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Sanddorn

Sanddornfrüchte reif

Sanddorn – Hippophae rhamnoides, Weidendorn, Audorn, Fasanbeere, rote Schlehe, Kreuzdorngewächse-Rhamnaceae, Ölweidengewächse-Elaeagnaceae

Wie schon im letzten Artikel versprochen, kommt nun der Sanddorn. Die derzeitige Witterung macht es möglich, dass ich heute in der Früh Sanddorn ernten konnte. Die Donauinsel in Wien ist reich an Beute. Ausgestattet mit Austernhandschuhen oder festen Handschuhen, Gartenschere und Heidelbeerkamm bin ich ausgerückt. Der Gattungsname beinhaltet das Wort Pferd und phaes für leuchtend. Einer der gehaltvollsten Vitamin C-Spender für die kalten Tage.

Aussehen

Sanddorn

Ein sommergrüner Strauch, der auffallend sparrig wächst, mit Wuchshöhen bis zu 6 Metern. Er bildet eine unregelmäßige Krone aus. Die schmalen, silbrigen, lanzettenförmigen Blätter sind wechselständig angesetzt. Sie sitzen auf kurzen Stielen. Die Blattunterseite ist dicht mit Schildhaaren bewachsen. Der Sanddorn ist diözisch – zweihäusig und blüht schon bevor sich das Laub zeigt. Der Strauch hat sehr kleine gelbe, eingeschlechtliche Blüten, sie sich früh im Herbst zeigen. Sie bilden sich auf der Basis der Vorjahrestriebe aus.

Sanddornblüte männlich

männliche Sanddornblüten

Die männlichen Blüten bilden sich an kurzen Stielen in kugelförmiger Form, ohne Kronblätter. Der Sanddorn bildet ein tiefreichendes und weitreichendes Wurzelsystem aus. Es bildet sich senkrecht und waagrecht aus. Am Wurzelhals sprießen Bereicherungs- und Langwurzeln, die dicht unter der Erdoberfläche kriechen. Die Zweige haben silbrige verdornte Kurztriebe. Im August entstehen länglich ovale Früchte, die durch die appetitlich gelbe bis orange Färbung auffallen.

Sanddronstrauch mit reicher Ernte

volle Ernte

Sanddorn hellere Früchte

gelbliche Sorte

Früchte entwickelt nur die weibliche Pflanze. Botanisch handelt es sich um Schein-Steinfrüchte. Sie entstehen in der Reifung aus den fleischig werdenden Kelchröhren, die jeweils einen Samen pro Frucht umgeben. Diese Samen sind außen braun und besitzen einen weißen Kern. Sie keimen bei Licht und Kälte. Schattenplätze sind nicht geeignet. Bei einer Pflanzung im Garten sind 2 weibliche Sträucher und ein männlicher Strauch als Pollenspender angeraten. Der männliche Strauch sollte westlich von den weiblichen Sträuchern stehen um den Wind auszunützen. er sollte alle 4-5 Jahre zurückgeschnitten werden. Ausläufer früh genug kappen, damit sich der Sanddorn nicht zu stark ausbreitet.

Standorte – Inhaltsstoffe – Wissenswertes

Sanddornfrüchte

Der Sanddorn lebt symbiotisch mit Luftstickstoffbindenden Frankia-Bakterien – das sind grampositive, aerobe flamentöse Bakterien, die Zellfäden bilden und einen hohen GC-Gehalt aufweisen. Sie fixieren Stickstoff und gehen mit der Pflanze eine Symbiose ein – Aktinorrhiza. Die Aktinorrhiza sind Wurzelknöllchen bei verschiedenen bedecktsamigen Pflanzen – hier die Frankia alni.

Bildquelle: „An Alder root nodule gall“ von Rossert 1954-self made

Der Sanddorn kam ursprünglich vermutlich aus der Gegend Nepals und wurde durch eiszeitliche Verschiebungen verbreitet. Als Standorte bevorzugt der Strauch kalkhaltige Sand- und Kiesböden in Sonnenlage. Er ist oft als Pionierpflanze in Küstenregionen anzutreffen. Höhenlagen bis zu 1800 Metern in den Alpen und bis zu 5000 Metern in Asien sind keine Seltenheit. Bei uns sieht man den Sanddorn in Kiefernwäldern, an trockenen Flussufern, an Schotterfluren, in Kiesgruben und an Straßenböschungen.

Der Sanddorn hat einen ungewöhnlich hohen Anteil an Vitamin C und übertrift damit im Gehalt die meisten Zitrusfrüchte. Außerdem enthält er einen hohen Anteil an Beta-Karotin und Gerbstoffen. Vitam B12, das sonst nur in tierischer Nahrung vorkommt ist ebenfalls enthalten. Diese B 12 entsteht durch die Symbiose von Bakterien – Cobalamine (chemische Verbindung, die in allen Lebenwesen vorkommen und als B12 bezeichnet werden. Wichtigster Vertreter aus der Cobalamin-Gruppe ist das Coenzym B12 – es ist Teil mehrerer Enzyme, auf der Außenhaut der Früchte. Schon im Mittelalter schätzte man die Heilpflanze als Blutstiller. Heute wird der Sanddorn als Vitaminspender oder in Hautcremen verwendet. Inhaltsstoffe sind: Beta-Carotin, Beta-Sitosterol, Flavone, Gerbstoffe, Mineralstoffe (Kalium, Kalzium, Calcium, Magnesium, Natrium, Phosphor), Öle, Provitamin A, Vitamin B12, Vitamin C, Vitamin E, ungesättigte Fettsäuren. Wirksam gegen Appetitlosigkeit, Darmentzündungen, Erkältungskrankheiten, Frühjahrsmüdigkeit, Fieber, Gicht, Haustausschläge, Vitamin C-Mangel, Herzschwäche, Hautproblemen wie Akne, Schleimhautentzündungen, Zahnfleischbluten. Sanddorn ist als Gurgellösung und als Sirup in Apotheken oder Drogerien erhältlich. Der Anteil an Vitamin B12 macht Sanddorn besonders für Veganer interessant.

Rezepte

Sanddorn-Sirup 

Herrlich frisch und säuerlich schmeckt der Sirup zum Verdünnen als Saft

1 kg frische Früchte ganz kurz aufkochen, durch ein feines Sieb streichen, etwas Honig ca. 20 Minuten einrühren, bis eine dickflüssige Masse entsteht. Täglich mehrmals 1 TL einnehmen. Haltbarer wird der Sirup mit einem Esslöffel Zitronensäure.

 Als Gurgellösung

5 Gramm reife Früchte mit 100 ml abgekochtem Wasser übergießen und ein paar Minuten ziehen lassen

Öl und Hautcremen aus Sanddorn-Samen

Das Öl aus den ölhaltigen Samen ist besonders bei Verbrennungen sehr wertvoll. Dieses Öl ist in Apotheken und Drogerien erhältlich. Die Hautcremen pflegen und straffen die Haut.

Sanddornmarmelade

Hagebuttenmarmelade

Die Früchte für die Marmelade bis Oktober ernten und in seltenen Fällen, wie heuer bis in den Dezember. Ich nehme wie gesagt meist feste Handschuhe ein großes Tuch und einen Heidelbeerkamm mit. Sind die Früchte schon sehr reif, lassen sie sich auch gut abschütteln. Eingekocht wird mit 1:1 Gelierzucker, ein wenig Zitronensäure und dem Mark einer Vanilleschote. Ein wenig Wasser dazu verwenden, weil die Früchte doch recht breiig sind. Wunderbar schmeckt diese Marmelade auch zu einem säuerlichen Joghurt oder auf Vanilleeis. Sanddornmarmelade ist aufwendig in der Herstellung, verursacht meist Kratzer an den Händen, ist aber köstlich.

Panna Cotta mit Sanddorn und frischen Früchten 

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  • 125 g Milch
  • 500 ml Schlagobers
  • 75 Gram Backzucker
  • 2 Blatt Gelatine
  • 1 Eßlöffel Cointreu
  • 2 Vanilleschoten oder 1 Fiole Buttervanille oder 1 PKg Bourbonvanille
  • etwas geriebene Zitronenschale
  • Für die Ganierung
  • Mandelblättchen
  • Zucker
  • Frische Früchte
  • Sanddornmarmelade

Die Gelatineblätter in etwas kaltem Wasser weichen. Schoten – das Mark auskratzen mit der Milch und dem Zucker aufkochen, Schlagobers dazu geben und Temperatur zurückdrehen. Die Gewürze dazu geben. Die ausgedrückte Gelatine unter Rühren einarbeiten. Cointreu dazu geben. in Förmchen gießen – ich nehme Stahl- oder Glasförmchen (feuerfest). 3-4 Stunden in den Kühlschrank stellen. Dann stürzen oder im Glas servieren. Mit Sanddorngelee und einem Minze- oder Melissenblatt garnieren – etwas anzuckern. Für die Garnierung. In einer beschichteten Pfanne die Mandelblättchen mit etwas Zucker karamellisieren. Auf Butterbrotapier auskühlen lassen. Die größeren Stücke etwas brechen und mit Marmelade vermischen. Mit frischen Früchten obenauf legen.

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Falsche Kapern – Kapuzinerkresse

Kapuzinerkresse – Tropaeolum majus 

 Kapuzinerkresse Vielfalt 

Beim Einwintern der Blumentöpfe aus dem Garten ist für mich immer Erntezeit für die Samenkapseln der Kapuzinerkresse.

Samen Kapuzinerkresse

Ich verwende nicht nur die dekorativen Blüten und Blätter für Salate, sondern dann auch die Kapseln. Die Pflanze stammt ursprünglich aus Peru und wurde durch 1864 durch den Naturforscher Bevering nach Europa gebracht. Ihren Namen bekam sie, weil die Blüte wie die Kopfbedeckung der Kapuzinermönche aussieht. Von Lineé erhielt sie ihren lateinischen Namen.

Kapuzinerkresse

Aussehen

Die (große) Kapuzinerkresse ist eine einjährige krautige Pflanze. Sie kann 0,2 bis 5 und mehr Meter lang werden. Auffallend ist bei einigen Sorten das extreme Längenwachstum. Sie kommt als kriechende oder als kletternde Pflanze vor. Die Pflanze kann je nach Bodenverhältnissen als „Monsterschlingpflanze“ gedeihen. Letztes Jahr entsorgte ich eine Pflanze mit Ausmaßen, die ich kaum alleine auf den Biomist tragen konnte. Interessant ist dabei die eher dünne zarte Hauptwurzel. Die Blätter sind langstielig und schildförmig, der Stiel ist in der Mitte angesetzt. Vom Stiel aus laufen die Blattachsen sternförmig bis zum Rand, Sie stehen wechselständig an der Ranke. Sehr hübsch und fotogen sind Regentropfen auf den Blättern. Sie bleiben wie bei Lotusblumen perlend auf dem Blatt liegen. Die Blätter sind meist größer als die Blüte. Die Blüten können rot, orange oder gelb sein. Weiße Formen sind eher selten. Die drei untereren Kronblätter sind an der Basis gefranst und eines der fünf Kelchblätter sieht aus wie ein Sporn. Die Staubgefäße sind an der Basis frei. Der Nektar ist süß und riecht stark – etwas scharf. Das lockt in den südamerkanischen Ländern die Kolibris an. Besonders liebe ich die dunkelrote Variante, die meist auch ein dünkleres Laub hat. Sehr gerne pflanze ich die anspruchslose Kapuzinerkresse schon jetzt in Töpfe. Auch als Balkonpflanze ist sie sehr geeignet. Da sie gegen Blattläuse als natürlicher Wirkstoff hilft kommt sie bei mir liebend gerne in der bodendeckenden Form unter die Rosensträucher. Die hängenden Sorten wachsen die Mauer entlang. Sehr früh im Jahr erscheinen dann schon die zarten Blätter und die Kresse blüht mit ein bisschen Glück bis in den November. Bei uns ist sie nur als einjährige Pflanze im Handel, weil sie vor allem nicht frost-fest ist. Die Kapuzinerkresse hat keine Verwandtschaft zur Brunnenkresse. Die Frucht ist eine 3samige Beere.

Inhaltsstoffe und Heilwirkung, Wissenswertes 

Kapuzinerkresse dunkelrot   Dunkelrote Kapuzinerkresse

Die Kapuzinerkresse wirkt antibiotisch und stärkend auf das Immunsystem. Mit der Brunnenkresse ist sie übrigens nicht verwandt, aber sie schmeckt durch die Senföle ähnlich. Die Kapuzinerkresse ist reich an Vitamin C und Mineralstoffen. Die Blätter und Blüten in einem Salat angerichtet sind eine herrliche Würze. Diese Heilpflanze fördert die Durchblutung, ist schmerzstillend (bei Muskelentzündungen oder Prellungen) und hemmt die Vermehrung von Pilzen, Viren und Bakterien. Die Kresse enthält Glucosinolate mit Gluctropaeolin (Benzylglucosinolat, Benzylsenföle – sie verursachen eine leichte Gewebereizung, die durchblutungsfördernd ist). Nach der Spaltung (enzymatisch) entfalten sich die Senföle (vor allem Benzylsenföle), die ihre Verwendung in der Pharmakologie finden: Diese Senföle, die schnell vom Organismus aufgenommen werden und Atombindungen mit Proteinen eingehen können, wirken gegen Bakterien, Pilze (besonders gegen Candida und Tuberkelbakterien) und Viren. Sie können aber auf Haut und Schleimhäute starke Reizwirkung ausüben. Weitere Inhaltsstoffe der Kapuzinerkresse sind Chlorogensäure (ein Antioxidant), Ascorbinsäure und Carotinoide (das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in den Blüten enthalten sind).  Zusätzlich ist sie auch noch reich an Vitamin B, Mineralstoffe wie Eisen, Kalium, Magnesium und außerdem Schwefel und Phosphor. Am Einsatz dieser Heilpflanze als Antibiotika-Ersatz (Johannes Gottfried Mayer, Würzburg) wird gearbeitet. Er meint, dass die Einnahme von Kapuzinerkresse in Kombination mit Meerettichwurzel gegen Blasenentzündung, Bronchitis und bei Nasen- und Nebenhöhlenentzündung hilfreich ist. Nachgewiesen ist der wirksame Einsatz bei Erkältungskrankheiten. Zur Zeit laufen an der Universität Würzburg Untersuchungen, die Pflanze als ein natürliches Antibiotikum, also als hochwirksames Mittel einzusetzen. Diese Untersuchungen gehen auch in die Richtung, sie mögliches Mittel gegen Grippeviren zu verwenden. Schon die Andenvölker sollen die Kresse als Schmerzmittel und Heilpflanze verwendet haben. In Manchen Ländern Südamerikas gibt es eine knollige Sorte. Diese Knolle wird wie eine Erdäpfel gekocht – Tropaleum tuberosum – knollige Kapuzinerkresse.

in der TCM hat die Kapuzinerkresse schon lange eine wichtige Bedeutung als Mittel gegen Erschöpfungszustände, bei fehlendem Antrieb und bei leichten Depressionen.

Wie schon erwähnt, ist die Kapuzinerkresse ein natürliches Lausmittel und in der biologischen Landwirtschaft wird sie  als natürlicher Schutz gegen Blatt- und Blutläuse sowie gegen Schnecken, Raupen und Ameisen gesprüht. Die Samen der Kapuzinerkresse bleiben über mehrere Jahre keimfähig.

Rezepte

Salat mit Kapuzinerkresse 

Salat mit Kapuzinerkresse und Boretschblüten

Blattsalate mit Kapuzinerkresse sind nicht nur ein optischer Genuss. Der frische pfeffrige Geschmack ist eine exotische Würze für Salate.

Eingelegte Kapuzinerkresse-Samen – Falsche Kapern

Eingelegte Kapuzinerkresse-Samen

Die unreifen, also noch grünen Samen und als Blickfang, die noch geschlossenen Knospen kann man in Essig und Salzlake einlegen. Dazu verwende ich

  • Weißen Aceto Balsamico
  • Meersalz & Pfefferbeeren

Die Samenkapseln vorher gut einsalzen und etwa 3-4 Std. darin liegen lassen. Dann kurz im Essig aufkochen. Die noch geschlossenen Blüten lege ich nur mehr in den noch heißen Sud. Salzen und Pfeffern und in ein Marmeladeglas füllen, Der Sud sollte den Inhalt bedecken. Sie schmecken nach etwa 3 Monaten in der Lake wie Kapern und werden deshalb auch „falsche Kapern“ genannt. Achtung: In größeren Mengen verzehrt, wirken sie jedoch abführend.

Pesto aus Kapuzinerkresse

Pesto

Pesto

Ganz ein wunderbares Pesto ergeben die Blätter der Kapuzinerkresse. Dafür die Blätter sehr fein hacken, mit ebenfalls fein gehackten Knoblauch würzen. Pro Glas gebe ich 10 Pinienkerne zerdrückt dazu. Wer mag, kann anstelle der Pinien auch Walnüsse zerkleinert dazu geben. Salzen und pfeffern. Damit die Farbe lange erhalten bleibt, gebe ich etwas Zitronensäure dazu. Mit gutem Olivenöl auffüllen. Schmeckt ganz hervorragend zu Spaghetti oder Penne. Mit etwas Parmesan bestreuen. Ich habe das Pesto letztens zu einem kurz gebratenem Schweinslungenbraten gereicht.

Topfen mit Ingwer und Kapuzinerkresse

Frischen 20% Topfen mit frischem klein gehacktem Ingwer, Salz und etwas Pfeffer abrühren. Blätter und Blüten der Kapuzinerkresse fein schneiden und unterrühren. Wer mag, kann etwas frischen Zwiebel und Knoblauch dazu geben. Das ist ein köstlicher Brotausftrich und passt auch genial zu Ofenkartoffeln.

Tee aus Kapuzinerkresseblättern

Blätter und Blüten der Kapuzinerkresse auf einem Backpapier trocknen. 2 Teelöffel auf Aufguss über den Tag verteilt trinken hilft gegen Harnwegsinfekte und Atemwegsbeschwerden.

Literatur:

http://html5shiv.googlecode.com/svn/trunk/html5.js
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  • Butnariu, M. und C. Bostan (2011): Antimicrobial and anti-inflammatory activities of the volatile oil compounds from Tropaeolum majus L. In:African Journal of Biotechnology. Vol: 10, S. 5900-5909
  •  http://www.presse.uni-wuerzburg.de/einblick/single_special/artikel/kapuzinerk/
  • Bildquelle: Salat, fijn.handgemacht: Sommer im Salat http://fijnblog.blogspot.co.at/2011/06/sommer-im-salat.html