Tag-Archiv | Neophyt

Pfeilkresse, Lepidium Draba, Herzkresse und auch Türkische Kresse

Pfeilkresse

Heuer scheint die Pfeilkresse ein besonders gutes Jahr zu haben. Die Pfeilkresse gehört zur Gruppe der Kressen und zur Familie der Kreuzblütengewächse, den Brassicaceae.  Ich mag sie besonders gerne, weil sie Salaten einen frischen-pfeffrigen Geschmack gibt. Jetzt beginnt sie mit der Blüte und kann geerntet werden. Als ich letztens mit meiner Freundin und Studienkollegin Karin Schönhofer von der Do-Iteria am Mistplatz war, um Erde zu holen, sah ich am Nachbargrundstück ein ganzes Feld davon. Nun sofort ein Beitrag.

Aussehen und Merkmale

Pfeilkresse 2

Die Pfeilkresse ist eine recht anspruchslose, ausdauernde, krautige und mehrjährige Pflanze die bis zu 60 cm hoch wachsen kann. Mit ihrer tiefen Pfahlwurzel und ihrem verästelten Rhizom (unterirdische Sprossenachsen) kann sie sich bestens im Boden verankern. Sie zählt zu den Hemikyrptophyten und zu den Wurzelknospengeophyten. Das Wort Hemi – bedeutet so viel wie verborgen. Bei diesen Pflanzen liegen die Überdauerungsknospen oberhalb der Erdoberfläche. Die Stängel stehen aufrecht, und am Grund oft mit leichtem Haarbewuchs versehen.  Die Blätter der Pfeilkresse sind bis zu 10 cm lang und lanzettenartig, eiförmig oder spatelig geformt. Sie können unregelmäßig gezähnt sein. Im Bereich des Blütenstandes verzweigt sich die Pflanze und bildet schirmtraubige Blüten aus. Die Oberseite des Blütenstandes ist abgeflacht. Die Blüte hat vier weiße Kronblätter und ist zwei bis vier mm groß. Sie ist zwittrig und hat sechs Staubblätter, mit vier seitständigen und zwei mittelständigen Nektardrüsen. In der Mitte sitzt ein Griffel. Die Blüten sind vorweibliche, Nektarführende Scheibenblumen.

Pfeilkresse Blüte 2

Optisch wirkt der Blütenstand zuerst wie ein typischer Doldenblütler, bei näherer Betrachtung erkennt man aber den Kreuzblütler. Bestäubt wird die Blüte durch Selbstbestäubung oder durch Fliegen. 

Schirmtraube (inflorescence).svg

Bildnachweis: Von Amada44 – author of the png file is: de.wiki: supermartl, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3270828

Die Pflanze bildet zweisamige, herzförmige Schötchen aus, die im Reifungsprozess auseinanderfallen. Der Wind vertreibt diese fliegenden Körnchen, die als Lichtkeimer wieder neue Standorte suchen. Aber daneben kann diese Pflanzen sich auch vegetativ über die Wurzelsprosse vermehren.

Herkunft

Die Pfeilkresse ist ein invasiver Neophyt. Das bedeutet, dass sie sich als Art neu angesiedelt und etabliert hat. Ihr Ursprung wird vom Mittelmeer, über Osteuropa, bis Vorder- und Zentralasien lokalisiert.

Standorte

An Wald- und Wegrändern, zwischen Bahngleisen, Schuttplätzen, auf Äckern mit lehmigem Untergrund, auf Weinbergen, Mistplätzen, Ruderal-Stellen, Steinbrüchen oder auf Friedhöfen. Sie bevorzugt trockene, basische und steinige Böden.

Inhaltsstoffe

Vitamin C, Senföl. Wirkt verdauungsfördernd, Stoffwechselanregend. Wirkt mit dem Vitamin C-Gehalt auch gegen Frühjahrsmüdigkeit. Außerdem bei Durchblutungsstörungen, Verdauungsbeschwerden, Darmbeschwerden, Blähungen, Gelenk-Rheumatismus, bei Verspannungen und bei Rücken-Schmerzen (zerstoßene Samen).

Verwendung 

Ich persönlich mag die Samen der Pfeilkresse besonders gerne, weil sie einen senfig-scharfen Geschmack haben. Die jungen Blätter verwende ich von April bis Juni für Frühlings- oder Wildsalate, die Schoten kann man frisch oder trocken verwenden. Diese werden von Juli bis September geerntet. Die Blüten sind essbar und sehen über Salate oder Gemüse gestreut sehr dekorativ aus.

Wissenswertes

Pfeffer war immer schon ein recht teures und begehrtes Gewürz. Die Samen der Pfeilkresse dienten als Pfeffer-Ersatz.

Literaturnachweis

Carl von Linné 1753: Species Plantarum. Band II., Lars Salvius: Stockholm, S. 645.

Wolfram Schultze-Motel (Hrsg.) 1986: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Pteridophyta, Spermatophyta. Begründet von Gustav Hegi. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Band IV. Teil 1: Angiospermae: Dicotyledones 2 (Berberidaceae – Resedaceae). Paul Parey, Berlin/Hamburg. 

Werbeanzeigen

Winterling

Winterling – Eranthis hymealis, Winterlinge – Hahnenfussgewächse – Ranunculaceae, Ackerwurz, Knobelblume, Knoble

Aussehen

20160206_132117

Da ich mir vorgenommen habe, für meinen Blog jene Pflanzen und Pilze zu beschreiben, die gerade wachsen, kommen nun die Winterblüher an die Reihe. Der erste ist der Winterling. Wie wohltuend ist sein frisches leuchtendes Gelb am sonst noch farblich sehr fahlen Waldboden. Die botanische Bezeichnung Eranthis – besteht aus den griechischen Worten éar – Frühling und ánthe – für Blüte. Der Winterling zeigt sich in etwa zeitgleich mit den Schneeglöckchen und Krokussen. Es  kommt auch vor, dass die ersten Blüten, schon unter der Schneedecke hervorblitzen. Der Winterling ist eine ausdauernde krautige Pflanze. Als Geophyt überdauert die Pflanzenknolle unter der Erde.

20160206_131547 20160206_095802

Die grundständigen Blätter sitzen auf langen Stielen und erscheinen erst nach der Blüte. Heuer konnte ich schon Mitte Jänner wahre Teppiche mit Winterlingen finden. Unter der Blüte befindet sich ein Wirtel – Anordnung von Blättern, bei der zwei oder auch mehrere Blätter an einem Knoten ansetzen.

Winterling

Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Winterling#/media/File:Eranthis-hyemalis_028a.jpg/14.02.2016

Sie haben eine handähnliche Aufteilung und bestehen aus drei waagrechten Hochblättern. Obenauf sitzt jeweils eine zwittrige, radiärsymmetrische  – Form der Symmetrie, bei der die Drehung eines Objektes um einen gewissen Winkel um eine Gerade das Objekt wieder mit sich selbst zur Deckung bringt – gelbe Blüte, mit sechs Blütenblättern. 3 bis 5 Jahre nach der Aussaat setzt die Pflanze Blüten an. Die Blüten öffnen sich nur bei Sonnenlicht. Abend schließt sich die Blüte. Der Winterling zählt zu den homogamen – Zeitpunkt der Reifung männlicher und weiblicher Blütenorgane – nektarführenden Scheibenblumen. In jeder Blüte befinden sich vier bis acht Balgfrüchte – Öffnungs- oder Streufrucht. Diese Balgfrüchte sind innen wasserabweisend. Die aufschlagenden Regentropfen schleudern die Samen aus der Frucht.

Winterling BalgfruchtBildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Winterling#/media/File:Eranthis-hyemalis_028a.jpg/14.02.2016

Pflanzen, die sich der Energie der herabfallenden Regentropfen bedienen werden Regenballisten genannt. Beispiele sind das Basilikum, Braunelle oder Salbei. Diese Form der Verbreitung nennt sich Ombrochorie. Die herausgescheluderten Samen sind dann Regenschwemmlinge. Typische Vertreter sind die Sumpfdotterblume und der Winterling. Sie reifen von Mai bis Juni heran und zählen zu den Kältekeimern. Der Winterling blüht von Februar bis März. Danach zieht sich das Grün in die Erde zurück. Bestäuber sind Fliegen, Bienen und Hummeln. Die Pflanze ist aber auch ein Selbstbestäuber. Der Winterling wird 5-15 cm hoch und duftet sehr zart.

Standorte

Der Winterling ist als Neophyt – durch menschliches Zutun neu in einem Gebiet etabilert – vermutlich aus Frankreich, Italien und Türkei in unser Gebiet gekommen. Er bevorzugt nähstoffreiche, lockere lehmhaltige Böden. Halbschatten liegt ihm mehr als praller Sonnenschein. Sie gedeihen aber nicht unter Nadelholz.

Wissenswertes

Die Pflanze enthält Chromon Derivate – ist giftig und besonders die Knolle – Rhizom enthält den Stoff höher konzentriert. Ein Verzehr verursacht Verlangsamung des Pulses, Sehstörungen, Herzschwäche, Atemnot und Übelkeit. Ist die Dosis sehr hoch, kann die Vergiftung zu einem Kollaps und zu Herzstillstand führen. Die Gifitgkeit für Weidetiere ist nicht ausgeschlossen.