Tag-Archiv | Seitlingsartige

Austernseitling

Austernseitling – Austernpilz – Pleurotus ostreatus, Seitlingsverwandte, Ständerpilze – Basidiomycota, Muschelpilz

Austernseitlinge an Totholz

Austernseitlinge an Totholz

Ein Pilz, der erscheint, wenn die anderen in den Winterschlaf gehen. Wenn man einmal einen Austernseitling aus der „freien Wildbahn“ verspeist hat, lässt man jene in den Plastikbehältern aus dem Supermarkt stehen. Seit einer Woche erfreue ich mich an den Austernseitlingen in meinem Innenhof, die aus einer Packung Rindenmulch sprießen! Scheinbar ist in dem Material das Substrat enthalten und die Pilze bohren sich aus den doch recht dicken Plastiksäcken aus dem Baumarkt.

20151023_163315

Austernpilze aus dem Baumarktsack

20151023_163257

Austernseitlinge wachsen überall aus dem Plastiksack

Da der Austernseitling ein sehr beliebter Speisepilz ist, wird er schon seit längerem auch kultiviert. Er wird auch als „Kalbfleischpilz“ angeboten. Als Substrat dienen Holz und Stroh.

Beute aus dem Rindenmulch Sack

Beute aus dem Rindenmulch Sack

 Beute

Aussehen

Dichte Büschel des Pilzes zeigen sich an Stämmen von Laubbäumen. Jung haben die Pilze eine Spatelform, später breiten sie sich wie ein Halbkreis aus. Sie sitzen auf einem 1-4 cm langen Stiel. Anfangs hat der Pilz eingerollte Ränder, später flacht er ab. Die Ränder können im Alter eingerissen sein. Die Oberfläche ist glatt und kahl, manchmal ein wenig glänzend. Der Pilz ist insgesamt biegsam. Die Farbpalette reicht von einem recht dunklen grau bis hin violett hin und zu fast weiß oder oliv. Die meisten Exemplare sind aber beige bis sandfarben.

Austernseitling mit bläulichem Einschlag

Austernseitling mit bläulichem Einschlag gefunden am Tulbingerkogel an der Mauer eines alten Brunnens mit Holzstämmen verkleidet

Auf der Unterseite hat dieser Pilz Lamellen, die deutlich heller sind. Sie laufen am Stiel herab und enden verästelt. Der Austernpilz riecht frisch besonders angenehm nach Pilz.

Standorte

Der Austernseitling kann wie schon erwähnt auch oder besonders bei niedrigen Temperaturen fruktizieren. Einer Studie nach Bresinsky folgend, kann man sagen, dass Temperaturen um 11° C dem Pilz als Aulösereiz dienen. Auch Temperaturen um den Gefrierpunkt um die 2,8° C sind kein Problem für diesen Pilz. Also bezeichne ich ihn als einen der Winterpilze. Viele Wetten habe ich mit dem Austernseitling oder mit Cantherellen gewonnen. Einer dieser Wetten sogar gegen einen besonders geschätzten Försterfreund und Waldmenschen. Ich wettete mit ihm, dass ich am 24. Dezember frische Pilze unter der Schneedecke finden werde. Mein Korb war voll! der Austernseitling gehört zu den saprobiontisch  – Folgezersetzer hetertrophe Organismen, lebenden Pilzen, also fruktiziert er auch an totem Holz, Buchen, Eichen, seltener an Nadelholz. Er kann einen ganzen langen Baumstamm auch bis zu 10 Meter hoch entlang wachsen.

Verwechslungsmöglichkeiten

Auch hier gibt es die verschiedensten Seitlingsarten, aber nur die Ähnlichsten sollen auf dieser Seite angeführt werden.

Lungenseitling – P. pulmoanrius, Sommerausternseitling, Seitlingsartige, Er ist mit dem Austernseitling verwandt. Standorte sind ähnlich, aber der Lungenseitling ist zarter und kleiner. der Stiel ist kurz bis gar nicht vorhanden, Die Lamellen laufen am Stiel entlang und verzweigen sich dort. Er ist cremefarben bis hell-weiß, gräulich und bis ins bräunliche reichend. Er duftet in frischem Zustand ganz leicht nach Anis. Auch er lebt saprobiontisch gerne an Totholz und Laubbäumen. Pappel, Birke, Esche, Buche und Walnuss.

Lungenseitlinge

Lungensteitlinge auf Buchenholz

Lungenseitling

Lungenseitling auf Totholz

Gelbstieliger Muschelseitling – Sacromyxa serotina, Zwerknäueling – Panellus serotinus, Syn. gehört zu den Helmlingsverwandten. Sie stehen gerne in Gesellschaft mit dem Austernseitling, haben aber eine gelbe Unterseite und Stiel. Der Stiel ist geschuppt. Er lebt saprobiontisch –  also als Schwächeparasit auf Totholz, in Laub-und Mischwäldern. Weiß-Tannen-Fichten-Wäldern, Kiefernforsten, an Bächen, Moorrändern, an Waldwegen und Waldrändern, in Haselnusswäldern. Angeblich wird der essbare Austernseitling häufig mit dem gelbstieligen Muschelseitling verwechselt. Ich denke ein Blick auf die heftig-gelbe Lamellenseite sollte hilfreich sein. Dieser Pilz ist zwar essbar, sollte aber wegen der neuerlich vermuteten Giftigkeit ausgelassen werden. Er steht im Verdacht krebsauslösend zu wirken.

Gelbstieliger Muschelseitling

Gelbstieliger Muschelseitling Bild aus Wikipedia entlehnt

Inhaltsstoffe

Der Austernseitling ist ein diätisch wertvoller Pilz, weil er ballaststoffreich aber kalorienarm ist. er enthält Spurenelemente, Mykosterine, Polysaccharide, Aminosäuren und enzymatisch wirksame Proteine. Vitamin B1, B2, B5, B6, B7, B9, Vitamin C und das Beta-Glukan Polysaccharid – Pleuran sowie Lovastatin. Lovastain gehört in der Gruppe der Statine und wird gegen Hypercholesterin eingesetzt. Es ist ein natürlicher Lipidsenker. Gerade beim Austernpilz liegen Studien hinsichtlich der profilaktischen Wirkung chemisch induzierter Formen von Darmkrebs vor. Besonders in der chinesischen Medizin werden Pilzextrakte zu Unterstützung bei Behandlung von Krankheiten verabreicht. Dem Seitling wird sogar krebshemmende Wirkung nachgesagt, die aber im EU Raum nicht bestätigt ist. Er wirkt Cholesterinsenkend, Blutdruck- und Blutzuckersenkend. Insgesamt hilft er das Immunsystem zu stärken.

Verarbeitung

Rezepte

Austernseitling auf mediterrane Art 

20151101_125617

20151101_130334

Im Sommer mache die Austernseitlinge sehr gerne auf dem Holzkohlengrill und würze sie so wie hier im Rezept angeben. Sie eignen sich auch bestens für Veganer. Dafür die Pilze ausschütteln und eventuell ein wenig von Stiel wegschneiden. Kurz abwaschen und auf einem Geschirrtuch abtropfen lassen. Ich brate sie in etwas Sonnenblumen oder Maiskeimöl an und würze sie erst später mit einem guten Olivenöl. Auf einen halben Kilo Pilze zwei bis drei Zehen Knoblauch klein gehackt, Saft 1 Limette, oder Zitrone, Olivenöl, frische klein gehackte Petersilie, Salz und frischen Pfeffer aus der Mühle. Die Pilze können so mariniert kalt oder warm gegessen werden. Die Seitlinge eigenen sich auch als in Öl eingelegte Pilze. Diese aber bitte nicht zu lange und vor allem kühl lagern.