Archiv | Februar 2016

Schneeglöckchen, Frühlingsknotenblume, Sommerknotenblume

Schneeglöckchen – Galanthus, Weiße Jungfrau, Frühlingsglöckchen, Lichtmess-Glöckchen, Märzglöckchen, Schneetulpe, Marienkerzen, Schneeguckerchen  

Schneeglöckchen

Das Märchen von Hans Christian Andersen, in dem die Kraft und die Zähigkeit des Schneeglöckchens gewürdigt wird ist vielen von uns aus den Kindertagen bekannt. Das Schneeglöcken zeigt heuer scharenweise seine bezaubernden weißen Köpfchen. Für mich sind sie immer ein Zeichen, dass der Frühling bald kommt. Als Heilpflanze ist das Schneeglöckchen den meisten jedoch kein Begriff. Dieses Jahr sind sie fast zeitgleich mit den Primeln und den Leberblümchen zu finden. Der Waldboden blüht bereits trügerisch und hoffentlich kommt nicht noch eine böse Frostüberraschung. Der botanische Name leitet sich aus den griechischen Wörtern „gála“ – für Milch und „ánthos“ für Blüte ab. Dem keltischen Glauben nach ist es Brigid – der Göttin des Licht gewidmet. Den christlichen Traditionen nach wird es mit Maria in Verbindung gebracht. Blütezeit ist ab ende Oktober bis etwa ende März. Als ich gestern einen sonnigen Weg durch die Weingärten in Salmannsdorf einschlug und die hübschen Frühblüher sah, kam mir ein kleiner Bub mit einen Sträußchen entgegen. Er zeigte sie mir und erklärte mir, dass es Schneeglöckchen sind. In seiner Hand waren jedoch auch Frühlingsknotenblumen. Die Unterscheidung möchte ich hier auch behandeln.

Aussehen

Das Schneeglöckchen ist eine ausdauernde krautige Pflanze. Sie gehört zu den Geophyten – Überdauerung unter der Erde, mittels Zwiebel. Die dunkelgrünen länglichen Blätter sind parallelnervig und stehen grundständig zusammen. Die Blüte wird anfangs von einem Hochblatt vor schlechten Wetterbedingungen geschützt. Auf einem langen Blütenschaft sitzt dann die Blüte, die bei den ersten Sonnenstrahlen die schützende Hülle durchbricht und nickend herabschaut. Die Blüte ist zwittrig, radiärsymmetrisch und besteht aus dreizähligen Blütenblattkreisen (Einkeimblättrig). Die Blütenhülle bildet sich aus drei weißen freien, Blütenhüllblättern. Innen drinnen befinden sich drei wesentlich kleinere und kürzere Blütenhüllblätter, die einen grünen Rand zeigen. Sechs spitzkegelförmige Staubblätter befinden sich darunter, jeweils zu dritt gruppiert. Die Fruchtblätter sind in einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen, darin ein weißer Stempel mit einer kopfigen Narbe. Das Schneeglöckchen wird bis zu 15 cm hoch. Die Frucht besteht aus einer grünen kugeligen Samenkapsel. Alle Wildarten des Schneeglöckchens unterstehen dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen. Die Bestäubung erfolgt über Insekten.

Standorte

Die meisten Arten sind in Europa, Südeuropa, Südwestasien, Kaukasus und bis zum Kaspischen Meer beheimatet. Das Schneeglöckchen bevorzugt einen lehmig-humosen Boden, der auch immer Sommer eine gewisse Feuchtigkeit aufweist. Am liebsten steht es im Halbschatten, an Gehölzrändern (keine Nadelhölzer), sowie zwischen Sträuchern.

Verbreitung

Die Vermehrung erfolgt über Tochterzwiebeln. Sie entstehen in den Zwiebelschuppen wie Knospen, aus denen sich dann die Tochterzwiebeln entwickeln. Stirbt die Mutterzwiebel ab, überleben die Tochterzwiebeln und dienen somit der vegetativen Vermehrung.

Arten

Bei den unzähligen vielen verschiedenen Arten, sollen hier an dieser Stelle nur das kleine Schneeglöckchen – Galanthus nivalis, das Kaukasische Schneeglöckchen – Galanthus woronowii/Galanthus alpinus, und die Sommerknotenblume – Leucojum aestivum – angeführt werden.  Weil es so viele Arten gibt und einige kultivierte Formen so unglaublich schön sind, hier nur ein paar Bilder zur Veranschaulichung dieser Schönheiten. Diese Formen sind gefüllte Arten.

Gefülltes Schneeglöckchen 3

Bildquelle: Bild: http://gras-gefluester.blogspot.co.at/2013/03/ich-bin-kein-galanthophiler-das-bin-ich.html und

Gefülltes Schneeglöckchen

http://foto.mein-schoener-garten.de/gefuellte-Schneegloeckchen-im-Regen-neu-foto-2176478-35.html

Inhaltsstoffe und Wissenswertes

Das Schneeglöckchen erzeugt über die Zwiebel Biowärme und schmilzt die noch vorhandene Schneedecke um sich herum. Alle Teile des Schneeglöckchens sind giftig und enthalten besonders konzentriert in der Zwiebel 0,8% – 1,6% Alkaloide – Galantamin und Lycorin. Vergiftungen mit Schneeglöckchen bewirken in erster Linie Magen-Darmbeschwerden. In der Zwiebel ist es das Amaryllidaeen-Alkaloid. Das Galanthamin ist einer der Wirkstoffe, die bei Demenz, um ein Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit einzubremsen, eingesetzt wird. Galanthamin kann aus dem kleinen Schneeglöckchen, aus den Kaukasischen Schneeglöckchen und der Gelben Narzisse gewonnen werden, wobei der Wirkstoff heute synthetisch hergestellt werden kann und die Pflanze selbst heute nicht mehr zur Gewinnung des Galanthamins verwendet wird. Im Kaukasus wurde das Schneeglöckchen schon lange Zeit in der Volksheilkunde eingesetzt. Dazu verspeisten alte, demente Menschen die Zwiebeln der Pflanze. Erstmals gelang die Synthese im Jahre 1953 aus den Zwiebeln des Kaukasischen Schneeglöckchens. Das Alkaloid wirkt als Antidementivum bei der Behandlung von Demenzen. Der Mangel an Acetylcholin/Neurotransmitter (Botenstoffe, die an chemischen Synapsen die Erregung einer Nervenzelle auf die andere übertragen) insbesondere bei Alzheimererkrankung wird durch dieses Alkaloid ausbalanciert. Der Wirkstoff Galanthamin hat einen doppelten Wirkmechanismus – Modulation von nicotinergen Acetylcholin-Rezeptoren und Hemmung der Acetylcholinesterase – was zu einer Erhöhung der Acetylcholinkonzentration im synaptischen Spalt führt. Es soll auch Hinweise geben, dass der ß-Amaloid-induzierte Zelltod von Gehirnzellen durch Galanthamin verzögert und der Glucosestoffwechsel des Gehirns optimiert werden kann. Als Medikament ist Galanthamin (meist als Hybromid) unter den Bezeichnungen 1A Pharma, Galantamin Hexal, Galantamin Ratio, Galnora und Reminyl erhältlich.

Strukturformel Galantamin, C17H21NO

https:common.wikimedia.org/wiki/File:Glantamin_Structural_formular.png.

Twin scalling: Das ist eine Vermehrungsmöglichkeit bei Zwiebeln. Wenn die Blüten sich eingezogen haben – also in den Ruhestand gegangen sind, kann man die Zwiebel mit einem scharfen Messer bis zum Zwiebelboden hineinritzen. So wird die Zwiebel angeregt Tochterzwiebeln zu erzeugen.

Anwendungen

Alzheimer-Erkrankung, Gedächtnisstörungen, Kinderlähmung, Nervenschmerzen, Trigeminus Neuralgie, Myasthenie (Muskelschwäche), Menstruationsbeschwerden.

Blütenessenz aus Schneeglöckchen

Das Schneeglöckchen steht symbolisch für einen Neuanfang, Zuversicht, Altes hinter sich zu lassen, Neues zu beginnen. Ausweglose Situationen, zu überwinden und Hoffnung in Lebenskrisen zu erhalten sind nur einige der Assoziationen.

Sommerknotenblume – Amaryllidaceae – Narzissengewächse

Sommerknotenblume 2

Ursprünglich war diese Form im Mittelmeergebiet beheimatet und ich bin erstmals in den Stopfenreuther Auen auf sie gestoßen. Dort fand ich sie in Massen, fast teppichbildend in den feuchteren Regionen.

Aussehen

Sie wird bis zu 50 cm lang, Zwiebelgewächs, bandförmig zu gespitzte Blätter. Sie hat glockenförmige Blüten aus sechs weißen Blütenblättern, mit einem grünen Punkt an der Spitze. An jedem Stängel befinden sich zwischen 3 und 7 Blüten. April bis Mai. Konzentration an Wirkstoffen in den Zwiebeln, 0,1% Alkaliode. Die Hauptalkaloide sind die vom Schneeglöckchen bekannten Verbindungen Galanthamin und Lycorin.

Frühlingsknotenblume – Leucojum vernum, Amaryllisgewächse – Amaryllidaceae, Märzenbecher, Märzglöckchen, Großes Schneeglöckchen

Frühlingsknotenblumen

Hier leitet sich der Name aus dem griechischen Wort „leukos“ – weiß und „ion“ – Veilchen ab.

Aussehen

Auch die Frühlingsknotenblume ist eine ausdauernde krautige Pflanze. Sie hat ebenfalls eine unterirdische Zwiebel als Überdauerungsorgan und ist daher auch ein Zwiebel-Geophyt. Die Frühlingsknotenblume wird zwischen 10 und 30 cm hoch, hat breit-linearische Laubblätter, die an der Basis der Pflanze stehen und bis zu 20 cm lang werden können. Sie hat ganz charakteristisch eine 3,5 cm lange häutige Blattscheide. Es handelt sich dabei um zwei miteinander verwachsenen Hochblättern, die den blattlosen Stängel überragen. Heuer blüht es bei mir im Garten schon seit fast 14 Tagen, obwohl die Blütezeit gewöhnlich erst später, ab März bis April sein sollte. Die Frühlingsknotenblume duftet veilchenartig, hängt nickend meist einzeln, aber manchmal auch paarweise am Blütenstandschaft. Die Blüte ist glockenförmig, weiß und zwittrig. Es hat sechs in etwa gleich lange Perigonblätter – Schutz der Blüte. Die Blütenblattspitzen zeigen eine gelblichgrüne, fleckenartige Färbung auf. Es hat sechs freie Staubblätter mit orangefarbenen Staubbeuteln. Der Griffel hat eine keulenartige Form und der Name deutet auf den unterständigen Fruchtknoten hin. Die Blätter sind stumpf auslaufend. Die Bestäubung erfolgt über Tagfalter und Bienen, die von den saftreichen, dünnwandigen Diskuszellen angelockt werden. Im Inneren der Blüte lockt die Frühlingsknotenblume mit den sogenannten Saftmalen Insekten an – das sind „Pollenatrappen“ – „Pollenimitate“ die Besucher heranlocken. Das sind Teile im Inneren der Blüte, die kein UV-Licht reflektieren, aber nektarweisend sind. Saftmale unterscheiden sich in der Farbe vom Rest der Blüte. Das menschliche Auge kann diese Farbunterschiede oft nicht erkennen, aber die nektarsuchenden Insekten sehr wohl. Beispiele sind dafür auch beim Fingerhut – Digitalis purpurea oder bei der Gauklerblume zu finden. Verbreitung findet die Frühlingsknotenblume durch die birnenförmige fleischige fachspaltige Kapsel mit ihren schwarzen Samen. Tiere, die diese Früchte fressen und wieder ausscheiden sorgen für die Verbreitung. Die Frühlingsknotenblume ist streng geschützt. Für Pferde ist sie leicht giftig. Beim Menschen zeigen sich Vergiftungen durch Herzrythmusstörungen, leichten Lähmungserscheinungen, Erbrechen, Durchfall und Krämpfe.

Saftmale

https://de.wikipedia.org/wiki/Saftmal

Standorte

Auwälder, Laubmischwälder, alpine Gebiete. Sie ist gerade im alpinen Bereich stark gefährdet. Sie wächst in größeren Gruppen und Büscheln, selten aber in großen Mengen. Sie bevorzugt feuchte, mäßig saure Ton- und Lehmböden, Hartholz-Auwälder, nährstoffreichen Nasswiesen, Steinschutthaldenwälder oder Schluchtwälder. Die Frühlingsknotenblume ist ein Feuchtigkeitsanzeiger und kann bis in Höhen von 1600 m vorkommen.

Inhaltsstoffe

Auch hier ist die gesamte Pflanze giftig und enthält Alkaloide wie Galantamin und Lycorin.

weiterführende Literatur und links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Neurotransmitter

Cholinesterasehemmer bei Alzheimer Demenz – Ergänzungsauftrag: Rivastigmin Pflaster und Galantamin Abschlussbericht des IQWiG (abgerufen am 2. April 2012).

http://botanik-steinburg.de/dateien_2012/Galanthus3_310112.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Saftmal

Bild: http://gras-gefluester.blogspot.co.at/2013/03/ich-bin-kein-galanthophiler-das-bin-ich.html

Bernhard Küenburg, Laszlo Czollner, Johannes Fröhlich, and Ulrich Jordis,

Development of a Pilot Scale Process for the Anti-Alzheimer Drug (-)-Galanthamine Using Large-

Scale Phenolic Oxidative Coupling and Crystallisation-Induced Chiral Conversion

Org. Process Res. Dev.; 3(6), 425 – 431 (1999); doi:10.1021/op990019q

https://www.tuwien.ac.at/aktuelles/news_detail/article/3466/

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Winterling

Winterling – Eranthis hymealis, Winterlinge – Hahnenfussgewächse – Ranunculaceae, Ackerwurz, Knobelblume, Knoble

Aussehen

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Da ich mir vorgenommen habe, für meinen Blog jene Pflanzen und Pilze zu beschreiben, die gerade wachsen, kommen nun die Winterblüher an die Reihe. Der erste ist der Winterling. Wie wohltuend ist sein frisches leuchtendes Gelb am sonst noch farblich sehr fahlen Waldboden. Die botanische Bezeichnung Eranthis – besteht aus den griechischen Worten éar – Frühling und ánthe – für Blüte. Der Winterling zeigt sich in etwa zeitgleich mit den Schneeglöckchen und Krokussen. Es  kommt auch vor, dass die ersten Blüten, schon unter der Schneedecke hervorblitzen. Der Winterling ist eine ausdauernde krautige Pflanze. Als Geophyt überdauert die Pflanzenknolle unter der Erde.

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Die grundständigen Blätter sitzen auf langen Stielen und erscheinen erst nach der Blüte. Heuer konnte ich schon Mitte Jänner wahre Teppiche mit Winterlingen finden. Unter der Blüte befindet sich ein Wirtel – Anordnung von Blättern, bei der zwei oder auch mehrere Blätter an einem Knoten ansetzen.

Winterling

Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Winterling#/media/File:Eranthis-hyemalis_028a.jpg/14.02.2016

Sie haben eine handähnliche Aufteilung und bestehen aus drei waagrechten Hochblättern. Obenauf sitzt jeweils eine zwittrige, radiärsymmetrische  – Form der Symmetrie, bei der die Drehung eines Objektes um einen gewissen Winkel um eine Gerade das Objekt wieder mit sich selbst zur Deckung bringt – gelbe Blüte, mit sechs Blütenblättern. 3 bis 5 Jahre nach der Aussaat setzt die Pflanze Blüten an. Die Blüten öffnen sich nur bei Sonnenlicht. Abend schließt sich die Blüte. Der Winterling zählt zu den homogamen – Zeitpunkt der Reifung männlicher und weiblicher Blütenorgane – nektarführenden Scheibenblumen. In jeder Blüte befinden sich vier bis acht Balgfrüchte – Öffnungs- oder Streufrucht. Diese Balgfrüchte sind innen wasserabweisend. Die aufschlagenden Regentropfen schleudern die Samen aus der Frucht.

Winterling BalgfruchtBildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Winterling#/media/File:Eranthis-hyemalis_028a.jpg/14.02.2016

Pflanzen, die sich der Energie der herabfallenden Regentropfen bedienen werden Regenballisten genannt. Beispiele sind das Basilikum, Braunelle oder Salbei. Diese Form der Verbreitung nennt sich Ombrochorie. Die herausgescheluderten Samen sind dann Regenschwemmlinge. Typische Vertreter sind die Sumpfdotterblume und der Winterling. Sie reifen von Mai bis Juni heran und zählen zu den Kältekeimern. Der Winterling blüht von Februar bis März. Danach zieht sich das Grün in die Erde zurück. Bestäuber sind Fliegen, Bienen und Hummeln. Die Pflanze ist aber auch ein Selbstbestäuber. Der Winterling wird 5-15 cm hoch und duftet sehr zart.

Standorte

Der Winterling ist als Neophyt – durch menschliches Zutun neu in einem Gebiet etabilert – vermutlich aus Frankreich, Italien und Türkei in unser Gebiet gekommen. Er bevorzugt nähstoffreiche, lockere lehmhaltige Böden. Halbschatten liegt ihm mehr als praller Sonnenschein. Sie gedeihen aber nicht unter Nadelholz.

Wissenswertes

Die Pflanze enthält Chromon Derivate – ist giftig und besonders die Knolle – Rhizom enthält den Stoff höher konzentriert. Ein Verzehr verursacht Verlangsamung des Pulses, Sehstörungen, Herzschwäche, Atemnot und Übelkeit. Ist die Dosis sehr hoch, kann die Vergiftung zu einem Kollaps und zu Herzstillstand führen. Die Gifitgkeit für Weidetiere ist nicht ausgeschlossen.

 

Mistel

Mistel – Viscum album, Sandelholzgewächse – Santalaceae, Heiligenkreuzholz, Drudenfuss, Geisskraut, Hexenbesen, Wintergrün, Vogelmistel,  Königin des Heils – Bedecktsamer – Magnoliopsida – Eudikotyledonen

Auf vielfache Anfragen möchte ich gerne diesen Beitrag der Mistel widmen. Jetzt sind die Bäume noch ziemlich kahl und man kann die kugeligen Gewächse mit ihrem satten Grün sehr gut sehen. Viscaceae ist eigentlich ein Sammelbegriff und es gibt alleine in Europa etwa 90 Arten, wie viscum album, loranthus europaeus, viscum quercinum, Laubholzmistel – Viscum album, Tannen-Mistel – Viscum abietis, Kiefern-Mistel – Viscum Laxum, u.v.m. Viele Mythen ranken sich um das seltsame Gewächs. In England und Amerika gibt es den Brauch: Ein Paar, das sich unter Misteln küsst, soll ewiges Liebesglück erhalten. In der Schweiz gilt die Mistel als Symbol für Fruchtbarkeit. In Frankreich werden Mistelzweige über den Eingang des Hauses gehängt, man herzt die Verwandten und Freunde darunter, um ihnen ein gutes neues Jahr zu wünschen. Und wer von uns hat nicht Asterix gelesen und „Miraculix“ für seine unbesiegbar und unverwundbar machenden Zaubertränke bewundert. Die Druiden – die Priester der Kelten bestiegen weiß-gewandet die Bäume und schnitten mit goldenen Sichel, am sechsten Tag des Mondes die Misteln. Die Mistel durfte dabei keineswegs den Boden berühren. In der griechischen Mythologie wollte Äneas mit der „goldenen Zauberrute“ in die Unterwelt eindringen. Gott Merkur diente die Mistel dazu die Tore des Hades zu öffnen. Hildegard von Bingen setzte Mistelsud gegen gefrorene Gliedmaßen, Gicht und Brustbeschwerden ein. Heilkundige wie Hippokrates und Plinius verwendeten die Mistel gegen Schwindelanfälle und Epilepsie. Der Name Mistel leitet sich aus dem althochdeutschen Wort „misti“ ab, was Mist bedeutet. Vögel verbreiten die Samen mit ihrer Ausscheidung und daher vermutlich der Name. Bedecktsamer sind Pflanzen, die Blüten haben und deren Samenanlagen im Fruchtknoten des Fruchtballs eingeschlossen sind. Nach der erfolgreichen Bestäubung entwickeln sich aus der Samenanlage mit Hilfe der befruchteten Eizelle der Samen und aus dem Fruchtknoten die Frucht.

Aussehen

Mistel

Die Mistel ist ein immergrüner und zweihäusiger Halbschmarotzer – Hemiparasiten. Das sind parasitische Blütenpflanzen, die ihren Wirtspflanzen mit Saugorganen – Haustorien, Wasser und Nährstoffe abknüpfen. Anders als bei den Vollparasiten – Holoparasiten, können die Halbparasiten ihre eigene Photosynthese betreiben. Mit ihren Wurzeln (Senker) gelangt sie an die Leitungsbahnen ihrer Wirtsbäume und holt sich so Wasser und Nährstoffe. Sie nistet sich auf Bäumen und Sträuchern an.

Mistel etwa zweijährig

Zweijährige Mistel, Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Misteln 

Die Mistel „schnorrt“ sich ernährungsmäßig und mit ihrem Wasserbedarf bei ihren Wirtspflanzen ein. Die Arten, die an sukkulenten Wirtspflanzen wachsen, sind selbst sukkulent. Sukkulent – saftreiche Pflanzen, die sich sehr gut an die Gegebenheiten anpassen können. Die lateinische Bezeichnung „Viscum“ ist ident mit der Bezeichnung für Leim. Das bezieht sich auf die klebrige Masse aus den Mistelfrüchten, die eine klebrige – leimige Substanz enthalten, die man früher als „Vogelleim“ verwendete. Geht man aufmerksam durch unsere Parklandschaften, kann man sie überall in den Bäumen erkennen. Die länglich – eiförmigen und ledrigen Blätter der Mistel sind immergrün und haben Nerven und keine Blattlinien.

Mistelblüte

Sie sprießen paarweise und verkümmern nach vier Jahren. Die Mistel hat ihr Aussehen daher, weil sie sich nicht nach der Sonne ausrichtet, sondern in alle Richtungen wächst.Die Blüten setzten jetzt im Jänner bis März an. Die Samen reifen in einem fast ein Jahr dauernden Prozess heran. So kommt es vor, dass Samen und Blüten gleichzeitig auftreten. Vögel fressen die reifen Früchte und verbreiten so die Samen auf der Rinde des nächsten Wirtsbaumes. Die Beeren sind weiß bis milchig weiß und die Masse im Inneren ist sehr klebrig. Die Misteldrossel – Turdus viscivorus – frisst diese mit Vorliebe und sorgt damit für die Fortpflanzung der Mistel. Der Samen befindet sich in dieser gallertartigen Masse.

Standorte

Als Halbschmarotzer an Laubbäumen, Nadelbäumen und Obstbäumen. Besonders gerne siedelt sie sich an Bäumen in Flusstälern mit höherer Luftfeuchtigkeit an. Die Mistel gedeiht bis auf Höhen bis 1200 m.

Mistel auf Obstbaum

Mistelkugel auf einem sehr alten Apfelbaum 

Wissenswertes, Inhaltsstoffe und Wirkung

Die Mistel enthält in den grünen Teilen das Gift Visctoxin – Mistelgift. Speziell in der kalten Jahreszeit ist das Gift hochkonzentriert vorhanden. Die Konzentration hängt auch von der Art der Wirtspflanze ab. Bei Ahorn, Robinie, Pappel oder Linde, ist die Konzentration an Gift höher. Schon die Druiden sammelten die leicht giftigen Misteln als magische Pflanze und als Allesheiler. Als die heilwirksamste Art zählt die Eichenmistel – viscum quercinum. Sie wirkt gegen Bluthochdruck, niedrigen Blutdruck, beruhigend, blutstillend, entzündungshemmend, harntreibend, krampflösend, tonisierend, Bluthochdruck, Herzschwäche, beschleunigtem Puls, Arteriosklerose, Ödemen, Fieber, bei Verdauungsschwäche, Verstopfung, bei schwachem Magen, schwacher Bauchspeicheldrüse, bei leichten Formen der Diabetes, bei Gallenschwäche, Nervenschwäche, Kopfschmerzen, Schwindel, Chronische Arthrosen, Chronisches Rheuma, Entzündungen der Gelenke, bei Beschwerden in den Wechseljahren, Menstruationsbeschwerden, bei Schmerzen, Geschwülsten und Blutungen der Gebärmutter, Weißfluss, Epilepsie, Heuschnupfen, Krampfadern, Ekzemen, und Geschwüren.

Sie beinhalten Alkaloid, Asparagin, Bitterstoff, Cholin, Harz, Histamin, Inositol, Lupeol, Lektine (Glyokoproteine), Oleanolsäure, Pyridin, triterpeniode aponine, Schleim, Viscalbin, Viscin, Viscotoxine (toxische Polypeptide, Polypeptide aus 46 Aminosäuren), wasserlösliche Polysaccharide, biogene Amine, Flavonoide, Lignane, Cyclitole – wie Viscumitol, Peholcarbonsäuren, Xanthophyll, Zink. Der höchste Gehalt an Lektinen ist im Winter in den Blütenknospen und in den Früchten enthalten.

Verwendet werden die Blätter und Zweige und in der Homöopathie Auszüge als Mittel gegen Asthma. Als Heildroge werden die Blätter, die Blüten und die jungen Blätter, in getrockneter Form verwendet.

Mistel in der begleitenden Therapie

Verschiedenste Studien beschäftigen sich mit der Mistel als Begleittherapie bei Krebs und bei Hepatitis C- Patienten. Die Beobachtungen zeigen die unterschiedlichsten Ergebnisse. So soll die Mistel soll bei hohem Blutzuckerspiegel helfen die Ausschüttung von Insulin zu unterstützen. Bei Brustkrebspatienen z.B. schlug die Chemotherapie bei Gabe von Mistelkraut besser an, als bei den Patienten, die ein Placebo bekamen. Wirksamkeit scheint die Gabe von Mistelextrakten als Begleittherapie auch bei Patienten mit Magenkrebs gegeben zu zeigen. Wie schon beschrieben, gibt es verschiedenste Untersuchungen zur Wirksamkeit von Mistelpräparaten zur Begleitbehandlung bei Krebspatienten. Nach wie vor gehört die Misteltherapie trotz zahlreicher Studien zu den umstrittensten Therapien der ären Medizin. Sie werden als Mistelpräparate in antroposophisch-homöopatischer Aufbereitung verwendet. Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, sah in der Behandlung mit Mistelextrakten das „Immaterielle“ – also das nicht mit den Sinnen wahrnehmbare als Chance zur Heilung. Einen Schmarotzer wie den Krebs mit einem anderen Schmarotzer – der Mistel begegnen. Unterstützt wurde er dabei von der Ärztin Ita Wegmann. Heute kümmert sich die Forschung vermehrt um die in der Mistel vorkommenden Lektine – komplexe Proteine, die spezifische Kohlenhydratstrukturen binden und daher in der Lage sind, sich spezifisch an Zellen und Zellmembranen zu binden und von dort aus biochemische Reaktionen auszulösen. Nach wie vor gibt es Befürworter und Gegner der Misteltherapie. So gilt die Mistel in der internationalen Krebsforschung nach wie vor als „Methode mit unbewiesener Wirksamkeit.“

Die Mistel ist jedoch trotz aller kontroversiellen Diskussionen ein Mittel der Naturheilkunde, das am häufigsten als ergänzende Behandlungsmethode bei Krebspatienten eingesetzt wird. Es gilt hier vor allem das Immunsystem zu stärken, die Lebensqualität zu steigern und die Nebenwirkungen der konventionellen Therapie zu lindern. Misteltees, Dragees, Kapseln, Tabletten und Bäder mit Mistelextrakten können in der Selbstanwendung verabreicht werden. Parentale Gaben mittels Injektionen sollten durch medizinische Begleitung stattfinden. Besonders betrifft das Tumorerkrankungen des lymphatischen und hämatopoetischen Systems wie Leukämie, (Non-) Hodgkin-Lymphome u.a.

Tee aus Misteln

Tee Mistel - tea mistletoe 05

Mistel Tee Bildquelle: Heilpraxis.net.de

Er wirkt Blutdrucksenkend, kreislaufstabilisierend, verdaungsfördernd, antirheumatisch, nervenstärkend, gegen Epilepsie und als Artherioskleroseprophylaxe. Der Misteltee wird als Kaltauszug (Mazerat) bereitet, weil Wärme die Wirkstoffe vernichten würde. Das Gift der Mistel – z.B. das Glykosid Viscalbin und Viscotoxin, lösen sich nicht in kaltem Wasser und bleiben so unschädlich. Misteltees sind im Fachhandel erhältlich. Hier verwendet man die weißbeerige Mistel.

1 TL 2,5 g klein geschnittenes, getrocknetes Mistelkraut mit kaltem Wasser übergießen und zugedeckt über Nacht stehen lassen. das Kraut durch ein Sieb abgießen. Dann langsam auf Trinktemperatur erwärmen und in kleinen Schlucken trinken. Mistelkraut sollte vor Licht geschützt werden.

Umschläge aus Mistel-Kaltauszug oder Bäder mit Mistel-Kaltauszug 

Sie helfen gegen Krampfadern, Ekzeme, Heuschnupfen und Geschwüren im Bereich der Unterschenkel, gegen Ekzeme und zur Erleichterung bei rheumatischen und neuralgischen Schmerzen.

Für Pferde, Hunde, Katzen, Nagetiere ist die Mistel gifitg.

https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/mistel.php

Vortrag Prof. Josef Beuth: Institut zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren an der Universität zu Köln, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Onkologie: http://www.krebs-forum-lazarus.ch/WBB4/index.php/Thread/5-Studien-belegen-Wirksamkeit-der-Misteltherapie/

H. S. Heide-Jorgensen: Parasitic Flowering Plants. Brill Academic Publishers, 2008, ISBN 978-90-04-16750-6.