Tag-Archiv | Bitterstoffe

Flieder

Flieder – Syringa, Ölbaumgewächse – Oleaceae, Lippenblütlerartige – Lamiales, Gemeiner Flieder – Syringa vulgaris

Flieder rosa

Rosa Fliederart

Er darf in keinem Garten und in keiner Parkanlage fehlen. In seinen verschiedensten Sorten und Farben verbreitet der Flieder den herrlichsten Frühlingsduft. Wir hatten als Kinder zwar im Garten wunderbare Sorten, aber trotzdem war das „FF“ – das Fliederfladern eine sportliche Herausforderung. Besonders faszinierten mich immer schon die gefüllten weißen und die dunkelvioletten Formen. Wissenswert ist dabei, dass der Flieder den Funden nach ursprünglich aus Asien kommt. Und wie kann’s anders sein – es gibt einen persischen Flieder.

Der Flieder ist auch in Indien, Japan, Kaschmir, Korea, Nepal, Pakistan und Afghanistan beheimatet. Der Name „Syringa“ ist aus dem griechischen Begriff „syrinks“ abgeleitet und bedeutet „Pfeife.“ Das ist aus einer Schäferlegende überbracht, in der die Hirten ihre Flöten aus Fliederholz gefertigt haben. Die Kelten waren vom Duft des Flieders ganz beeindruckt und sagten der Pflanze eine Verbindung zur Feenwelt nach. Schon im 10. Jahrhundert wurde der Flieder nachweislich von den Mauren bis nach Spanien gebracht. In der türkischen und auch in der persischen Sprache heißt der Flieder „lilac.“

Aussehen

Der Flieder wächst als sommergrüner Strauch und manche Sorten sogar als kleine Bäume. Die etwa 30 verschiedenen Arten in Europa sind winterhart. Die Wuchshöhen reichen bis zu 4 und sogar 6 Meter. Die Zweige des Flieders sind häufig vierflügelig. Die Laubblätter sind gegenständig und fast alle sind einfach und gestielt. Seltenere Varianten der fiederförmigen Blätter haben die S. Laciniata und die S. pinnatifolia. Dazu gehört auch der persische Flieder, der extrem stark duftet, reich beladen ist und eher zart im Wuchs bleibt. Die Blätter der verschiedenen Arten sind mittel – bis sattgrün. Die Blütenstände der unterschiedlichen Fliederarten sind aufrecht, manche Sorten leicht nickend und verschiedenartig aufgebaut. Es stehen viele zwittrige, radiärsymmetrische und vierzählige Blüten dabei zusammengefasst. Die vier Kelchblätter sind glockenförmig verwachsen. Die vier Kronblätter sind ebenfalls verwachsen, darin befinden sich zwei Staubblätter und der Griffel ist kürzer als die Staubblätter. Die Farbvarianten reichen von weiß über creme, gelb, pur-pur rot, und alle Lila-Schattierungen. Es gibt einfache und gefüllte Arten. Der Flieder bildet einen oberständigen Fruchtknoten und Kapselfrüchte aus – sie bestehen aus zwei oder mehreren verwachsenen Fruchtblättern – Karpellen. Diese Kapselfrüchte gehören zu den sogenannten Streufrüchten. In der Reife – Trocknung platzen die Kapseln und setzen die Samen frei. Blütezeit beginnt ab Mai und dauert bis in den Juni.

Standorte

Flieder und hier besonders die meisten Edelsorten benötigen humusreichen, nähstoffreichen, kalkreichen Boden. An sich ist der Flieder aber „Boden-Tolerant“ und ich habe ihn auch schon auf Schutthalden blühend gefunden. Ein wenig Hornspäne und Kompost im Frühling aufgetragen, lässt ihn besonders üppig blühen.

Wissenswertes

Es gibt verschiedene Sorten, die auch einen regelmäßigen Rückschnitt benötigen, damit die Pflanze nicht überaltert, wie z.B. bei der Syringa microphylla Superba. Die Sorte ist kleiner im Wuchs und somit auch für kleinere Flächen geeignet. Beim Schnitt als Vasenblume verwendet man am besten voll aufgeblühte Rispen. Den Stängel – den verholzten Teil der Länge nach ein wenig aufspalten oder mit einem Hammer aufschlagen und in handwarmes Wasser stellen. Man sollte die Zweige für die Vase möglichst in der Früh schneiden. So viele Blätter wie möglich entfernen. Ein Radikalschnitt kann im Notfall bis ins Holz stattfinden und da auf ca. 1 Meter Höhe. Danach braucht die Pflanze ein bis zwei Jahre Erholung und blüht in dieser Zeit nicht. Besser eignet sich aber das Ausdünnen. Flieder bildet auch Wurzelausläufer. Wenn man das verhindern möchte, dann müssen diese Ausläufer „gekappt“ werden. Flieder mag feuchten Boden aber keine Staunässe.

Nach der Blütezeit sollten die Zweige, die am höchsten herausragen abgeschnitten werden. Alle verblühten Teile möglichst entfernen. Die Samenbildung verbraucht viel Kraft der Pflanze. Das garantiert eine üppige Blüte für das nächste Jahr. Die Vermehrung erfolgt über Stecklinge. Das Holz ist sehr hart und schwer zu spalten. Es hat so wie die Zwetschke eine violette Zeichnung. Das Holz ist besonders bei Drechslern beliebt. Flieder wird kaum von Honig-Bienen besucht, er ist eher eine typische Hummelpflanze.

Inhaltsstoffe

Die Pflanze enthält Farnesol – ein acyclischer Sesquiterpenalkohol und hat einen an Maiglöckchen erinnernden Duft. Farnesol ist ein Juvenilhormon – Insektenhormon und Insektenpheromon, das die Ausbildung der Larvenmerkmale reguliert und die Häutung festlegt, bzw. auslöst. Farnesol wird als Duftstoff und antibakterieller Stoff in der Herstellung von Kosmetika verwendet. Fliederöl eignet sich besonders als Mittel gegen fettige Haut. Flieder-Extrakt wird z.B. durch CO-2 Extraktion gewonnen.

Farnesol hemmt die Bildung von Staphylokokken und Streptokokken-Biofilmen. Es degradiert die Enzyme Farnesyltransferase und Fettsäure-Synthase und wird deshalb auch in der Krebstherapie eingesetzt. Farnesol kommt auch im Öl von Lindenblüten, Moschuskörnern, Anisöl, Jasminöl und Rosenöl vor. Weiters enthält die Pflanze Anisaldehyde, Syringin, Alpha-Pinene, ätherische Öle und Bitterstoffe. In den grünen Teilen der Pflanze ist Sambunigrin enthalten, ein Blausäure-Glykosid, das zu Erbrechen und Durchfall führen kann. Durch Erhitzen kann es neutralisiert werden. Weil Flieder sehr bitter schmeckt, wird er kaum von Tieren gefressen. In der Natur-Heilkunde werden die Blüten, Blätter und die Rinde des Flieders verwendet. Ein Tee aus Fliederblüten und Rinde hilft bei Fieber Ischias-Schmerzen oder Rheumatismus. Er wirkt auch verdauungsstärkend und gegen Schluckauf. Bei rheumatischen Beschwerden oder Gichtanfällen ist es schmerzlindernd, ein Bad mir Blüten, Blättern und Rinde anzusetzen. In Reformhäusern und manchmal in gut sortierten Apotheken ist auch ein Öl-Auszug erhältlich. Dieses Öl auf den betroffenen rheumatischen Stellen einreiben. Das gilt auch bei Gichtanfällen. Insgesamt wirkt Flieder sedativ, tonisierend, fiebersenkend, antineuralgisch und schmerzlindernd. Das Öl wird auch bei Entzündungen der Mundschleimhaut verwendet und bei Blähungen.

Tee aus Fliederblüten

Dafür ca. 20 Blüten vom Grün befreien. Mit abgekochten Wasser überbrühen und 5 Minuten zugedeckt ziehen lassen. 2-3 Tassen täglich trinken. Ich mische gerne getrocknete Fliederblüten in Teemischungen ein. Die Blüten dafür auf Backpapier, ohne Sonneneinstrahlung, gut trocknen lassen und in Gläser füllen.

Fliederöl selbst ansetzen 

Vom Grün befreite Blüten 2 Tage anwelken lassen und mit Oliven – oder Mandelöl bedeckt 4 Wochen lang in der Sonne stehen lassen. Wer möchte kann auch Babyöl dafür verwenden. Immer wieder zwischendurch schütteln und in dunkle Falschen abfüllen. Betroffen Stellen damit einreiben.

Fliedersirup

fliedersirup

Fliedersirup: Bildnachweis Wirtshaus Oliver s. Link weiter unten 

  • Fliederblüten
  • Wasser
  • etwas Honig
  • Vanilleschote oder Vanillezucker
  • Zitronen
  • etwas Zitronensäure

Da mein Sirup noch nicht fertig ist ein Foto von einem sehr gut aussenden Vorschlag. Ein toller Sirup, der sich  auch gut für Mischung mit Sekt eignet. Die Dolden ernten und in Backpapier eingeschlagen, 1 Tag lang welken lassen. Abwiegen und gleiche Menge Zucker bereitstellen. Dann die Blüten abzupfen und in 80 Grad heißem Wasser ca. 20 Minuten köcheln lassen. Zucker, Zitronensaft und Zitronensäure, Vanillezucker oder Mark der echten Vanille nach Geschmack dazugeben. Alles durch ein feines Tuch abseien. In Flaschen abfüllen und 2-4 Tage stehen lassen. Gekühlt sollte der Sirup bis zu einem Jahr haltbar sein.

Essig mit Flieder-Blüten

www.wirtshausoliver.at

Flieder Essig

Veilchenessig

Weißer Balsamico mit Fliederblüten 

Mein Essig hingegen ist schon fertig. Dazu weißen Essig – möglichst Balsamico verwenden und die Blüten abgezupft einstreuen. Nach 2-3 Tagen färbt sich der Essig und der Geschmack ist darin auch enthalten. Das ist ein besonders nettes und selbstgemachtes Gastgeschenk.

Flieder – Parfait 

Flieder-Parfait

Parfait vom dunkel-lila Flieder 

Etwas anspruchsvoller ist das Flieder-Parfait. Dafür braucht man

  • 1 Hand Blüten
  • 250 ml Schlagobers
  • 1/8 l Schlagobers extra
  • 2 Eßl Kristallzucker
  • 2 Eßl Honig
  • Vanillezucker oder echtes Vanillemark aus der Schote
  • 4 Eidotter
  • etwas Speisefarbe lila oder rot und blau mischen
  • 1 Kastenform
  • Klarsichtfolie

Ich verwende dafür gerne den Fliedersirup als Verstärker und bei den Blüten eher die dunkel-lila Sorten schon wegen der Farbe. Wer das Parafti ganz dunkel haben möchte, kann etwas Speiesefarbe einrühren. Ein paar Waldheidelbeeren eingearbeitet ergeben auch eine tolle Farbe, verändern aber den Geschmack in Richtung „beerig.“ Die Blüten lila oder weiß abzupfen über Nacht in einem Schälchen mit dem extra – Obers ziehen lassen. Dann durch ein Sieb abseien und mit dem Zucker aufkochen.  Eigelb mit dem Zucker sehr cremig aufschlagen. Honig und Vanille einrühren. Schlagobers steif schlagen und alles vorsichtig verrühren. Eine nicht zu große Form mit Folie ausschlagen und die Masse einfüllen. Über Nacht im Tiefkühlschrank frieren lassen. Stürzen und sofort servieren. Dazu passen gut Beeren oder auch etwas Sirup mit ein paar Blüten als Dekoration.

Flieder Likör

Einen sehr wohlschmeckenden alkoholischen Likör kann man mit den Blüten ansetzen. Dafür die Blüten gut von den grünen Teilen befreien. Mit Ansatzkorn oder mit höherpozentigem Alkohol zudecken. Den Zucker einrühren und 2 Zitronen in Scheiben geschnitten dazu geben. Das Ganze kann in der Sonne 4-5 Tage lang zugedeckt ziehen. Dann durch ein feines Tuch sieben. In helle Flaschen ziehen. Auch das ist ein besonderes Mitbringsel. Mit etwas Prosecco oder Sekt aufgegossen ergibt das einen herrlich duftenden Sommerdrink.

  • 2 Hand
  • 700 Alkohol
  • 200 Gramm Zucker – hier ist auch brauner ZUcker möglich
  • 2 Zitronen
  • 1 Pkg Vanillezucker oder Mark 1 Vanilleschotehttps://de.wikipedia.org/wiki/Farnesol
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Minze

Minze – Mentha, Pfefferminze – Mentfa x piperita, Lippenblütengewächse – Lamiaceae

Minze

Gestern in der Au konnte ich gemeinsam mit einer Studienkollegin Karin und ebenfalls Bloggerin – DO-ITeria, schöne Büscheln mit Wasserminze ernten. Eigentlich waren wir auf Morchelsuche und wurden so reich beschenkt. Morcheln in den verschiedensten Formen und wunderbare Wildkräuter. Die wilde Minze oder Pfefferminze ist jetzt knapp vor der Blütezeit. Ein vielseitiges Kräutlein, das in verschiedenster Weise verwendet werden kann. Ich mag sie auch als Schnittpflanze, nebst der Zitronenmelisse in bunten Frühlingsstrauß. Jetzt ist die beste Erntezeit. Viele verschiedene wildwachsende Arten, wie die Wasserminze – Mentha aquatica L., die Pfefferminze, Bachminze, Waldminze, Rossminze, Acker Minze – Mentha arvensis und viele andere haben sich entwickelt. Generell neigt die Gattung der Mentha zur Bastardisierung. Das Wort Mentha stammt aus dem mittel-, althochdeutschen – Minza und ist aus dem lateinischen Wort Menta abgeleitet. Es steht im Zusammenhang mit der griechischen Nymphe Minthe (auch ein Berg auf dem Peleponnes). Mein Bezug zur Minze ist die persische oder marokkanische Minze – Nana genannt. Nana bezeichnet im Allgemeinen alle Minzearten. Die echte persische Minze ist die Krause Minze – Menthe spicate.

Aussehen und Verwechslungsmöglichkeiten

In Europa gibt es bei den wildwachsenden Minzen viele verschiedene Varianten. Sie kann bei hochwachsenden Arten bis zu 90 cm hoch werden. Es gibt aber auch ganz kleine und kriechende Formen. Die Minze ist eine frostharte ausdauernde krautige Pflanze mit langen unterirdischen Ausläufern oder Rhizomen. Sie duftet aromatisch und besitzt bei den meisten Arten einfache oder verzweigte Haare – Trichome. Manchmal besitzt sie einen Blattstiel. Die sattgrünen Blätter, sind rund oder lanzetten-artig, sie stehen gegenständig, sind einfach und je nach Sorte sind sie gezahnt oder haben einen gesägten Blattrand. Manche Arten zeigen eine violette Nervnatur und manche Blätter sind rötlich überzogen. Die Blüten sind in vielblütigen Scheinquirlen – zusammengesetzter Blütenstand –  angesetzt.

Poleiminze

Sie zeigen sich von Juli bis September, sind endständigen Blüten, zwittrig oder funktional eingeschlechtlich und zygomorph – zwei spiegelgleiche Hälften auf einer Symmetriebene und einem Perianth – Blütenhülle. Manchmal sind einige Blüten der Minze-Arten vormännlich – Proterandrie – Staubbeutel reifen vor vor den Fruchtblättern. Der Pollen wird vor der Reifung des Stempels entlassen. Die Minze hat fünf ungleiche Kelchblätter, die röhrig bis glockenförmig verwachsen sind. Die fünfzähligen, verwachsenen, zweilippigen Kronblätter können rosa, leicht violett oder weiß sein.

Minze blühend

Bildnachweis: www.eggert-baumschulen.de

Dabei ist die Oberlippe in etwa so groß wie einer der unteren drei Lappen der Unterlippe. Die Blüte besitzt vier ungleiche Staubblätter, die sichtbar aus der Kronröhre herausragen. Die beiden Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen. Dieser Fruchtknoten ist durch „falsche“ Scheidewände in vier Kammern eingeteilt. Es entsteht in der Reifung eine Klausenfrucht. In jeder der Kammern befindet sich ein Samenkorn. Die Bestäubung übernehmen kurzrüsselige Insekten, wie Fliegen. Die Minze verbreitet sich über ihre Ausläufer aber auch durch die Verbreitung der Samen über die Hydrochorie – Wasser. Verwechslungen können ganz leicht durch Reiben der Blätter ausgeschlossen werden. Der starke Minzgeruch ist typisch und hilft bei der Abgrenzung. Ausnahme ist nur die Polei-Minze.

Poleiminze – Mentha Pulegium – Polei, Flohkraut, Frauenminze, Poleykraut, Hirschminze

Poleiminze 2

Polei-Minze

Sie gehört ebenfalls zur Gattung der Minzen, ist sehr selten und gedeiht auf kalkarmen feuchten Böden. Meist steht sie an Flussrändern oder Seerändern. Diese Art sieht der Pfefferminze ähnlich ist aber mit einer Höhe von 10 bis 30 cm kleiner im Wuchs. Die Blätter sind oval, ganzrandig und gezähnt. Die Blüten sind rosa bis violett. In Deutschland ist die Polei-Minze auf die Liste der gefährdeten Pflanzenarten gesetzt worden. Sie enthält das giftige Pulegon – monocyclisches Monoterpenkton, das zu Erbrechen, Azidose – Störung des Säure-Basenhaushaltes, Koliken, Anstieg des Blutdruckes und narkoseartigen Lähmungserscheinungen führen kann. Bei starker Dosierung kann es sogar tödlich wirken. Das Pulegon ist gesundheitsgefährdend, es reizt den Verdauungstrakt, die Haut und die Schleimhäute. Pulegon wird als Ausgangsstoff in der Herstellung von Parfümölen, Seifen- und Waschmittel verwendet. In der Produktion von Mottenmittel, Insektenrepellents und bei der Synthese von Menthol dient es als Basisstoff. Alle Pflanzenteile riechen sehr scharf aromatisch. Die Polei-Minze ist ein Hemikrophyt – die Überdauerungsknospen liegen an der Erdoberfläche. Der Name Polei bedeutet Floh und ist aus dem lateinischen Wort Pulex – Floh abgeleitet. Das verweist auf die insektizide Wirkung der Polei-Minze. Außer dem Pulegon enthält die Pflanze noch Gerbstoffe und ätherische Öle. Schon in der Antike war die Polei-Minze als wirksames Abtreibungsmittel bekannt.

Standorte

Bachufer, Augebiete, Wiesenränder, Waldränder oder Waldwege.  Nährstoffreiche, eher kalkarme Böden.

Wissenswertes

Viele verschiedene Zuchtvarianten haben sich entwickelt. Viele davon haben eine fruchtähnliche Geschmacksnote, wie die Apfelminze, die Schoko-Minze, die Nana-Minze, die Basilikum-Minze, die Zitronen-Minze oder die Orangen-Minze.

Minze Variegata

Sehr hübsche Zuchtform mit weißem Rand Variegata 

Die Vermehrung erfolgt sehr einfach über Steckling aus den langen Ausläufern. Man kann aber auch starke Triebe abschneiden, ein paar Tage wassern und dann zur Vermehrung in die Erde stecken. Die Minze gehört zu den Langtagspflanzen. Sie wächst 14 Stunden aufrecht und blüht. Bei den Kurztagsbedingungen bildet sie Ausläufer aus. Wenn die kalte Jahreszeit kommt, stirbt das Kraut der Pflanze ab und treibt im Frühling wieder frisch aus. Schon Plinius berichtete davon, dass die Minze in der Lage sei Flöhe zu vertreiben.

Inhaltsstoffe und Heilwirkung

In den Blättern befinden sich die ätherischen Pfefferminzöle. Das Öl kann durch Wasserdampfdestillation hergestellt werden. Dieses Öl wird in der Kosmetik und in der pharmazeutischen Industrie eingesetzt. Hauptinhaltsstoffe sind Menthol, Menthon, Menthylacetat, Neomenthol und Isomenthol. Das Pfefferminzöl wirkt schwach antibakteriell und antifungal. Es unterstützt die Herstellung von Magensäften und Gallenflüssigkeit. Im Bereich des Rachens und der Mundschleimhaut oder auch der oberen Atemwege wird empfohlen Minzöl in heißem Wasser eingetropft zu inhallieren. Auf der Haut aufgetragen wirkt es kühlend. Es wirkt gegen Insektenstiche, Rheuma, Verbrennungen (leichte) und Kopfschmerz. In der Medizin wird das Minzöl innerlich bei Gallenblasenbeschwerden und Problemen des Gastrointestinaltraktes – Verdauungsapparates eingesetzt. Bei Menschen mit Reizdarm werden Magensaftreistente Kapseln als Beruhigung der Muskeln im Dickdarm verschrieben. Minzöl ist ein wichtiger Bestandteil in Produkten für die Mundhygiene. Als Aromastoff findet das Minzöl Verwendung in der Aromatherapie und für die Lebensmittelherstellung.

Rezepte

Dugh

Dugh 2

Ich liebe das erfrischende persische Joghurt-Getränk Dugh. Dafür benötigt man Joghurt, Sauerrahm, trockene Minze, frische Minze, etwas Knoblauch, Salz und Sodawasser. Wer Soda nicht mag, kann es auch mit stillem Wasser herstellen.

Ergibt etwa 2 Liter Getränk

  • 1 Becher Sauerrahm
  • 1 Becher Schafmilch – oder Biojoghurt
  • 1 Zehe  Knoblauch – kann auch wegen dem „Duft“ mit trockenem Knoblauchpulver angerührt werden
  • 2 Messerspitzen trockener Minze
  • 2 Kaffeelöffel frische Minze klein gehackt
  • Salz

Joghurt und Rahm gut vermischen, trockene Minze und frische Minze einarbeiten. Etwas salzen, den Knoblauch zerdrückt oder das Pulver einrühren. Mit Soda aufgießen. Passt eisgekühlt wunderbar zu orientalischem Essen oder einfach als kühlendes Sommergetränk zu Grillfleisch.

Mast-O-Chiar

Ebenfalls aus meiner alten Heimat Persien stammt dieses Rezept für Joghurt-Gurken-Minze Sauce. Es ist dem Griechischen Zaziki ähnlich, stellt sich nur die Frage wer früher damit dran war. Mast-O-Chiar reiche ich als Dipp für Grill- oder Ofenkartoffel und zum Grillfleisch.

  • 1 Salatgurke
  • 2 Esslöffel frische Minze
  • 2 Messerspitzen trockene Minze
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 1 Becher Sauerrahm
  • 1 Becher Schafmilchjoghurt oder Biojoghurt
  • Salz

Die Gurke sehr fein hacken, frische Minze fein hacken. Alles mit dem Joghurt und dem Rahm vermischen. Salzen. Obenauf trockene Minze streuen.

Minzpaste

Die Minzpasta ist besonders in der englischen Küche bekannt. Sie wird vor allem zu Lammgerichten gereicht. Dafür 2 handvoll gewaschene Minzblätter sehr fein hacken. Mit 2 Eßlöffel Kristallzucker in einem Mörser zerstoßen. Etwas Weißweinesssig dazugeben. Etwas Salz und frischen schwarzen Pfeffer aus der Mühle. Im englischen Originalrezept wird kein Öl beigefügt. Ich nehme noch 3 Eßlöffel gutes Olivenöl dazu, damit die Paste etwas in der Konsistenz molliger wird.

Minz-Tee

Minztee

Für den Minz Tee nehme ich die frischen Blätter, kurz abgespült. Mit gekochtem Wasser übergießen und etwa 10 Minuten ziehen lassen. Gesüßt mit etwas Zucker schmeckt er am besten. Natürlich kann man auch Tee aus getrockneten Minzeblättern herstellen. Dafür die Minze mit den Stängeln im Ganzen und zum Strauß gebunden an einem trockenen Ort – wie etwa Dachboden, verkehrt aufhängen.

Minze

Frische Erdbeeren mit Minze und Minz Sauce 

Erdbeeren mit Minze

Dazu frische reife Erdbeeren waschen und etwas anzuckern. Mit frischer gehackter Minze bestreuen. Mit frischem grünen Pfeffer aus der Mühle würzen. Etwas Minzpaste dazu reichen. Zu diesen exotisch gewürzten Erdbeeren servierte meine Großmutter in Persien Roseneis. Aber ein gutes Vanilleeis passt hier auch sehr gut dazu und fertig ist ein etwas ausgefallerenes Dessert, das z.B. gut als Nachtisch nach einem Spargelhauptgang passt. Man kann auch gehackte Pistazienkerne darüberstreuen.

 

Brunnenkresse

Echte Brunnenkresse – Nasturtium officinale – Kreuzblütengewächse – Brassicaceae, Wasserkresse

Heuer wächst die Brunnenkresse ganz besonders üppig. An den Bachufern schwimmen die Kräutlein schon als grüne Inseln. Gummistiefel an und ab zu den Bächen! Schon die alten Griechen und Römer schätzten das Wildkraut als Mittel gegen Skorbut, gegen Völlegefühl und als würziges Salatkraut. Die Brunnenkresse zählt zu den gesündesten Superfood-Gemüsen.

Aussehen

Brunnenkresse Blüte

Die Brunnenkresse ist eine ausdauernde, krautige Pflanze. Sie ist wintergrün und hat hohle Stängel. Durch diesen hohlen Stängel kann man sie vom bitteren Schaumkraut gut unterscheiden. Sie haben nämlich ähnliche Standorte. Diese Stängel können bis zu 90 cm hoch werden. Die Triebe sind blattlos und liegen auf der Wasseroberfläche. Die Laubblätter sind unpaarig gefiedert und sattgrün. Die Kronblätter sind weiß, bestehen aus zwei bis vier Fiederpaaren und sind in etwa 4 mm lang. Die Brunnenkresse bildet Nodien, bzw. Zwischenwirtelstücke – Sprossachsen zwischen zwei Knoten, ohne Blätter aus. Blütezeit der weißen Blüten ist Mai bis Juni. Aus den vielblütigen traubigen Blüten entstehen kleine Schoten, die nach einigen Wochen heranreifen und die Samen beinhalten. Nach der Blüte färben sich die verwelkenden Blüten manchmal violett.

Bildquelle: http://azalas.de/blog/?page_id=4421

Die Schoten sind Windstreuer. Sie sind bis zu 20 mm lang und bis 3 mm breit. Darin befinden sich in Zweierreihe bis etwa 60 Samen. Die Samen haben auf der Oberfläche eine wabenartige Einteilung.

Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Internodium_(Botanik)

An diesen Nodien entstehen die Adventivwurzeln – seitliche weiße Fadenwurzeln. Über diese seitlichen Wurzeln nimmt die Pflanze die Nährstoffe auf. Die Wurzelknollen die unter der Wasseroberfläche liegen, speichern die Nährstoffe.

Bildquelle: Von Frank Vincentz – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1384621

Standorte

Brunnenkresse an Bachufer

Bildquelle: https://www.gartenrot.com/brunnenkresse-samen.htmlBild: https://www.gartenrot.com/brunnenkresse-samen.html

Die Brunnenkresse bevorzugt als heimisches Wildkraut feuchte Standorte. Das sind meist Ränder von Gewässern, saubere Bachläufe, Teiche und Aubäche. Eine Pflanzung in Kübeln ist möglich, solange die Erde ausreichend feucht gehalten wird.

Inhaltsstoffe und Wissenswertes

Die Brunnenkresse ist reich an Vitamin A, B1, B2, B3, B6, C, D, K und E. Außerdem Calcium, Niacin, Riboflavin, Thiamin, Eiweiß und Ballaststoffe. Sie enthält Mineralstoffe und Senfölglykosid, das für den scharfen Geschmack verantwortlich ist. Weiters Suloporophan und Iberin, Raphanol und Folsäure. Brunnenkresse hilft auch bei Zuckerkrankheit – die Diabetes mellitus. Die Brunnenkresse ist ein wunderbares Kraut gegen Frühjahrsmüdigkeit und wirkt gegen Vitaminmangel. Diese haben antibiotische, antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung. Der Brunnenkresse wird krebshemmende Wirkung zugeschrieben. Sie wirkt anregend, antibakteriell, blutreinigend, harntreibend, schleimlösend, bei Bronchitis, Halsentzündungen, Zahnfleischentzündungen, Verdauungsproblemen oder Würmer. Es senkt den Blutzuckerspiegel, hilft bei Gallen- und Blasenbeschwerden, Nierenbeckenentzündung, Rheuma, Gicht, Epilepsie, unreine Haut, Ekzeme und Juckreiz. auch noch enthalten ist Antibiotika, Bitterstoff, Eisen, Arsen, Jod, Salicylat, schwefelhaltiges ätherisches Öl, Zink. Von einer Einnahme von Brunnenkresse in der Schwangerschaft wird abgeraten.

Eine Paste aus zerdrückter Brunnenkresse hilft als Bleichmittel bei braunen Flecken auf der Haut. Die Kresse hilft innerlich und äußerlich angewendet einen schönen regelmäßigen Teint zu erhalten.

Rezepte

Brunnenkresse schmeckt frisch am Besten. Ein Frühlingssalat  mit Brunnenkresse schmeckt wunderbar erfrischend. Ich mische dafür verschiedene Blattsalate dazu. Die Blüten auf den Salat gestreut sind nicht nur dekorativ, sie schmecken auch sehr gut. Alle oberirdischen Teile der Pflanze sind essbar. Die jungen Stiele sind zart und können mit gegessen werden.

Pesto aus Brunnenkresse

Brennesselpesto

Für ein Marmeladeglas Pesto

  • 2 Handvoll Brunnenkresse
  • grobes Meersalz
  • Frischen schwarzen Pfeffer aus der Mühle
  • Olivenöl
  • 20 Stück Pinienkerne
  • Saft 1 Zitrone

Die Kresse ganz fein hacken, Pinienkerne ebenfalls. Ich nehme dann einen Mörser aus Porzellan und zerdrücke alles noch einmal ganz fein. Mische es mit dem groben Salz ab. Zitronensaft dazu und pfeffern. Mit Olivenöl aufgießen. Dieses Pesto schmeckt ganz köstlich zu allen Arten von Nudeln und lässt sich gut mit Parmesan abrunden. Auch mir Gnocchi ergeben sie ein feines Gericht. Auf getoastetem Weißbrot ist das Pesto ein wunderbares „Fingerfood.“

Suppe aus Brunnenkresse

Eine sehr feine Frühlingssuppe lässt sich aus dem würzigen Kraut herstellen.

  • Für 4 Portionen
  • 6 handvoll Brunnenkresse
  • etwas Olivenöl
  • 1/2 Liter Suppe aus Huhn oder Rind – alternativ Suppenwürfel
  • 1 helle Zwiebel
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 1 Becher Schlagobers
  • Salz & Pfeffer
  • etwas Muskat
  • 1 kleine mehlige Erdäpfel
  • 1 Esslöffel Sauerrahm

Die Brunnenkresse in der Suppe kurz blanchieren. Mit einem Pürierstab aufpürieren. Die Erdäpfel sehr fein reiben und dazugeben. Knoblauch zerdrückt einrühren. Die Zwiebel in Olivenöl anschwitzen und auch einrühren. Alles circa 15 Minuten ziehen lassen. Dann durch ein feines Sieb abgießen. Würzen, und mit Sauerrahm verfeinern. Das Obers steif geschlagen unterziehen. Wer mag, kann gebratene Garnelen oder Jakobsmuscheln auf einem Spieß oder einfach obenauf dazu reichen. Ein paar Streifchen Räucherlachs sind auch eine köstliche Beigabe. Sehr gut schmeckt auch Käsegebäck zu dieser Suppe.

Sauerampfersuppe

Eine

Mein liebster Frühlingsaufstrich mit Brunnenkresse

  • 250 Gr 20% Topfen
  • 1 weiße Zwiebel
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 1 Handvoll Kresse
  • 2 cm frischen Ingwer
  • etwas frischen Thymian
  • Saft 1 Zitrone
  • Salz & Pfeffer

Zwiebel fein hacken, Knoblauch zerdrücken, Den Ingwer schälen und sehr fein hacken. Thymian zupfen und die Kresse mit einem scharfen Messer oder einer Kräuterwiege ganz fein schneiden. Mit dem Topfen vermischen und würzen. Mit dem Zitronensaft verrühren. Der Aufstrich passt gut auf getoastetes Brot.

Kräutertee mit Brunnenkresse

Dieser Tee wirkt auf die Funktion der Leber und blutreinigend. Da er harntreibend ist, eignet er sich auch zum Durchspülen bei kleinen Nierensteinen und Blasensteinen. Eine Handvoll Brunnenkresse mit heißen Wasser überbrühen und ca. 10 Minuten ziehen lassen.

Löwenzahn

Löwenzahn – Taraxacum sect. Ruderalia, Korbblütler – Asteraceae, gewöhnlicher Löwenzahn, Pusteblume, Hundsblume, Pissnelke (wegen der Harntreibenden Wirkung), Bettschisser, Kuhblume, Butterblume

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Die Natur scheint im Moment wahrlich zu explodieren. Überall sieht man schon die leuchtend gelben Köpfchen des Löwenzahns blühen. Zeit – Löwenzahn zu ernten. Als Kind wurde mir aufgetragen, die knapp vor der Reife stehenden Blüten abzuknipsen, um die Verbreitung etwas einzudämmen. Der „englische“ Rasen ohne jegliches „Unkräutlein“ war sonst gefährdet. Brav ging ich mit einem Jutesack hunderte von Blütenköpfchen abernten. Ich erinnere mich auch daran, dass mir vom Löwenzahn-Kaffee, den man im Krieg daraus machte, erzählt wurde. Ähnlich wie bei der Cichorie – der Wegwarte s. dazu entsprechenden Blogbeitrag, wurde der Löwenzahn als Ersatzkaffee verwendet. Dafür wurde in Kriegszeiten die Wurzel geschnitten, geröstet und gemahlen als Kaffee-Ersatz verwendet. Besonders schöne Blattrosetten stach ich für den „Röhrlsalat“ aus. Vermutlich stammt die Pflanze ursprünglich aus Zentralasien. Seine Heilwirkung ist nicht zu unterschätzen.

Aussehen

Löwenzahn

Dieses Exemplar sitzt seit zwei Jahren in einer alten Linde. Der Löwenzahn kann ganz lustige Formen aufweisen. Ein gutes Bild gelang mit letztes Jahr auf der Wiese in einem Park in Währing. Dieser  etwa unübliche Löwenzahn hatte ganz dicke Stängel und zwei Blüten wuchsen daraus hervor.

Der Gemeine Löwenzahn ist eine mehrjährige ausdauernde krautige Pflanze.

Löwenzahnblätter

Die Blätter des Löwenzahns stehen in einer grundständigen Rosette. Die Blätter sind sattgrün, lanzettenartig mit gezähnten Rändern.

Insgesamt kann die Pflanze bis zu 25 cm hoch werden. Aus den Blattachseln entstehen meist mehrere bis zu 60 cm lange Blütenstandstiele. Diese Stiele sind hohl, blattlos und ganz leicht befilzt. Am oberen Ende befinden sich spiralig verteilt 30-40 abstehende Hochblätter.

Ein Wirtel aus den grünen Hüllblättern bildet anfangs einen geschlossenen Schutz der Blütenstandknospe. Dieser Blütenstand ist eine Scheinblüte.

Löwenzahn Blüte

Das bedeutet, dass mehrere Blüten so tun, als wären sie eine einzige Blüte. Beim Löwenzahn sind es bis zu 300 einzelne, gelbe Zungenblüten.

Löwenzahnblüte aufgeschnitten

Die einzelnen kleine Zungenblüten sind in einem tellerförmigen Körbchen zusammengefasst. Diese einzelnen Blüten öffnen sich darin ringförmig von außen nach innen. Die Sie schließen sich während der Nacht, bei Regen und wenn es zu trocken ist. Bei der Fruchtreife werden die Blütenhüllen der Zungenblüten abgestoßen. Aus den Zungenblüten entwickeln sich in der Fruchtreife die Achänenfrüchte – Pappus.

Löwenzahn mit Blütenresten obenauf

Hier sieht man sehr schön die bereits angelegten Schirmchen und die vertrockneten Blütenanteile, die abgeworfen werden.

Die Früchte sind Schirmflieger und lassen sich durch den Wind verbreiten. Diese Früchte sind schlanke, tonnenförmige und mit Schirmchen ausgestattete Samen.

Bildquelle zweites Bild: http://www.lumixgexperience.de

Auffallend ist der weiße Milchsaft, der bei Verletzung aus allen Teilen der Pflanze strömt. Der Löwenzahn hat eine bis zu 1 Meter lange Pfahlwurzel, die äußerlich dunkelbraun bis schwarz ist. Blütezeit ist üblicherweise von April bis ende Mai. Aber auf fetten Almwiesen sieht man die Blüten noch bis in den Herbst. Der Löwenzahn gehört zu den Lichtkeimern.

Standorte

Wiesen, Waldränder, Auwälder, Mauerritzen, zwischen Pflastersteinen, Blumenkisten, nährstoffreiche Wiesen, Nutztierweiden, landwirtschaftlichen Flächen, Brachflächen.

Verwechslungsmöglichkeiten

Da es viele verschiedene Unterarten der Gattung Taraxacum gibt, kommt es auch leicht zu Verwechslungen. Oft kann eine genaue Bestimmung nur durch die Form der Samen erfolgen. Die meisten anderen Unterarten haben aber als wichtigstes Erkennungsmerkmal keinen hohlen Stiel. Verwechslungsmöglichkeiten bestehen z.B. mit dem ebenfalls essbaren Leontodon – Schaftlöwenzahn, und dem Gewöhnlichen Ferkelkraut.

Leontodon Bild Tydi Gardens www.tidygardens.eu

Bildquelle: http://www.tidygardens.eu/leontodon-spp/

Gewöhnliches Ferkelkraut

Zweiteres kenne ich als Specksalat und ernte ihn ebenfalls gerne für Frühlingssalate. Die Blätter sind wesentlich fester und ganz leicht behaart.

Inhaltsstoffe und Wissenswertes 

Der Löwenzahn ist eine wichtige Bienenpflanze. Der daraus entstehende Honig ist intensiv und sehr wohlschmeckend. Bienenzüchter stellen deswegen gerne ihre Völker auf Wiesen mit möglichst viel Löwenzahn.

Der wichtigste Wirkstoff im Löwenzahn sind vor allem die Bitterstoffe, die auf die Verdauungsdrüsen wirken. Löwenzahn ist ein hevorragender Vitamin C Spender. Neben Bitterstoffen, Flavonoide, Triterpene und Phytosterole auch Gerbstoffe, Inulin, Xantophylle, ätherisches Öl, Cholin, Provitamin A, Vitamine B, C und Mineralsalze. Diese Inhaltsstoffe sind appetitanregende, stoffwechselanregendn, entwässernd, krampflösen, sie fördern den Gallenfluss (choleretisch), magensaftanregend, blutreinigend und entzündungshemmend. Löwenzahnextrakte, Löwenzahntees oder Löwenzahntinkturen oder Press-Säfte werden in guten Reformhäusern und Apotheken angeboten. Menschen mit Kontaktallergie gegen den Milchsaft sollten von einer Einnahme der Press-Säfte und Tinkturen absehen. Einsatzgebiete der Tinkturen, Tees, oder Press-Säfte  sind: Gallen- und Leberbeschwerden, Verdauungsbeschwerden, Wasseransammlung, Pickel und Ekzeme, bei Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Blähungen, Blasen- und Nierenbeschwerden, bei leichten Nierenbeschwerden, Stoffwechselbeschwerden, hohen Cholesterinspiegel, bei Hämorrhoiden,  Krampfadern, Gicht, Gelbsucht, Fettleibigkeit, Asthenie, und Rheuma.

Der gewöhnliche Löwenzahn hat oft Probleme mit den Rostpilzen Puccinia variabilis, Puccinia silvatica, Puccinia taraxaci und Scelertium rolfsii.

Heilwirkung des Löwenzahns

Die Bitterstoffe wirken im naturmedizinischen und heilkundlichen Bereich gegen Beschwerden im Magen- Darmbereich, sowie bei Leber- und Gallenbeschwerden. Die Löwenzahnwurzel und das Kraut sind unter dem Namen Taraxaci herba cum radice bekannt.

Rezepte 

Der Löwenzahn gehört zu den beliebtesten Wildkräutern. die vielen Verwendungsmöglichkeiten machen ihn so beliebt. Man kann Löwenzahn zu Pesto verarbeiten, als Zutat zu Wildkräutersalaten, als Gemüse, oder als eingelegte Knospen.

Erdäpfelsalat mit Löwenzahn

Einer meiner absoluten Favoriten ist im Frühling der Löwenzahnsalat. Ich mache ihn mit „Kipflern“, rotem Zwiebel und Kürbiskernöl. Herrlich passt auch ein wachsweiches Ei dazu. Ostern ist also die Gelegenheit.

Löwenzahnmarmelade

Eigentlich ist es bei mir eher ein Gellé. Dafür die gelben Blüten zupfen und waschen. Die Blüten sind echte Leichtgewichte. 1:1 mit Gelierzucker aufwiegen. Ganz wenig Wasser – nur zugedeckt verwenden. Ich gebe noch etwas Zitronensaft dazu und Mark 1/2 Vanilleschote. Alles kurz aufkochen lassen Durch ein sauberes Geschirrtuch abseien und sofort in Gläser füllen. Wer mag, kann natürlich ein paar Blütenblätter darin belassen.

Löwenzahnsirup- alkoholisch

Für den Sirup verwende ich das Kraut und die Wurzeln. Ich setze ihn als alkoholischen Extrakt an. Auf ca. 20 dag Blüten und Wurzeln, gebe ich ca 1/2 Liter Ansatzkorn, Mark 1 Vanilleschote und 15 dag braunen Zucker. Ich fülle den Sud in verschließbare Flaschen und stelle sie für ca. 1 Woche aufs Fensterbrett. Danach durch ein feines Tuch abseien und mit Honig verfeinern.

Löwenzahntee

Dafür die frischen Blätter und Blüten waschen, kurz überbrühen und ca. 10 Minuten ziehen lassen. Schluckweise trinken. Nie mehr als 4 Wochen anwenden.

Löwenzahnknospen eingelegt

einegelegte Löwenzahnknospen

Gänzlich unbekannt sind eingelegte Löwenzahnknospen. Umso mehr freue ich mich über die begeisterten Stimmen. Sie passen herrlich als Beilage zu kalten Platten. Dafür noch geschlossene Knospen ernten. Ganz kurz in Salzwasser aufkochen und abtropfen lassen. Mit Weißweinessig, Olivenöl, Salz und Zitronenscheiben in einem Glas aufgießen.

Schmalblättrige Doppelsame, Rauke

Schmalblättriger Doppelsame – Diplotaxis tenuifolia, Kreuzblütengewächse – Brassicaceae, Wilde Rauke, Stinkrauke, Rucola

Wilde Rauke 1

Heute bei meinem Gang durch die Weinberge stieß ich auf ein bereits blühendes Nest von Wilder Rauke – Rucola. Schnell war das Schwammerlmesser gezückt und die Beute verschwand in meinem Stoffsackerl. Sehr gerne sammle ich die Samen der Wilden Rauke und setze sie in Töpfen ein. So wächst der Rucola bei mir das ganze Jahr unter Oliven oder Weinstöcken. Typisch ist der würzige, senfartige Geschmack, der bei der Wildform manchmal auch scharf-würzig sein kann. Als Kreuzblütler ist der Rucola mit Kohlgemüse verwandt.

Rucola ist schon seit der Antike ein bekanntes Würz- und Salatkräutlein. Die alten Römer und Griechen setzten ihn als Senfpflanze ein. Es wurde ihm aphrodisierende Wirkung nachgesagt. Auf jeden Fall wirkt er apetitanregend und harntreibend.

Aussehen

Wilde Rauke

Die Wilde Rauke ist eine ausdauernde krautige Pflanze. Sie wird zwischen 20 und bis zu 70 cm hoch. Der Stängel ist aufrecht und verzweigt. Der Grund ist meist etwas verholzt. Die sattgrünen Laubblätter sind gewellt, bis gezackt – fiederteilig.

Einmal im Jahr werden Blattrosetten gebildet. Die zwittrigen, vierzähligen Blüten sind strahlend-gelb und blühen üblicherweise von Mai bis September. Die Blüten stehen gemeinsam endständig, schirmtraubig. Die Kelchblätter sind 4-7 mm lang mit weißem Hautrand. Sie sind entweder kahl oder mit Trichomen – Pflanzenhaare – können z.B. ätherische Öle produzieren oder Insekten abwehren – flaumig besetzt. In der Blüte sitzen sechs Staubblätter mit 4-8 mm langen Staubfäden und bis zu 3 mm langen Staubbeuteln. Die Blüten sind „nektarführende Scheibenblumen“ – der Nektar liegt im Verborgenen. Die Bestäubung erfolgt über Selbstbestäubung oder durch Insekten. Der Fruchtknoten beherbergt bis zu 32 Samenanlagen. Diese Fruchtstiele stehen vom Stängel ab und können bis zu 3,5 mm lang sein. Die aufrechtstehenden Schoten sind bis zu 6 cm lang. Darin sind die Samen zweireihig angeordnet. Die Samen selbst sind 1-1,3 mm groß. Wenn die Samen reif sind, platzen die Schoten auf und die Samen fallen zu Boden – Trockenstreuer. Wenn die Samen feucht werden, bekommen sie eine etwas klebrige Oberfläche – Klebhafter. Die Rauke überwintert mit Grundblättern als Chamaephyt – die Überdauerungsorgane sind über der Erde. Die Rauke gehört zu den C3 und C4 Pflanzen – einzige Art, die intermediär den Photosynthese-Mechanismus betreibt. Auf natürlichem Weg – Erzeugung von energiereichen Stoffen aus energieärmeren Stoffen mit Unterstützung durch Licht. C3 Pflanzen arbeiten mit dem Grundtypus der Photosynthese. Ihre Spaltöffnungen schließen sich bei zu hohen Temperaturen um so dem zu großen Feuchtigkeitsverlust vorzubeugen – verringerte Photosyntheseleistung. C4 Pflanzen arbeiten mit einem Stoffwechselweg, um Kohlenstoffdioxid für die Photosynthese räumlich vorzufixieren. Danach wird es wie bei den C3 Pflanzen im Calvin-Zyklus zu Kohlehydraten aufgebaut.

Standorte

Die Wilde Rauke kam vermutlich als Neophyt – durch menschlichen Einfluss – aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland und Österreich. Sie wächst in Mauerritzen, auf Schuttplätzen, stickstoffreichen – basischen Böden, sandigen lockeren Böden, an Dämmen, in Brachen, an Ackerrändern und Wegen. Sie liebt Wärme und halbruderale Gebiete.

Inhaltsstoffe – Wissenswertes

Die Wilde Rauke enthält Erucasäure – einfach gesättigte Fettsäure, auch in Senfölen (Fette, Öle oder organische Isothiocyanate, Senföle, Senfölglykoside) oder Raps enthalten. Zu hohe Dosen an Erucasäure – über 5% – können zu Herzmuskelverfettung führen. Der gezüchtete Rucola enthält weniger Erucasäure. In Maßen genossen, ist Erucasäure nicht bedenklich. Die Zuchtform der Rauke ist einjährig, die Wildform mehrjährig. Bei sehr trockenem Wetter könnte die Rauke von Erdflöhen befallen werden. Also regelmäßig gießen.

Rucola hat einen hohen Anteil an Glucosinolaten – sie sind für die Schärfe des Krautes verantwortlich und sind wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe. Weiters enthält Rauke – Beta Karotin, das der Körper in Vitamin A verwandelt, Vitamin C, Kalium und Kalzium. Zusätzlich auch Folsäure, die dem Stoffwechsel hilft.

Rezepte

Salat mit Wilder Rauke und Parmesan 

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Ein herrliches leichtes Gericht ist ein Salat aus Wilder Rauke, mariniert mit Zitronensaft, Olivenöl und frischem Pfeffer. Obenauf hoble ich frischen Parmesan.

Salat mit Frühlingskräutern und Wilder Rauke 

Wildsalat mit Breitwegerich

Wildsalat mit Wilder Rauke 

Für diesen schönen Salatteller habe ich Frühlingszwiebel, Wilden Schnittlauch, Wilden Kerbel, Wilde Rauke, Breitwegerich, Gänseblümchen und etwas Gundermann verwendet. Mariniert wurde mit weißem Essig, etwas Zitrone und Olivenöl. Alle diese Kräuter sind bereits auf diesem Blog einzusehen. Die Blüten des Gundermann kann man auch auf den Salat streuen. Das sieht nicht nur hübsch aus, es schmeckt auch gut.

Zahnbrasse in Papier mit Ruculafüllung

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Zahnbrassen gründlich entschuppen, Kiemen herausschneiden, Innenraum gut putzen. mit Sonnenblumenöl einreiben, etwas salzen. In den Bauch fülle ich Wilde Rauke, Knoblauchzehen und je 1 Lorbeerblatt. Wer möchte, kann halbierte Paradeiser oder Gemüse in etwas dickeren Scheiben geschnitten dazulegen. Das Papier oben mit einem Spagat verschnüren. Ins vorgeheizte Rohr bei ca. 160° geben. In etwa 30 Minuten braten. Zuletzt gebe ich etwas gutes Olivenöl über die Fische.

Gänseblümchen

Gänseblümchen – Bellis perennis L. ausdauerndes Gänseblümchen, Maßliebchen, Tausendschön, Marienblümchen, Monatsröserl – Korbblütler – Asteraceae

Gänseblümchen

An diesem Blogbeitrag kann man unschwer erkennen, dass sich bei mir die Sehnsucht nach dem Frühling meldet. Der Schnee wird von der ungewöhnlichen hohen Temperatur dahingerafft und schon sind die ersten Köpfchen der Gänseblümchen zu sehen. Kaum eine Wiese, ein Waldweg, ein Park, ein Garten, ein Schulhof oder eine Mauerritze, die nicht vom Ganseblümchen besiedelt wird. Es blüht fast ganzjährig und sollte viel mehr Beachtung finden. „Bellus“ – leitet sich von schön ab und „perennis“ von ausdauernd. Isst man drei Gänseblümchenköpfe im Frühling, so bleibt man das ganze Jahr gesund – sagt man über dieses Blümchen. Und wer hat nicht als Kind die Blüten gezupft und sich gefragt: „er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich …“

Aussehen und Vorkommen

Gänseblümchen Almwiese

Das Gänseblümchen ist eine ausdauernde krautige Pflanze. Es stellt geringe Ansprüche an seinen Standort und verbreitet sic dementsprechend einfach. Verwandtschaft besteht zur Schafgarbe und zur echten Kamille. Das Gänseblümchen hat ein ein aufrechtes Rhizom mit feinen faserigen Wurzeln. Die tiefgrünen Laubblätter stehen in einer dichten, mehrjährigen Blattrosette zusammen. Optisch erinnert die Blattrose an den „Vogerlsalat – Feldsalat.“ Aus dieser Blattrosette sprießen von März bis November lange aufrechte Blütenstängel mit jeweils einem Blütenkörbchen. Die Stängel können bis zu 15 cm lang werden. Der Blütenstand sieht wie ein Körbchen aus und enthält Hüllblätter, mit einem bewimperten Rand. Auf den ersten Blick ist es eine einzige Blüte. In Wirklichkeit aber, handelt es sich um eine Scheinblüte – Pseudanthium – griech. für falsche Blüte, eine besondere Form einer Infloreszenz, bei der mehrere Blüten zu einer Blume zusammengefasst sind. Umschlossen werden diese Einzelblüten von einem Involucrum – Gesamtheit der Hüllblätter. Besonders bei den Asteraceae sind Pseudanthien weit verbreitet. Die Farbvarianten reichen von weiß, bis rosa und dunklem Rot. Die weiß, rosa bis roten weiblichen, zygomorphen – zwei spiegelgleiche Hälften – Zungenblüten sind in zwei Reihen angeordnet. In der Mitte befinden sich bis zu 125 gelbe, zwittrige, trichterförmige und radiärsymmetrische Röhrenblüten. Sie sind bis zu 1,5 mm lang. Zwei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen, einfächrigen Fruchtknoten verbunden.

Bildquelle: Uni Hohenheim,oberständig, mittelständig, unterständig

Die sich bildende Frucht hat einen Pappus – Haarkranz oder Haarsaum, oder Schirmchen – kommt u.a. bei den Korbblütlern vor. Es entsteht eine gekrönte Schließfrucht. Frucht- und Samenschale sind miteinander verwachsen. Die Samen sind endospermlos – das heißt ohne Nährgewebe und den Keimling. Gänseblümchen sind Heliotrop – das zeigt sich, indem sie ihre Blütenköpfe immer in Richtung Sonne und Licht drehen. Bei Regen oder schlechtem Wetter schließen sie ihre Köpfchen. Auch in der Nacht sind die Blütenköpfe verschlossen. Die Heliotropen Pflanzen folgen dem Sonnenlicht von Osten nach Westen. Das Gänseblümchen gehört zu den Archäophyten – und den hemerochoren Pflanzen – vor 1492 durch direkten oder indirekten menschlichen Einfluss in ein neues Gebiet eingeführt und sich dort selbständig ohne fremde Hilfe etabliert haben. Das Gänseblümchen ist eine Speicherpflanze und überlebt den Winter. Das Gänseblümchen gibt es heute in zahlreichen gezüchteten Form- und Farbvarianten. Besonders hübsch sind die gefüllten Arten.

Gänseblümchen Zuchtvariante

Bildquelle: Medienwerkstatt online

Abb

Bildquelle: Medienwerkstatt online

Rezepte

Salat mit Gänseblümchen

Eingelegte Gänseblümchenköpfe – als Kapern

Eingelegte Kapuzinerkresse-Samen

Gänseblümchenköpfe noch geschlossen ernten, kurz abspülen. Auf 1/4 kg Blumenköpfe 1/4 liter Weißwein, 1/8 hellen Essig, Salz, 1 Messerspitze Zitronensäure, 34 Stück Würfelzucker. Kurz aufkochen lassen und sofort gut verschließen. Die Köpfchen passen sehr gut zu kaltem Fleisch oder zu Topfen und Gervais.

Gänseblümchentee

Für den Tee 15 Gramm getrocknete Gänseblümchen, am besten auf Backpapier getrocknet nehmen. Zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen und schluckweise trinken.

Wirkt bei Appetitlosigkeit und den Stoffwechsel anzukurbeln. Bei Leber, Galle und Verdauung fördert er die Anregung und die Entgiftung.

Wissenswertes und Inhaltsstoffe

Schon im Mittelalter machten sich die Heiler über das Gänseblümchen her und wussten über dessen blutreinigende Wirkung Bescheid. Heute gibt es das Gänseblümchen als homöopathische Globuli gegen Rückenschmerzen. In den Gänseblümchen finden sich Gerbstoffe, Bitterstoffe, Schleime, Saponine, ätherische Öle, Flavonoide und Antoxanthin. In den Röhrenblüten des Gänseblümchens befindet sich das Saponin Bayogenin. Saponine kommen in höheren Pflanzen vor. Meist in den Knollen, Wurzeln, Blättern und Samen. Beim Gemüse ist es in Sojabohnen, Erbsen, Spinat, Tomaten, Kartoffeln, und Knoblauch und auch in Kastanien enthalten. Saponine zeigen eine hämolytische Aktivität – Auflösung von roten Blutkörperchen – den Erythrozyten. Sie wirken auf die Membranpermeabilität und komplexieren Cholesterin. Außerdem sind sie für Fische gifitg – soe sind piscizid. Saponie haben einen bitteren Geschmack – außer beim Glycyrrhizin, das die meisten als Bestandteil der Lakritze kennen.

Den Saponinen werden stärkende, entzündungshemmendem harntreibende, Cholesterinbindende,  schleimtreibende- und lösende, hormonstimulierende Wirkung zugeschrieben. Sie unterstützen außerdem die Aufnahme von Inhaltsstoffen aus dem Darm. Da sie die Zellteilung im Darm hemmen, wird ihnen auch eine präventive Wirkung gegen Darmkrebs nachgesagt. Durch die hämolytische Wirkung sollten Saponine nicht in die Blutbahn gelangen. Eine Wirkung, die ich schon lange kenne ist gegen Frühjahrsmüdigkeit. Eine Auflage – Kompressen auf den Lippenherpes aufegelegt kann Wunder wirken. Gegen juckende Insektenstiche hilft ebenfalls eine Gänseblümchenkompresse. Leichte Hautprobleme lassen sich mit Waschungen aus einem Gänseblümchenbrei – aus Blüten und Blättern bekämpfen. Bei Entzündungen im Beckenbereich helfen Sitzbäder mit Gänseblümchen.

Litertaurnachweise:

Hegenauer, R: Chemotaxonomie der Pflanzen. Eine Übersicht über die Verbreitung und die systematische Bedeutung der Pflanzenstoffe. Band II. Verlag Springer, Basel. S. 371

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Thymian

Thymian – Thymus vulgaris, Lippenblütler – Lamiaceae, Quendel, Bienenkraut, Demut, Feldkümmel, Kuttelkraut, Gundelkraut  

Thymian wild

Die Wetterlage macht es möglich. Auf den Hängen in Grinzinger Sonnenlage fand ich gestern die ersten grünen Thymiansträucher. Sein starkes Aroma macht ihn als Würzkraut unentbehrlich.

Aussehen

Der echte Thymian ist ein stark verzweigter mehrjähriger Halbstrauch, der an der Basis verholzt ist. Die Pflanze kann eine Wuchshöhe von 15-40 cm erreichen. Oft ist der Thymian rasenbildend.

Thymian Wildform

Er formt kleine runde, oder eiförmige – ca. 12 mm große – stark duftende Blätter aus. Sie sind tiefgrün, sitzen auf einem kurzen Stiel, sind ganzrandig oder auch gezähnt, manchmal auch etwas eingerollt. Manche Gattungen zeigen eine leichte Behaarung. Die Blüten sind ährenartig und scheinwirtelig (zusammengesetzter Blütenstand, Zwei Knäuel stehen sich gegenständig gegenüber und berühren sich meist auch, Quirlform). Sie haben Tragblätter, die wie die Laubblätter aussehen, aber auch andere Formen aufweisen können. Die Blüten können gestielt oder aufsitzend sein, meist von kleinen Vorblättern begleitet.

Thymianblüte

Der Kelch ist glockenförmig oder zylindrisch und zweilippig (in etwa gleich). Die obere Lippe zeigt dreieckige Zähnchen. Es sind meist zehn Adern deutlich zu erkennen. Die Kronfarbe kann weiß, creme, rosa oder lila sein.

Thymian weiß

Die Pflanze hat vier Staubblätter, die in der oberen Hälfte der Kronröhre sitzen. Der echte Thymian ist meist gynodiözisch, mit Staubblättern, die zurückgebildet oder nicht stark ausgeprägt sind. Das ist die Form der Geschlechtsverteilung bei Blütenpflanzen. Das bedeutet, dass es in einer Population weibliche und zwittrige Pflanzen mit zwittrigen Blüten gibt. Die Früchte sind Nüsschen, die wie kleine Eier aussehen. Darin befinden sich runde Samen.

Standorte

Ursprünglich kam der Thymian über Afrika nach Asien und Europa. Heute gibt es zahlreiche Arten und kultivierte Formen.

Der Thymian siedelt sich gerne auf nährstoffarmen und eher sandigen Böden an. Ich liebe die kleinwüchsigen – sehr intensiv duftenden Formen, die ich meist auf Hanglagen im Bergland finde. Die Büschel getrocknet und die Blätter abgerebelt kommt das Kraut bei mir in Vorratsbehälter und erfreut mich über den Winter als wunderbares Würzkraut.

Wissenswertes

Thymian

Der Thymian mit seinen Inhaltsstoffen wirkt verdauungsfördernd. In der Antike hat schon Plinius die Heilwirkung des Thymians beschrieben. Die Ägypter konservierten damit ihre Toten. Im Mittelalter kam der Thymian nach Europa und zog in die Klostergärten ein. Hildegard von Bingen war eine große Thymian-Anhängerin und Albertus Magnus lobt ihn als Heilkraut. Die ideale Erntezeit ist April bis Oktober. Bei uns in den Gärten wird zumeist der der echte Thymian angebaut, aber auch andere Varianten wie der Zitronenthymian (Thymus x citriodorus), Orangenthymian (Thymus c. „fragrantissimus) oder Kümmelthymian (Thymus herba-barona). Ich pflanze aber nicht nur als Würzkraut gerne im Garten, sondern auch in seiner Funktion als „Bienenpflanze.“

Anwendungen

Frische Kräuter im Korb - Kopie

Atemwegserkrankungen, Entzündungen im Mund- und Halsbereich. Er wirkt antibakteriell, krampflösend, bei Wehen (nicht zu viel in der Schwangerschaft davon trinken), pilzabtötend, schmerzstillend und schweißtreibend. Außerdem wirkt er gegen Mundgeruch, Mundschleimhautentzündung, Nervenschwäche, Nierenentzündung, Hautunreinheiten, Reizhusten, rheumatischen Beschwerden, Rheuma, Gicht, Schlaflosigkeit, schwer heilenden Wunden, Sodbrennen, Unterleibserkrankungen, Wechseljahrbeschwerden, Blähungen, Wurmbefall, Zahnfleischentzündungen u.v.m.

Inhaltsstoffe

Der Thymian enthält ätherische Öle und deren Bestandteile (Geraniol, Kampfer, Carvacrol, Cineol, Thymol Limonen, Linalool, Menthol, Menthon, Salicylate), Bitterstoffe, Cumarine, Flavonoide, Gerbstoffe, Harz, Phenole, Saponine, Beta-Sitosterol (Stigmasterol), Schleimstoffe (Pentosane) und Zink

Thymian-Tee

Tee mit wilden Blüten

Teemischung aus Thymianblättern und Blüten, Brennesselblättern, Lavendelblüten, Geranie und Rosenblüten

½ TL getrocknete oder frische Thymianblätter mit ¼ Liter heißem Wasser übergießen und zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen. Nach zu viel Alkoholgenuss kann ein Thymian Tee Wunder wirken. Später im Frühjahr bietet sich auch eine Teemischung aus Blüten und Thymian an.

Thymian-Gurgellösung

Als Tee zum Gurgeln bei Rachenentzündungen und Zahnfleischentzündungen. 2 EL frische oder getrocknete Blätter mit ¼ Liter Wasser übergießen, 10 Tage lang zugedeckt ziehen lassen und abseihen. In einer dunklen Flasche aufbewahren. Zwei Mal täglich gurgeln.

Thymian als Badezusatz

2-3 EL frische oder getrocknete Blätter mit ¼ Liter Wasser 15-20 Minuten lang köcheln lassen. Die Blätter durch ein Sieb abseihen und in das Badewasser leeren. 15-20 Minuten lang baden. Diese wärmenden Dämpfe helfen gleichzeitig bei Erkältungskrankheiten und als Schlafhilfe.

Thymianbüten auf Salaten

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Frühlingssalat mit Blüten 

Herrlich würzig schmecken auch die Thymianblüten auf frischen Salaten!

Rezepte

Thymianbrot

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Dafür benötigt man

  • 300-350 Gramm glattes Mehl
  • 1 Päckchen trockenen oder frischen Germ
  • 150 ml handwarmes Wasser
  • 3 EL gutes Olivenöl
  • 2 EL Walnusskerne – wer mag
  • 1 Bund frischen oder 3 EL getrockneten
  • 1 Prise Zucker
  • 3 EL Sauerrahm
  • 1 Prise Meersalz

Butter oder Öl fürs Ausfetten und etwas Mehl für das Ausstauben der Form. Wer weniger Fett verwenden will, kann die Form mit Backpapier auslegen.

Dampfel machen: Dafür 1/3 des Mehls, Germ, Wasser und den Zucker miteinander vermischen und 15 Minuten zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen. Restliches Mehl, Olivenöl und Sauerrahm so lange schlagen, bis der Teig Blasen wirft. Den Teig wieder zugedeckt und mit etwas Mehl bestreut für ca. 1 Stunde gehen lassen. Der Teig sollte sich in dieser Zeit verdoppeln. Das Backrohr nun auf 200 °C vorheizen. Jetzt die Nüsse und den gerebelten Thymian einarbeiten. Den Brotteig in eine Form legen. Backrohr auf ca. 180° C zurückdrehen und das Brot ca. 40 Minuten lang backen.

Ente mit Thymian

Ente mit Thymian

Thymian ist verdauungsfördernd und hilft uns fette Speisen besser zu vertragen. Ganz wunderbar ist die Kombination Geflügel und Thymian. Dazu nehme ich entweder Wildenten oder Enten aus einer Zucht in Niederösterreich. Ich reinige sie gründlich (sogar mit Pinzette) von Federn und Federkielen. Waschen und gut abtupfen. Die Enden der Beine wickle ich in Folie, damit sie nicht verkohlen. Auf 1 Ente nehme ich 3 helle Zwiebel, 3 Zehen Knoblauch, Salz & Pfeffer, 1 großen Apfel ungeschält, 4-5 Zweige frischen Thymian. 2-3 Nelken, etwas Wacholderbeeren. Die Ente mit Apfel, Zwiebel, Knoblauch und Thymian füllen. Innen und Außen etwas Salzen und Pfeffern. in eine Auflaufform mit etwas Rand legen, damit der Saft, der sich bildet nicht ausrinnt. Bei ca. 130 Grad je nach Gewicht 1.5 bis 2 Std. schmurgeln lassen. Immer wieder zwischendurch mit einer Mischung aus Aceto Balsamico, Honig und einem hauch Zimt aufgießen. Entgegen so mancher Meinung verwende ich auch den Saft, der sich bildet zum Aufgießen. Wenn das Fleisch weich ist, den Saft abgießen und am Herd mit eiskalter Butter mollig einkochen. Dazu passen Knödel und Rotkraut. Aber auch ein Polenta mit etwas Thymian gewürzt ist eine wunderbare Beilage.