für Graslandschaft. Das echte Mädesüß ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die bis zu 1,5 Meter hoch werden kann. Es hat dunkelgrüne, gefiederte, rosenblatt-, oder auch ulmenblatt-, ähnliche Blätter, die eine sehr starke Aderung zeigen. Auf der Unterseite haben sie einen weichen weißen Flaum. Von der Ähnlichkeit zum Ulmenblatt stammt auch die Bezeichnung „ulmaria“.

Mädesüßblatt

Mädesüßblatt

Es kommen Pflanzen mit zwittrigen oder auch männlichen Blüten vor. Die Trugdolde hat kleine, vanillefarbene Blüten, die radärsymmetrisch angelegt sind. Sie sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Blüten sind Pollenscheibenblumen. Die Blüten sitzen auf Kelchblättern. Weiße Griffel enden in rundlichen, gelben Narben. Aus jeder Blüte entstehen sechs bis acht Nüsschen, die so eng aneinander stehen, als wären sie eine Frucht. Teilt man sie durch Druck, fallen sie in sichelförmige Nüsschen auseinander. So kann man das echte Mädesüß gut von kleinen Mädesüß unterscheiden (Filipendula vulgaris oder auch knolliges Mädesüß). Da haben die Nüsschen keine Sichelform, sondern sind gerade.

Mädesüß klein

Mädesüß klein

In den Nüsschen sind die Samen angelegt. Mit seinem Mandelduft lockt es Bienen, Schwebfliegen, Fliegen und Käfer an. Wenn die Pflanze reift, verringert sich das Gewicht und die Nüsschen trocken. So können sie leichter davon schweben und sind auch schwimmfähig (Nautochorie). Die Nüsschen werden auch zu den Anhaftern (Epichorie) gezählt. Das Mädesüß kämpft gegen den Rostpilz – Triphragmium ulmariae. Für den Mädesüß-Permuttfalter ist es die einzige Nahrungsquelle. Die Pflanze wurde früher auch Spirea genannt – steht für Aecetyl. Das Mädesüß ist neben der Weidenrinde das natürliche Aspirin.

Mädesüßblüte echtes Mädesüß

Mädesüßblüte echtes Mädesüß

Standorte

Bachufer, Waldränder, Feuchtwiesen, Bergwiesen.  Es liebt sickernasse, oder grundnasse Gebiete, die nährstoffreich bis mäßig sauer sein können.

Inhaltsstoffe

Ätherisches Öl, Salizylsäureverbindungen, Heliotropin, Vanillin, Zitronensäure, Gerbsäure, Schleinmstoff Ellagitannin (schützt die Schleimhäute und wirkt antioxydativ), Gaultherin, Kieselsäure, Terpene, Wachs, Fett, Farbstoff Spiraein. Wenn man die Blätter zerreibt strömt der Geruch nach Salecylaldehyd aus (Rheumasalbengeruch). Acetylsalicylsäure. Achtung bei bekannten Allergien gegen Acetylsalicylsäure – Aspirin! Das Mädesüß ist ein natürliches Aspirin.

Heilwirkung und Rezepte

Das Mädesüß galt schon bei den Druiden und Kelten als uralte Kult- und Kulturpflanze, neben dem Eisenkraut und der Wasserminze als die heilige Pflanze. Auch Hildegard von Bingen schätzte die Heilkraft des Mädesüß. Ein alter Name für das Mädesüß war Steinbrech.

Teeaufguß aus Echtem Mädesüß

Ich sammle jetzt Anfang Juni die Blätter, die Wurzeln und die Blüten. Die Blüten können gut auf einem Backpapier auf Vorrat getrocknet werden und halten sich im Glas sicherlich ein Jahr lang. Ebenfalls können die Blätter getrocknet werden und z.B. mit Lindenblüten gemischt einen herrlichen Tee ergeben.

1 TL Mädesüßblüten und –blätter mit 250ml kochendem Wasser übergießen und 5. Minuten ziehen lassen. Den Tee mit etwas Honig gesüßt,  5 Min. ziehen lassen und den Tee schluckweise trinken. Ich sammle gerne vom Mädesüß vorwiegend die Blüten und die Wurzeln (getrocknet). Der Tee wirkt unterstützend bei Erkältungen bzw. grippalen Infekten, Durchfall und Sodbrennen. Auch bei der echten Grippe kann er lindernd wirken. Er senkt das Fieber und wirkt schmerzlindernd und hilft beim Abschwellen der Schleimhäute. Mädesüß wurde schon in früheren Zeiten gegen die meisten Arten von Ödemen verwendet. Er eignet sich auch hier als Tee. Er hat harntreibende und entgiftende Wirkung und hilft bei Problemen des Harnapparates und des Stoffwechsels helfen. Weiters hilft Mädesüß bei Kopfschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, verschiedenen Hautkrankheiten, unreine Haut, Gelenkschmerzen, Arthritis, Muskelkrämpfe, Sodbrennen, Fieber in Folge von Erkältungen. Ich mag den Tee auch gerne kalt mit etwas Zitronensaft.

Tee aus der Wurzel

Wurzel-Tee wird kalt angesetzt und muss sechs Stunden stehen, bevor er kurz aufgekocht wird. Dann lässt man ihn zwei Minuten ziehen und seiht ihn anschließend ab.

Mädesüßblüten in den Wein

Mädesüß mit flüssigem Honig zugedeckt 3 Wochen ziehen lassen. Ist ein aromatischer guter Brotaufstrich.

Mädesüßkompressen

2-3 Handvoll Mädesüßblüten mit 1 Liter Wasser, erhitzen (nicht kochen). Den Ansatz 10 Min. auf der noch warmen Herdplatte stehen lassen. Heiße Kompressen mit diesem Absud herstellen. Sie helfen bei rheumatischen Gelenkschmerzen, Arthritis und Gicht.

Likör aus Mädesüßblüten

  • 2-3 Blütenkörbe Mädesüß
  • 200 Gramm braunen oder gelben Rohrzucker
  • 1/2 Liter Wasser
  • 1/2 Liter hochprozentigen Alkohol ohne Eigengeschmack (Korn oder Wodka)

2-3 Blütenkörbe Mädesüß ausschütteln – falls Käfer darauf sind. Wasser und Zucker ca. 5 Minuten aufkochen. Dann die Pflanzen herausnehmen und das Zuckerwasser noch weiterkochen lassen, bis es etwas sirupartig wird. Alles durch ein sauberes Leintuch drücken und in einem Topf mit dem Alkohol vermengen. Sofort noch warm in Flaschen abfüllen. je hochprozentiger der Alkohol ist, desto besser hält sich der Likör. Passt sehr gut aufgespritzt mit Sekt.

Brennessel

Brennessel – Urtica – Brennesselgewächse – Rosenartige (Rosales)

Brennessel

Brennessel

Die Brennessel ist eine einjährige krautige Pflanze, die manchmal (selten) auch als Halbstrauch vorkommt. Die krautigen oberirdischen Teile sind (meist) einjährig, mit den Ausläufern (Rhizomen) und Wurzeln ist sie jedoch ausdauernd. Die Gruppenbildung der Sprosse ist häufig auf verschiedene Triebe aus dem Rhizom zurückzuführen. Sie können einhäusig (monözisch) oder zweihäusig (diözisch) sein und getrenntgeschlechtlich. Die Brennessel wächst in Gruppen.

Ergänzung und Verbesserung durch einen aufmerksamen Leser Danke! : Einhäusig (Urtica urens, kleine Brennnessel): wenn beide Geschlechter – weibliche und männliche Blüten(teile) an ein und demselben Individuum auftreten; zweihäusig (Urtica dioica, große Brennnessel): wenn es getrennt weibliche und männliche Individuen gibt; auf jeden Fall sind aber die Blüten der Brennnessel getrenntgeschlechtlich, d.h. es gibt rein weibliche und rein männliche (aber keine zwittrigen) Blüten. Die Brennhaare enthalten vorwiegend Acetylcholin, Histamin und Serotonin, ggf. weitere Peptide, aber kaum Ameisensäure.

Aussehen

Sie besitzt Borstenhaare an Blättern und am Stängel. Diese Borstenhaare verursachen auf der Haut brennende „Quaddeln“ und je nach Brennesselart mehr oder weniger schmerzhaft. Diese Brennflüssigkeit schützt die Pflanze vor Fraßfeinden. Diese röhrenartigen Haare sind durch die in ihnen vorhandene Kieselsäure hart. Beim geringsten Kontakt brechen sie ab und entladen so die Säure. So stechen sie ihre Ameisensäure-ähnliche Flüssigkeit (Methansäure, Acidum formicum – HCOOH) in die Haut des Feindes. Die Blätter sitzen auf Stielen und sind kreuz-gegenständig am Stängel angeordnet. Sie hat kleine unauffällige eingeschlechtliche, gelbliche Blüten, mit meist vier Blütenblättern. Die männlichen Blüten haben vier bis fünf Staubblätter. Die weiblichen Blüten haben einen zentralen Fruchtknoten, der aus einem Fruchtblatt heraus gebildet ist. Sie blüht von März bis August. Die Brennessel wird windbestäubt.

Brennesselblüte

Brennesselblüte

Brennessel

Brennessel

Die Brennessel gehört zu den Stickstoffzeigern. Sie ist ein sogenannter „Kulturfolger“, weil sie die Menschen begleitet. Die Pflanze kann einen Meter und höher werden. Viele Raupenarten benötigen die Brennessel als Futterpflanze: Admiralfalter, das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs oder das Landkärtchen.

Standorte

In Gärten, an Wegen, Zäunen, Äckern, Auwäldern, Waldrändern, überall dort wo Menschen leben.

Inhaltsstoffe

In der Flüssigkeit: Serotonin, Histamin, Natriumformiat, Acetylcholin. Das Histamin erweitert die Blutkapillaren und ruft damit diese Quaddeln auf der Haut hervor, ähnlich einer allergischen Reaktion.

In der Pflanze: Eisen, Vitamine, Mineralien, Histamin, Sekretin.

Heilwirkung

Die Brennessel gilt schon seit der Antike als Heilpflanze. Trotzdem bekämpfen wir sie als lästiges Unkraut, das außerdem schmerzhafte Stiche verabreicht. Sie wirkt bei Arthrose, Arthritis, Prostatabeschwerden, Blasenbeschwerden, Harnwegsentzündungen, Haarausfall, entzündliche Darmerkrankungen, entgiftend, ist entschlackend und Verdauungsfördernd, verhilft zu besserem Hautbild, ist Blutdrucksenkend, wirkt gegen Gicht, sie gilt als Potenzfördernd, gegen Müdigkeit und Eisenmangel. Angeblich steigert ein Pesto aus frischen Brenesselblättern auch die Merkfähigkeit.

Wissenswertes

Wie geht man mit den stechenden Pflanzen um? Am besten die Blätter mit Handschuhen angreifen, sie waschen und in einem Geschirrtuch wringen. So sticht sie kaum mehr, weil die „Stacheln“ brechen.

Rezepte

Brennesseltee mit frischen Blättern

Eine große Handvoll frischer geschnittener Brennnesselblätter in eine Kanne geben und mit kochendem Wasser aufgießen, zehn Minuten ziehen lassen

Getrocknete Blätter

Die Pflanzen schneiden, bündeln und kopfüber an einem warmen, trockenen Ort hängen lassen. Nach 4-5 Tagen sind die Blätter trocken. Abstreifen und in Cellophansäckchen oder Gläser füllen. 1-2 Teelöffel mit heißem Wasser aufgießen und als Entschlackungstee trinken.

Frische Brenesselblätter, bzw. junge Triebe sind auch Bestandteil von verschiedenen Kräuterzubereitungen, wie z.B. Kräutergnocchi.

Brennesselsamen

sie können getrocknet, geröstet oder frisch auf Salaten, Müslis oder Gemüse gestreut werden. Geröstet haben sie einen Sesamähnlichen Geschmack.

Brennesselpesto

Brennesselpesto

Brennesselpesto

  • Frische Brennesselblätter
  • Pinienkerne
  • Olivenöl
  • Zitronensäure
  • Salz & Pfeffer

Die Blätter sehr fein hacken, die Pinienkerne ebenfalls. Salzen und pfeffern, mit ein wenig Zitronensäure würzen (erhält die Farbe, macht das Pesto haltbar und gibt eine säuerliche Note). Marmeladegläser zur Hälfte damit befüllen und mit Olivenöl aufgießen. Schmeckt herrlich zu Penne, Spaghetti, zu Huhn, Fisch oder Fleisch. Aber auch mit einem Stück guten Brot. Viel Parmesan dazu! Kühl gelagert hält das Pesto 3-4 Monate.

Brennesselspinat

Die klassische Zubereitung ist der Spinat. Dazu frische Blätter kurz blanchieren. In einer Pfanne eine Mischung aus Butter und Olivenöl vorbereiten und den blanchierten und gut abgetropften Spinat darin anschwitzen. Mit Salz und Pfeffer und einer zerdrückten Knoblauchzehe würzen.

Mit etwas Creme Fraiche oder Obers kann man ihn cremiger machen. Wer ihn fein passiert haben will, kann ihn mit dem Pürierstab pürieren, allenfalls durch ein Sieb passieren, ihn mit Obers oder Creme Fraiche verfeinern.

Auf mediterrane Art schmeckt er sehr fein, wenn man etwas mehr Olivenöl verwendet und mit Limette oder Zitrone abschmeckt.

Brennesselnudeln

Brennesselnudeln

Brennesselnudeln

Für den Teig:

  • Ca. 40 Gramm frische Brennesselblätter
  • 400 Gramm Universalmehl
  • 60 Gramm Hartweizengries
  • 4 Eier
  • 2-3 Esslöffel Olivenöl

Die Brennesseln kurz in heißem Wasser blanchieren. Absieben, Ausdrücken und pürieren oder sehr fein hacken. Etwas vom Kochwasser zur Seite stellen. Mehl auf der Arbeitsfläche mit Eiern, dem Spinat, dem Gries und dem Öl gut verkneten. Der Teig sollte elastisch sein, sonst noch etwas Öl einarbeiten. Den Teig zugedeckt 3-4 Std.kühl stellen. Teig ausrollen, entweder mit Nudelholz auf einer bemehlten Fläche, oder maschinell zu Teigblätter bearbeiten. In Streifen oder Quadrate (Fazoletti) schneiden und sofort in kochendem Salzwasser kurz kochen.

Was auch köstlich schmeckt, sind gekaufte Nudeln, z.B. Penne und hier den Brennesselspinat mit etwas Obers dazu. Reichlich Parmesan darüber streuen.

Brennesseljauche

Brennnesseljauche kann ganz einfach hergestellt werden. Brennnesseln mit Wasser zugedeckt ansetzten, an einen warmen Ort stellen und täglich (ca. zwei Wochen lang) umrühren. Diese Brühe beginnt zu gären, die  Inhaltsstoffe gehen in das Wasser. Die Brühe durch ein Sieb drücken und als natürlicher stickstoffreichen Flüssigdünger, oder als Pflanzenschutzmittel gegen Insekten einsetzen. Brennesseltee als Entschlackungskur